Boxhandschuhe knallen, es wird gelacht, geschwitzt, gekeucht. Sieben Menschen schlittern über den Linoleumboden, wechseln spielerisch die Rollen: greifen plötzlich an und verunsichern oder verteidigen sich mit festem Blick. Es geht hier nicht um 1-a-Kampfsportbewegungen, sondern darum zu lernen, wie man sich in unklaren Situationen behauptet. Die Techniken, die Trainerin Michelle Mommertz erklärt, kommen aus Krav Maga, Karate und Kickboxen. „Jemand würgt dich – was tust du?“, fragt sie in die Runde. Und zeigt gleich darauf die Antwort: „Schultern hochziehen, – das klemmt die Finger der angreifenden Person ein –, einen Arm heben, schwungvoll auf den Ellenbogen des Gegenübers krachen lassen und sich aus der Umklammerung herausdrehen.“
Dann sind die anderen dran: Locker ermuntern sie sich gegenseitig, richtig zuzupacken. „Wir machen das ja schon ein paar Wochen, da traut man sich mehr“, erzählt Studentin Sevim Sen in einer der kleinen Pausen. Verändert so ein Training? „Ja, wenn ich jetzt im Botanischen Garten jogge, fühle ich mich sicherer.“ Teilnehmerin Lilli Hahn stimmt ihr zu: „Auf jeden Fall – ich weiß jetzt, dass ich was tun kann. Und wenn ich einfach weglaufe, mich in Sicherheit bringe.“ In einem geschützten, sehr wohlwollenden Miteinander werden Schlagtechniken, schnelle Tritte und Drehungen ausprobiert. Mit jeder Woche fällt das ein bisschen leichter. Auch denen, die selten Sport machen. „Der Kurs ist für alle Alters- und Statusgruppen geeignet – einfach mal vorbeikommen und ausprobieren“, ermutigt Mommertz.
Mut – ein wichtiger Punkt. Sich selbst wichtig nehmen und in unangenehmen Situationen deutlich sagen, dass man etwas nicht will. Andere gegebenenfalls ansprechen, aufmerksam machen. Auch über die psychologische Seite wird gesprochen: Wer möchte, kann eigene Erlebnisse schildern und mit den anderen überlegen, wie man bei sowas künftig reagieren könnte. Zugegeben, anfangs waren alle gehemmt, laut zu schreien, jemanden feste wegzuschubsen oder gar zu schlagen. Inzwischen sind sie da entspannter, denn sie wissen: Es ist eine Übung und die anderen sind durch dicke Polster und Kissen geschützt.
Nahkampf mit Spaß
„Hau rein“, ruft Studentin Lilli Hahn grinsend und wirft Michelle Mommertz Boxhandschuhe zu. Beide stülpen sich zusätzlich einen rotschwarzen Kopfschutz über. „Das ist noch mal ein anderes Kaliber“, klingt Hahns Stimme gedämpft aus dem helmartigen Konstrukt. „Doch wenn man die Dinger aufhat, tut es nicht weh.“ Während die Boxhandschuhe durch die Luft sausen, gibt Mommertz Tipps: „Denk daran, deinen Kopf zu schützen, auch wenn du dich gerade auf einen Tritt oder Tiefschlag konzentrierst. Und wechsele immer mal deine Position, bleib nicht stehen.“
In Bewegung bleiben – das ist ein zentraler Tipp. Sich wegducken, wegdrehen oder weglaufen. Und Abstände gut einschätzen: Wie nah ist das Gegenüber, wann treffe ich mit dem Stoppkick? Dieser hüfthohe Tritt bremst aus, schafft Abstand. Und fordert Energie. Nach anderthalb Stunden sind alle Wangen gerötet, die Laune ist bestens. „Na, das gibt morgen wieder Muskelkater“, lacht eine Teilnehmerin. Michelle Mommertz freut sich: „Das Wichtigste ist mir, allen das Gefühl weiterzugeben ‘niemand kann mir was und ich weiß, wie ich reagiere‘.“ Und damit sind sie bestens vorbereitet auf brenzlige Situationen.
Der Kurs soll im Sommersemester erneut angeboten werden – Anmeldungen sind ab sofort möglich.
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