Zum Inhalt springen Zur Suche springen

Nachwuchsforscher ausgezeichnet
2,5 Mio. DM für Dr. Markus Uhrberg

Attraktive Forschungschancen und erfolgreiche Karrieresprünge eröffnen sich jetzt vier Nachwuchswissenschaftlern aus NRW, die als Sieger aus einer Ausschreibung des Ministeriums für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung NRW (MSWWF) hervorgegangen sind. Einer davon ist Dr. Markus Uhrberg vom Institut für Transplantationsdiagnostik und Zelltherapeutika (Knochenmarkspenderzentrale) der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Attraktive Forschungschancen und erfolgreiche Karrieresprünge eröffnen sich jetzt vier Nachwuchswissenschaftlern aus NRW, die als Sieger aus einer Ausschreibung des Ministeriums für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung NRW (MSWWF) hervorgegangen sind. Einer davon ist Dr. Markus Uhrberg vom Institut für Transplantationsdiagnostik und Zelltherapeutika (Knochenmarkspenderzentrale) der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Die vier Nachwuchswissenschaftler werden zu Leitern von selbständigen Forschungsgruppen "befördert" und erhalten fünf Jahre lang Mittel in Höhe von jeweils bis zu 2,5 Millionen DM. Die Auszeichnungen wurden am 1. Dezember von Dr. Wolfgang Lieb, Staatssekretär im NRW-Bildungsministerium, im Heinrich-Heine-Saal der Düsseldorfer Universität verliehen. Das Förderprogramm für den wissenschaftlichen Nachwuchs ist Bestandteil des "Innovationsprogramms Forschung", mit dem die Landesregierung seit 1996 die Forschung sowie den Wissenstransfer in besonders zukunftsträchtigen Bereichen mit jährlichen Mitteln in Höhe von 34 Millionen DM unterstützt. Die Initiative konzentriert sich besonders auf medizinisch relevante Forschungsthemen.

Der Düsseldorfer Dr. Markus Uhrberg (35) steht mit einem Bein in der biologischen Grundlagenforschung, mit dem anderen in der klinischen Praxis. Diesen Brückenschlag hat er sich auch für die Zukunft vorgenommen. Daher wechselt er im kommenden Frühjahr von der Stanford University (Kalifornien) zurück an seine frühere Wirkungsstätte in Düsseldorf. Im Institut für Transplantationsdiagnostik und Zelltherapeutika der Heinrich-Heine-Universität wird er seine grundlegenden Forschungsarbeiten in der Immunologie unter medizinisch relevanten Gesichtspunkten fortführen.

Nach Abschluß des Biologiestudiums in Aachen und Köln hatte Markus Uhrberg in dem Düsseldorfer Institut seine Dissertation über molekulare Grundlagen der Immunabwehr angefertigt. Als Postdoc war er dann an Forschungsarbeiten beteiligt, die auf die Entwicklung eines Impfstoffes gegen einen bestimmten Tumortyp, das Nierenzellkarzinom, abzielten. 1996 wechselte Uhrberg an die Stanford University, wo er einen besonderen Typus von Immunzellen, die natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) untersuchte. Diese bilden die vorderste Abwehrfront des menschlichen Organismus gegen Infektionen von außen, aber auch gegen entartete Tumorzellen im Inneren. NK-Zellen werden im Gegensatz zu den Zellen des "erworbenen" Immunsystems (Lymphozyten) auch dann aktiv, wenn zuvor keine Sensibilisierung stattgefunden hatte.

Durch welche molekularen Mechanismen NK-Zellen aktiviert werden, war bis vor einem Jahr unklar. Fest stand nur, daß sie von Natur aus darauf getrimmt sind, als Art "Immunpolizei" zu überprüfen, ob andere Zellen, mit denen sie in Kontakt kommen, bestimmte äußere Merkmale ausbilden oder nicht: Sie prüfen sozusagen, ob angetroffene Zellen einen gültigen Paß vorweisen können. Sobald eine Zelle als "fremd" erkannt ist, wird sie von den NK-Zellen zerstört.

Körperfremde Zellen oder solche, die von Viren infiziert bzw. im Zuge einer Tumorerkrankung verändert sind, bilden modifizierte Oberflächenmerkmale aus - und werden daher gleichermaßen von Killerzellen attackiert. Dieser Mechanismus hat enorme Bedeutung für die Abwehr bestimmter Virusinfektionen (z.B. Hepatitis) und von Tumoren, aber auch für die Abstoßreaktion nach Organ- und Blutstammzell-Transplantationen.

Bei diesen Merkmalen, so eine in den achtziger Jahren aufgestellte Theorie, handelt es sich um Moleküle aus einer bestimmten Klasse der sogenannten Transplantations-Antigene (MHC-Antigene). Im Zuge von Untersuchungen über die Regulation und die genetische Vielfalt der NK-Zellen und ihrer Bindungsmoleküle gelang es Markus Uhrberg, diese Theorie endgültig zu beweisen. Er eröffnete damit neue Möglichkeiten und Chancen in verschiedenen Bereichen der Immunologie und der Klinischen Medizin. Jüngste Forschungsarbeiten weisen zum Beispiel darauf hin, daß der Erfolg der Knochenmark-Transplantation auch davon abhängt, wie paßgenau Spender und Empfänger in den für die NK-Zellen bedeutsamen Merkmalen übereinstimmen.

Diese medizinische Relevanz war ein Beweggrund für Uhrberg, nach Deutschland zurückzukehren. Die Arbeit an einem Problem, das direkte Bedeutung für Patienten hat, sprach ihn mehr an als eine langfristige Tätigkeit in der biologischen Grundlagenforschung: "Man hat die Patienten vor sich und man kennt die Schicksale - das motiviert doch viel stärker für die Arbeit." In der Düsseldorfer Knochenmarkspenderzentrale, die in Kürze zum Institut für Transplantationsdiagnostik und Zelltherapeutika erweitert wird, sieht er ideale Voraussetzungen für seine Arbeit an der Schnittstelle zwischen Biologie und Medizin.

Die wissenschaftliche Unabhängigkeit, die sich ihm durch das Nachwuchsprogramm nun bietet, betrachtet Markus Uhrberg als "einmalige Chance": Dies sei das Beste, was einem jungen Forscher überhaupt passieren könne. Kein Wunder, daß er in Stanford den diesjährigen Thanksgiving-Abend im Kreis von Freunden und mit einem besonders großen Truthahnbraten gefeiert hat.

Kategorie/n: Pressemeldungen