Die Chirurgische Klinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf feiert einen runden Geburtstag: Vor 40 Jahren, am 26. Juni 1958, wurde der für damals stolze 29 Millionen DM errichtete dreiteilige Neubau eingerichtet und einen Tag später in Betrieb genommen. Die Daten: 18 Monate Planung, dreieinhalb Jahre Bauzeit, 374 Betten, sechs Operationssäle, eigene Röntgenabteilung und Physiotherapie.
Aus Anlaß des Jubiläums findet am Samstag, 27. Juni, von 9.00 bis 13.00 Uhr im Großen Hörsaal der Chirurgie ein öffentliches Symposium über aktuelle Themen der chirurgischen Forschung statt.
Der Blick zurück. Auch vor 40 Jahren waren die Aufgaben der Klinik zweigeteilt: einmal die gesundheitliche Versorgung der Bürger Düsseldorfs und der Umgebung im Verbund mit den Städtischen Krankenanstalten sowie überregionale, spezialisierte chirurgische Versorgung und Ausbildung des Medizinernachwuchses innerhalb der 1907 gegründeten Medizinischen Akademie Düsseldorf, aus der 1965 die Universität entstand.
Bekannt wurde die von älteren Düsseldorfer Bürgern noch als "Neue Chirurgie" bezeichnete Klinik durch den bayerischen Chirurgen Ernst Derra, der 1945 die Leitung der "Alten Chirurgie" übernommen hatte und - für ein Städtisches Krankenhaus damals ebenso ungewöhnlich wie herausfordernd - mit dem Aufbau der Herz- und Thoraxchirurgie begann. Architektonische und funktionelle Besonderheiten (rund, ohne hygienische Problemecken gebaute, Tageslicht durchflutete Operationssäle, individuelle Einzelzimmerunterbringung im Intensivbehandlungsbereich, kurze Verkehrswege für Laborbereiche und Kardiotechnik) ließen den Gebäudekomplex zur Modellklinik für zahlreiche in- und ausländische Ärzte werden, die unter der Leitung von Prof. Derra und seinen Nachfolgern Prof. Dr. Wolfgang Bircks und Prof. Dr. Karl Kremer ihre Ausbildung erhielten, um anschließend Leitungsfunktionen an großen Chirurgischen Kliniken und Herzzentren in NRW und anderswo zu übernehmen.
Die Entwicklung und Spezialisierung der Medizin wird an der Geschichte der Düsseldorfer Chirurgie deutlich: 1958 konnte noch ein chirurgischer Leiter mit vier Oberärzten, 30 wissenschaftlichen Assistenten und 142 Schwestern und Pflegern die Aufgaben in Lehre, Forschung und Krankenversorgung wahrnehmen. Es gab 4.000 Operationen, davon 1.000 Eingriffe an Herz und Lunge.
1970 wurde die Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie abgetrennt und die Einrichtung in vier Teilkliniken mit vier Leitern, 26 Oberärzten und 34 Assistenzärzten gegliedert. Jährlich fanden und finden über 8.000 Eingriffe in nunmehr neun Operationssälen bei 290 Planstellen im Pflegebereich statt. In dieser Zeit wurde durch Verringerung der Liegezeiten die Gesamtplanbettenbzahl auf 294 gesenkt.
Eine weitere Reduzierung auf 270 Betten wird gleichermaßen vom Regierungspräsidenten im Krankenhausbedarfsplan und auch vom Wissenschaftsrat zur Anpassung an Normgrößen im Bereich universitätsklinischer Versorgung verlangt. Diese Reduzierung ist jedoch nicht unproblematisch. Die Anzahl der für die nach wie vor viel zu große Studentenmenge zur Verfügung stehenden Patienten ist für eine hochrangige ärztliche Ausbildung viel zu gering. Außerdem gibt es seit nahezu zehn Jahren eine chronische Unterbesetzung der Personalpflegestellen. Dadurch können ein Drittel der Intensivbeatmungsbetten nicht betrieben werden, was zu einem Rückstau von Patienten geführt hat, die auf komplizierte Operationen warten und nicht ohne weiteres nach Hannover, München, Paris oder London überwiesen werden können.
Zwar ist die Zahl der Planstellen im Pflegebereich ausreichend, durchschnittlich sind jedoch je nach Arbeitsbereich zwischen 15 und 30 Prozent der Stellen in den letzten fünf Jahren nicht besetzt gewesen.
Wie setzt sich das derzeitige Aufgabenfeld der Chirurgischen Klinik zusammen? Wie geht es weiter?
