Sie scheinen ganz vertieft in ihr Tun zu sein: Zwei Jungen, die sich – an einer Brunnenschale – am Wasser laben. Im lichtdurchfluteten Aufenthaltsbereich der Kinderklink des Universitätsklinikums Düsseldorf fällt die aus Bronze gegossene Skulpturengruppe „Schlossmannbrunnen“ auf. Sie wurde 1933 vom Bildhauer Ernst Gottschalk gefertigt. Eine kleinere Kopie des Werks ist auch vor dem Verwaltungsgebäude des Universitätsklinikums zu sehen.
Zwei Knaben stehen entrückt an diesem Brunnen, ins Wasserspiel versunken. Der eine neigt sich mit leicht angewinkelten Beinen dem runden Brunnenbecken zu, den rechten Arm nach vorne gestreckt, in der Hand eine Schale haltend, um Wasser zu schöpfen. Mit der linken Hand sucht er Halt am Rand. Sein Kopf ist gesenkt, der Blick konzentriert auf sein Vorhaben gerichtet. Sein Gegenüber ist nach Statur und Körpergröße etwas älter. Auch er stützt sich mit der linken Hand ab, den Oberkörper aufgerichtet und den Kopf leicht nach hinten geneigt, während er aus einer Schale trinkt.
Ob ihrer Nacktheit völlig unbekümmert, gehen die beiden Knaben ganz in ihrem Tun auf – dem Schöpfen und Trinken des Wassers. Die kindlichen Körper betonen ihre Unschuld und Hilfsbedürftigkeit. Kein Kleidungsstück lässt eine Herkunft vermuten. Soziale Gleichheit wird hier im kindlichen Tun dargestellt.
Ernst Gottschalk hat die Plastik zu Ehren des jüdischen Arztes Arthur Schlossmann (1867-1932) gestaltet, die jedoch erst nach dem Ende des Dritten Reiches zugänglich gemacht wurde. 1995 wurde die Kinderklinik des Universitätsklinikums Düsseldorf nach Schlossmann benannt – dem Pädiater und Sozialhygieniker, der ein Pionier der Kinderheilkunde war. Sein Leitmotiv galt der sozialen Gerechtigkeit. Mit der Plastik wird das karikative Selbstverständnis des damaligen Direktors der Kinderklinik (1907-1928) und Ehrenmitglied der Düsseldorfer Akademie ausgedrückt.
Hintergrund
Der Düsseldorfer Künstler Ernst Gottschalk beginnt 1892 eine Ausbildung als Holzschnitzer. Nachdem er einige Kurse an Kunstschulen genommen und in Berlin studiert hatte, besuchte er von 1907 bis 1910 die Kunsthochschule in Düsseldorf. Ab 1920 war er Mitglied des „Jungen Rheinlands“ und als freier Künstler tätig, bis er 1923 mit anderen Mitgliedern die „Rheingruppe“ gründet. Der Künstler lebte von 1877 bis 1942.
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