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Bewegender Auftakt der Heinrich-Heine-Gastprofessur 2024/25
„Antisemitismus schadet nicht nur den Juden, Antisemitismus schadet unserer Demokratie“

Am 31. Oktober 2024 hielt die 92-jährige Holocaust-Überlebende und ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch, ihre erste Vorlesung als Heinrich-Heine-Gastprofessorin 2024/25 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU). Unter dem Titel „In Deutschland angekommen?“ behandelte Knobloch die Frage nach der gegenwärtigen Position jüdischer Menschen. Ihre Rede bot eindrückliche Einblicke in ihre persönliche Geschichte und die Herausforderungen des zunehmenden Antisemitismus.

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Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck und Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch während der bewegenden Auftaktvorlesung im Hörsaal 3A der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck betonte in ihrer Begrüßungsrede die Bedeutung von intellektueller Orientierung und politischer Bildung, „die angesichts des wachsenden Antisemitismus und der Wahlerfolge rechtsextremer Kräfte in Deutschland einen viel höheren Stellenwert in unserem Land einnehmen sollten.“ Und sie wünschte: „Mögen wir Menschen wie Charlotte Knobloch zuhören, die wachsam die gegenwärtige Politik beobachten, uns von Vergangenem berichten und diese Werte unermüdlich verteidigen.“

In dem vollständig gefüllten größten Hörsaal der HHU unterstrich Charlotte Knobloch, dass die derzeitigen Entwicklungen in Deutschland eine beängstigende Rückkehr antisemitischer Ideologien darstellen. Sie erzählte ihre eigene Lebensgeschichte und machte deutlich, wie ihr zunächst unfreiwilliges Bleiben in Deutschland zu einem Ankommen wurde, das sie allerdings heute wieder in Frage gestellt sieht: „Antisemitismus darf niemals verharmlost werden. Es nimmt nicht nur das jüdische Leben Schaden, sondern unsere Demokratie.“ Sie wies darauf hin, wie wichtig es sei, den Diskurs über Antisemitismus und Intoleranz aktiv zu fördern, um die demokratischen Werte unserer Gesellschaft zu schützen und rief alle Anwesenden auf, immer wieder den Dialog mit jungen Menschen zu suchen und den Holocaust nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Die Zuhörerschaft war sichtlich bewegt von der Schilderung. Knobloch sprach eindringlich davon, wie schmerzlich der wachsende Judenhass und die Erfolge rechtsextremer Bewegungen für viele jüdische Menschen sind. Sie appellierte an die Verantwortung der deutschen Gesellschaft, gemeinsam gegen Hass und Ausgrenzung vorzugehen und die Erinnerungskultur zu stärken: „Es ist an uns, dass wir alles daransetzen, dass die Geschichte uns am Ende Recht gibt. Wir brauchen Mut, für unsere demokratischen Errungenschaften einzustehen und wir brauchen Mut, damit Vertrauen wieder möglich wird.“

Die Veranstaltung bildete den Auftakt der dies- und nächstjährigen Heinrich-Heine-Gastprofessur, ein Veranstaltungsformat, das 1988 ins Leben gerufen wurde und das herausragende Persönlichkeiten auszeichnet, die sich um Toleranz, Freiheit und weitere gesellschaftlich relevante Themen verdient gemacht haben. Die zweite und letzte Veranstaltung mit Charlotte Knobloch an der HHU findet am 11. Februar 2025 statt.

Die Vorlesung ist abrufbar unter:https://www.youtube.com/watch?v=sGj3_A80pi0

 

 

 

Kategorie/n: Schlagzeilen, Pressemeldungen
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