Kunst ist für alle da und soll vor allem Spaß machen – sie inspiriert, stimmt nachdenklich oder beflügelt. So auch auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität. In Hörsälen, Foyers sowie rechts und links der Wege finden sich zahlreiche Schätze, die manchmal gar nicht bemerkt werden. Mit der Serie „Kunst am Campus“, möchten wir das ändern und betrachten in loser Folge einzelne Kunstwerke. Teil 1 widmet sich dem Brushstroke von Roy Lichtenstein.
Rot, weiß und gelb: Wer das Roy Lichtenstein-Foyer der Hörsäle 2A und B des vorklinischen Instituts der Heinrich-Heine-Universität betritt, steht unversehens einem überdimensionalen Kunstwerk gegenüber. Dem Werk begegnet man nicht nur frontal, sondern wird von ihm aus allen vier Himmelsrichtungen umfangen, wo es die langen Wände fast vollständig ausfüllt. Dargestellt sind einzelne, sich teilweise überlagernde Pinselstriche sowie aufgeblähte Farbkleckse – wie Ausschnitte einer extremen Vergrößerung von Malerei.
Wer genau hinschaut, sieht, dass sich die Brushstrokes abheben von einem Hintergrund aus blauen oder roten Benday Dots – ein Druckprozess, bei dem aus kleinen farbig gedruckten Punkten Flächen einer anderen Farbe entstehen. Diese scheinbar spontan entstandenen Striche erstrecken sich über eine Fläche von 51,14 Metern, umrahmen Fenster, Türen und Ecken. Sie sind mit schwarzen Linien umrandet, die dem Gemälde einen comicartigen Ausdruck verleihen.
In den Jahren 1965 und 1966 schuf Lichtenstein eine Reihe von Industrial-Paintings, die diese vergrößerten Pinselstriche zeigen. Angelehnt ist das Motiv der Brushstrokes an eine Comic-Erzählung mit dem Titel ‚The Painting‘, die Oktober 1964 im Magazin „Strange Suspense Stories“ erschien. Mit seinem Zitat verweist Lichtenstein jedoch nicht nur auf diese Geschichte, sondern zugleich auf die gestische, wenig kontrollierte Malerei des abstrakten Expressionismus, wie das sogenannte Action Painting des amerikanischen Malers Jackson Pollock aus den 40er und 50er Jahren.
1970 wurde dem Pop-Art-Künstler Lichtenstein der Auftrag erteilt, das Foyer zu gestalten. Das Gemälde wurde damals nicht von ihm selbst angebracht, sondern von seiner Assistentin Carlene Meeker und zwei Helfern. Sie projizierten mit einem Projektor seine Entwürfe an die Wand und übertrugen die Bilder. Anschließend brachten sie mit einer Schablone die Rasterpunkte auf. Roy Lichtenstein kam im Oktober 1970 persönlich nach Düsseldorf, nahm das Ergebnis ab und signierte das Kunstwerk großformatig.
Buntes belebt Kühles
Die Architekten Konstanty Gutschow und Jens-Peter Volkamer konstruierten das Gebäude des vorklinischen Instituts und hatten während des Entstehungsprozesses die Idee, den kühl anmutenden Bau mit Lichtensteins plakativer Malerei zu vollenden. 2017 wurde die Wandmalerei über drei Monate aufwendig restauriert und ist seitdem wieder öffentlich zu sehen.
Hintergrund: Der US-amerikanische Lehrer und Maler Roy Fox Lichtenstein (1923-1997) widmete sich der Pop Art, ebenso wie Andy Warhol. Indem er so wenig Farben wie möglich einsetze, schuf er eine klare grafische Wirkung.