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Runder Geburtstag:
50 Jahre Herzchirurgie in Düsseldorf

Runder Geburtstag: Heute vor 50 Jahren begann die Ära des späteren "Herzzentrums" in Düsseldorf. Erstmals nach dem Krieg führte am 3. Mai 1949 Prof. Dr. Ernst Derra, damaliger Direktor der Chirurgischen Klinik, in Düsseldorf einen Eingriff am Herz-Gefäß-System durch.

Erstmals nach dem Krieg führte am 3. Mai 1949 Prof. Dr. Ernst Derra, damaliger Direktor der Chirurgischen Klinik, in Düsseldorf einen Eingriff am Herz-Gefäß-System durch. Einem Mädchen wurde bei dieser Operation eine nach der Geburt offen gebliebene Verbindung zwischen der großen Körperschlagader und der linken Lungenarterie (Ductus arteriosus Botalli) verschlossen. Normalerweise schließt sie sich nach der Geburt mit Beginn der eigenen Atemtätigkeit. Der Eingriff verlief ohne Komplikationen - die Ära des späteren "Herzzentrums Düsseldorf" begann.

Diese Operation war Grundlage für weitere funktionsverbessernde Eingriffe bei angeborenen Fehlbildungen am Herz-Gefäß-System. Ein Beispiel dafür ist die künstliche Verbindung zwischen dem arteriellen Körperkreislauf und der Lungenarterie (Blalock-Taussig-Anastomose) bei sogenannten "blue babies". Sie laufen deshalb blau an, weil ihre kompliziert fehlgebildete Lunge nur schwach mit Blut durchströmt wird und bei ihnen venöses Blut in das arterielle Kreislaufsystem übertritt (Tetralogie nach Fallot).

Auch korrigierende Operationen wurden durchgeführt. So wurde im Jahr 1950 eine angeborene Enge in der absteigenden großen Körperschlagader entfernt, anschließend wurden die Gefäßenden wiedervereinigt. Im gleichen Jahr wurde auch die erste eingeengte Mitralklappenöffnung über dem linken Herzohr mit dem Zeigefinger erweitert.

Nicht zuletzt durch die Fortschritte der Kardiologie in der Herz-Diagnostik verbesserten sich die herzchirurgischen Möglichkeiten, angeborene Fehlbildungen und erworbene Herzklappenerkrankungen zu behandeln.

Große Namen sind damit verbunden: Prof. Dr. Ernst Derra, Leiter der Chirurgische Klinik (1946 - 1970), Prof. Dr. Wolfgang Bircks, Leiter der 1970 gegründete Thorax- und Kardiovaskular-Chirurgie (1970 - 1992) und Prof. Dr. Hagen-D. Schulte, kommissarischer Leiter (1992 - 1995). Seit dem 1. Oktober 1995 leitet Prof. Dr. Emmeran Gams die Klinik.

Eine kurze Chronologie der Erfolgsgeschichte der Herzchirurgie in Düsseldorf: Bereits in den fünfziger Jahren wurde am offenen Herzen in Oberflächenunterkühlung (Hypothermie), d. h. im bis zu sieben-minütigen Herz-Kreislauf-Stillstand, operiert. Nachdem die Neue Chirurgische Klinik 1958 eingeweiht worden war, kam es dann ein Jahr später zum Einsatz der Herz-Lungen-Maschine bei solchen Operationen.

Am 3. Oktober 1961 gelang den Düsseldorfer Chirurgen die erste Implantation eines Herzschrittmachers in ganz Deutschland. Zehn Jahre später wurde ein erster Isotopen-Herzschrittmacher implantiert. Nach vielen Verbesserungen der Operationstechnik gelang in Düsseldorf 1987 die erste Herztransplantation, nachdem drei Jahre zuvor der erste Defibrillator, der Herzkammerflimmern verhindern helfen soll, implantiert worden war.

Bei fortgeschrittener Koronarer Herzkrankheit wurde im Jahr 1995 zum ersten Mal die Herzmuskulatur mit einem Excimer-Laser behandelt. Seit 1998 sind minimal-invasive, d. h. sehr schonende koronarchirurgische Eingriffe, ohne Herz-Lungen-Maschine möglich.

Das "Herzzentrum Düsseldorf" genießt national wie international großes Ansehen. Die Zahlen sprechen für sich: Allein 1998 wurden 1.021 Eingriffe unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine und 25 minimal-invasive, d. h. schonende Eingriffe am Koronarsystem, durchgeführt. Es wurden 139 Herzschrittmacher und 116 Defibrillatoren eingesetzt sowie 150 Thorax- und 116 sonstige Operationen vorgenommen. Auf der Intensivstation gab es zudem 498 von Kardiotechnikern betreute Hämodialysen (Nierenwäschen bei unzu-reichender Nierenfunktion). Dabei waren nur in einem Drittel der Fälle Patienten der Herzchirurgie betroffen. Der Einsatz von Personal in anderen Bereichen erschwert natürlich den Alltag einer Klinik.

Auch die Zukunft der Herzchirurgie sieht nicht nur rosig aus: Aufgrund der Budgetierung im Gesundheitswesen wird für dieses Jahr erstmals die Anzahl bestimmter Operationen vorgegeben. Damit wird es natürlich immer schwieriger für das Zentrum für Thorax- und Herzchirurgie, das Versorgungsniveau im Raum Düsseldorf aufrechtzuerhalten. Das Mißverhältnis ist offensichtlich: kranke Patienten auf der Warteliste einerseits, eingeschränkte Operationskapazitäten andererseits. Doch eine Besserung ist in Sicht: Im April 2000 ist voraussichtlicher Baubeginn für den zweiten Bauabschnitt der Klinik. "Wir hoffen, daß wir dann die erforderliche räumliche und personelle Flexibilität und Kapazität haben, um unsere klinischen Aufgaben erfüllen zu können", sagt Prof. Dr. Hagen-D. Schulte, stellvertretender Direktor der Klinik für Thorax- und Herzchirurgie.

Was wünschen sich Prof. Dr. Gams und seine Mitarbeiter für den Start in die nächsten 50 Jahre Herzchirurgie? "Zeitgerechte Patientenaufnahme und ausreichende operative und intensiv-medizinische Behandlungsmöglichkeiten, zeitliche Reserven für die Lehraufgaben und klinische Forschung sowie die Unterstützung bei neuen wissenschaftlichen Projekten."

Autor/in: Bärbel Broer / Michael Roos
Kategorie/n: Pressemeldungen