Neben der Beteiligung an der chirurgischen "Normal"-Versorgung der Bevölkerung - für die studentische Aus- und ärztliche Weiterbildung sind "Normalfälle" in ausreichender Zahl zu versorgen - konzentriert sich die Klinik für Allgemeine und Unfallchirurgie (Direktor: Prof. Dr. Hans-Dietrich Röher) auf die onkologische Chirurgie der Speiseröhre und der Bauchorgane. Eine universitätsspezifische Aufgabe ist die Übernahme von anoperierten Patienten sowie die Versorgung nach Komplikationen, d.h. auch die Übernahme nach Problemoperationen aus anderen Krankenhäusern. Einen praktischen und wissenschaftlichen Schwerpunkt dieser Klinik bildet die operative Behandlung hormonproduzierender Organe (endokrines System).
Die Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie (Direktor: Prof. Dr. Emmeran Gams) bemüht sich besonders um die Behandlung von Patienten mit Herzinsuffizienz. Zum Einsatz kommen alle derzeit verfügbaren Kreislaufunterstützungssysteme, bis eine Herztransplantation möglich ist. Darüber hinaus gilt dem neuerlichen Aufbau der Kinderherzchirurgie besonderes Interesse.
Die Klinik für Gefäßchirurgie und Nierentransplantation (Prof. Dr. Wilhelm Sandmann) widmet sich schwerpunktmäßig den schlimmsten Fällen arteriosklerotischer Verschlußerkankungen, nämlich in Kombination mit Stoffwechselerkrankungen. Der Anteil der Diabetiker bei Patienten mit amputationsbedrohten Beinen beträgt heute schon über 75 Prozent in Düsseldorf. Die enge Zusammenarbeit mit den Kliniken für Stoffwechselkrankheiten und Ernährung sowie dem Diabetes Forschungsinstitut führt einerseits zu einem enormen Ansturm dieser Patientengruppe, andererseits durch zunehmende Erfahrung zu einer Quote bei der Beinerhaltung von heute über 95 Prozent. Zu einem besonderen Aufgabengebiet hat sich in dieser Klinik die Wiederherstellung von Arterien entwickelt, die lebenswichtige Organe (Gehirn, Baucheingeweide, Leber) versorgen.
Alle drei Kliniken beteiligen sich im Rahmen des Transplantationszentrums der Universität an der Erweiterung und Perfektionierung der Organtransplantation. So wurde die Herzverpflanzung vor zwei Jahren wieder aktiviert, die Lebertransplantation neu aufgenommen und die Nierentransplantation auf 95 Übertragungen im Jahre 1997 gesteigert.
Es kommt den klinischen und experimentellen Forschungsschwerpunkten der Chirurgischen Teilkliniken sehr entgegen, daß in der Universität derzeit Einrichtungen mit molekularbiologischem und gentechnologischem Schwerpunkt gebildet werden und sich neue Zentren formieren. Einer engen Verquickung klinischer Forschungsinteressen dient auch die diskutierte Integration der Institute für Experimentelle Chirurgie und Experimentelle Anästhesie in ein Zentrum für Molekulare und Klinisch-Experimentelle Forschung. Die Strukturen sind zur Zeit im Fluß, verheißen aber für die Anwendung der Forschung bei der Versorgung chirurgischer Problempatienten viel Gutes.
Die gegenüber 1958 nicht voraussehbare Entwicklung der Chirurgie - die auch durch die expansive Entwicklung der Universität in den nicht-chirurgischen Komplementärfächern möglich wurde - führte einerseits dazu, daß die Funktionsbereiche fast immer auf Hochtouren laufen und in Abhängigkeit von der Personalkapazität annährend zu 100 Prozent ausgelastet sind; andererseits wurde der Bedarf an Raum und Funktionalität größer.
Diesem Bedarf trägt die Landesregierung Rechnung: So wurde 1989 mit der Planung eines Anbaus mit acht Operationssälen und 20 Intensivbetten begonnen. Der 1. Bauabschnitt mit vier Operationssälen und 20 Intensivbetten wird im Frühjahr 1999 bezogen, für den zweiten Abschnitt wurde die Feinplanungsgenehmigung gegeben. Für diesen zweiten Anbau wird, nach den Erfahrungen mit dem ersten Abschnitt, allerdings nicht vor dem Jahr 2005 gerechnet.
Erst wenn der komplette Anbau fertiggestellt sein wird, können technische Anpassungen und Umbauten im Bereich der dann 50 Jahre bestehenden Operationsabteilung und Intensivstation durchgeführt werden Zwischenzeitlich wurde vor zwei Jahren durch Aufgabe einer Bettenstation die Einrichtung einer "Intermediate-Care-Abteilung" möglich, die immerhin Intensivtherapie ohne Beatmung für 18 Patienten erlaubt.
Für weitere Informationen: Prof. Dr. Wilhelm Sandmann, Tel. 0211-81-17090
Festakt und Symposium 40 Jahre Chirurgische Klinik
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