Ein interdisziplinäres Forscherteam an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Süß vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Arbeit, Personal und Organisation, hat diese Diskrepanz nun erstmals wissenschaftlich untersucht. Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Verbundprojekt „ProHome“ zeigt, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Homeoffice langfristig produktiv, gesund und zufriedenstellend gestaltet werden kann.
Die Studie widerlegt gängige Vorurteile. „Homeoffice fördert Produktivität und Wohlbefinden, wenn es flexibel und gut ausgestattet ist. Gute Führung, klare Strukturen und gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen sind entscheidend dafür, ob mobiles Arbeiten langfristig erfolgreich ist“, erklärt Prof. Dr. Stefan Süß.
Arbeiten im Homeoffice: Produktiver und stressfreier
Die gewonnenen Daten zeichnen ein klares Bild: Ein höherer Anteil an Homeoffice geht mit steigender Produktivität, höherer Arbeitszufriedenheit und geringerer Stressbelastung einher. Weder nimmt technikinduzierter Stress (Technostress) zu, noch kommt es zu einer kognitiven Überlastung – im Gegenteil, beide sinken mit zunehmender Arbeit im Homeoffice. Auch die verbreitete Annahme, dass die Arbeitsbedingungen schlecht sind, lässt sich nicht bestätigen. Die große Mehrheit der Befragten arbeitet im Homeoffice an vollwertigen Arbeitsplätzen.
„Unsere Untersuchungen zeigen eindeutig, dass Homeoffice kein Produktivitätsrisiko darstellt, sondern im Gegenteil mit besseren Arbeitsergebnissen und weniger Stress verbunden sein kann“, sagt Projektkoordinator Prof. Dr. Stefan Süß.
Hybride Arbeitsmodelle sind optimal
Besonders vorteilhaft erweisen sich hybride Arbeitsmodelle mit hoher Flexibilität. Beschäftigte, die ihren Arbeitsort frei wählen können, berichten von einer höheren Arbeitsleistung, Produktivität und Innovationsfähigkeit als Personen, die feste Homeoffice-Tage haben. Gleichzeitig zeigt sich, dass Mitarbeitende auch bei großer Freiheit nicht vollständig aus dem Büro verschwinden. Besonders flexible hybride Modelle ohne feste Wochentage übertreffen starre Regelungen. Sie steigern Zufriedenheit, Leistung und Kreativität am stärksten.
„Entscheidend ist nicht die Quote an Präsenz, sondern die Flexibilität im System“, so Süß. „Starre Vorgaben oder pauschale Return-to-Office-Regelungen verkennen diese Vorteile und sind kontraproduktiv.“
Gute Arbeitsbedingungen im Homeoffice fördern
Die Studie identifiziert zentrale Stellschrauben für erfolgreiches Homeoffice: wirksame Führung auf Distanz, Unterstützung beim Selbst- und Zeitmanagement sowie gute ergonomische Bedingungen und Bewegungspausen vermittelt durch Beratungen.
Auf dieser Basis hat das Projektteam praxisnahe Workshops und Maßnahmen für Führungskräfte und Beschäftigte entwickelt. Alle Maßnahmen sind wissenschaftlich fundiert, niedrigschwellig umsetzbar, onlinefähig und flexibel kombinierbar.
Die Empfehlung des Studienkoordinators lautet: „Hybride Modelle mit evidenzbasierten Unterstützungsmaßnahmen sind nicht nur machbar, sondern der Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg in der digitalen Arbeitswelt.“
Hintergrundinfos zur Verbundstudie „ProHome“
In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) von 2023 bis 2026 geförderten Projekt „ProHome: Experimentelle Analysen und evidenzbasierte Empfehlungen für eine gesundheitsförderliche und produktive Gestaltung der Arbeit im Homeoffice vor dem Hintergrund der digitalen Transformation“ hat ein interdisziplinäres Forschungsteam der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf die Arbeit im Homeoffice erstmalig wissenschaftlich untersucht. In das Projekt waren der Lehrstuhl für BWL, insb. Arbeit, Personal und Organisation, das Institut für Medizinische Soziologie, die Sektion Public Health des Instituts für Medizinische Soziologie, das Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin sowie der Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie und Arbeitspsychologie involviert. Praxispartner war das Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung BGF GmbH in Köln. In der interdisziplinären Studie mit über 1.000 Befragten aus acht regionalen Organisationen unterschiedlicher Branchen und Größen wurden Interviews, Fokusgruppen und Online-Umfragen durchgeführt, um evidenzbasierte Empfehlungen für eine gesundheitsförderliche und produktive Gestaltung des Homeoffice zu entwickeln.
Die öffentliche Abschlussveranstaltung findet am 29. Januar 2026, von 12:30 bis 17:00 Uhr, im Haus der Universität Düsseldorf statt.
Die Veranstaltung ist als Hybrid-Format geplant, d. h. eine Teilnahme ist entweder im Haus der Universität oder via Livestream möglich. (Anmeldung: lehrstuhl.suess@hhu.de). Der Link wird rechtzeitig vor der Veranstaltung bereitgestellt. Informationen zum Programm hier.
Kontakt für Rückfragen:
Univ.-Prof. Dr. Stefan Süß
Lehrstuhl für BWL, insb. Arbeit, Personal und Organisation
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
E-Mail: stefan.suess@hhu.de