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Kunst am Campus
Endiadioin – eine Skulptur mit Strahlkraft von Friedrich Werthmann

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Hier ist die offene Seite der Skulptur „Endiadioin“ von Friedrich Werthmann abgebildet, die sich mit ihren ausgeschnittenen Formen der Struktur des Efeus an den Gebäudewänden optisch anpasst.

Kurz vor der Brücke über die Universitätsstraße stößt man am HHU-Campus auf ein Werk des Düsseldorfer Künstlers Friedrich Werthmann. Hier wird man von einer bikonvexen (auf beiden Seiten nach außen gebogenen) Skulptur begrüßt, die die Vorbeiziehenden wie ein Auge fixiert und verfolgt – die eine Seite geschlossen und kontemplativ, die andere sich kommunikativ öffnend.

Endiadioin ist der Titel der 1972 entstandenen kreisförmigen Edelstahlskulptur – bestehend aus zwei flachen, nach außen gewölbten Schalen, nur eine Handbreit voneinander entfernt. Die Vorderseite ist durchbrochen von herausgeschweißten rechteckigen und dreieckigen Streifen, die eine blütenartige Struktur ergeben und sich zur Mitte hin verdichten. Hier hat man unvermittelt den Eindruck, als würden diese Aussparungen von einem Magneten in den Mittelpunkt der Plastik gezogen. Die Rückseite dagegen ist geschlossen: Auf der Oberfläche ziehen sich geschliffene gerade Linien von der Mitte der Schale zum Rand des Objektes. Das Licht spiegelt sich auf der planen Oberfläche – wodurch bei Sonnenschein eine meditative Strahlkraft erzeugt wird, während die Schatten der ausgeschnittenen Formen sich auf der Innenseite der Plastik abzeichnen. Die drehbare Skulptur ist von einem Stahlrohr gestützt und misst 280 x 200 x 80 cm. Durch das industriekulturelle Material und dessen Farbe passt sie sich dem Raum vor dem Gebäude des Hörsaals 3A an, ohne ihn zu begrenzen.

Eins durch zwei
Endiadioin (auch Hendyadioin) ist von der griechischen Formulierung „hen dia dyoin“ (dt., eins durch zwei) hergeleitet. Ein Wortpaar, aus zwei unterschiedlichen Begriffen zusammengesetzt, das aber letztendlich einen Sinn ergibt (z.B. Feuer und Flamme).

Hintergrund

Friedrich Werthmann, geboren 1927 in Barmen, machte zunächst eine Ausbildung als Maurer, um finanziell unabhängig zu sein. In dieser Zeit entstanden erste Skulpturen aus Holz und Stein, die an bekannte Bildhauer wie Hans Arp erinnern. Schnell entwickelte er seinen eigenen abstrakten Stil und schloss sich 1957 der Düsseldorfer Gruppe 53 an, die sich dem Informel* widmete und die deutsche Kunstszene nachhaltig prägte. Werthmann fertigte vornehmlich Skulpturen aus Stahl und gehörte schließlich mit seinen über 800 Werken zu den wichtigsten deutschen Bildhauern nach 1945. Seine Kunst ist in zahlreichen Museen und auf öffentlichen Plätzen zu sehen. Friedrich Werthmann lebte und arbeitete bis zu seinem Tod 2018 in Düsseldorf-Kaiserswerth.

*Informelle Kunst, auch „Art Informel“ genannt, ist eine Epoche etwa zwischen 1945 und 1960. Sie lehnt die klassische Form der Kunst ab und ist geprägt von gegenstandslosen, nicht-geometrischen Darstellungen.

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Autor/in: Redaktion/SG
Kategorie/n: INTRANET News, Kunst am Campus
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Die Vorbeigehenden werden von der Skulptur begrüßt und beobachtet. (Bild: HHU/Ivo Mayr)