Das Wrack brannte 20 Stunden. Am 19. Mai 1944 endete der Flug des B-24-Bombers ("Liberator") der US-Air-Force in einem Feuerball. Beim Anflug auf das Angriffsziel Braunschweig war das Flugzeug von Leutnant Hans Schrangl, Jagdgeschwader I, um 12.55 Uhr Ortszeit abgeschossen worden. Von den zehn Besatzungsmitgliedern identifizierte die Wehrmacht später fünf Tote, die restlichen gelten bis heute als vermißt.
Einer davon ist Staff Sergeant Laurence ("Larry") Nursall, der Bordfunker. Seine Enkelin Brenda Gainey (30) aus Eureca/Kalifornien wollte genau wissen, was mit ihrem Grandpa geschah. Wo war sein Grab? Gab es überhaupt noch Überreste des Wracks? Vielleicht sogar noch Knochenteile oder Ausrüstungsgegenstände?
Fragen mit einer Vorgeschichte. Und hier spielt das Internet eine wichtige Rolle. Denn zwischen Brenda Gaineys Mann Mike und dem Kölner Enrico R. Schwartz war im Februar 1998 der online-Kontakt zustande gekommen: Beide sind leidenschaftliche Sammler von Polizeiabzeichen und mittlerweile Tauschpartner. Mrs. Gainey berichtete von ihrem Grandpa und dessen Schicksal. Der einzige Anhaltspunkt für die Familie war ein offizieller Brief des US-Kriegsministeriums an Larry Nursalls Witwe aus dem Jahre 1946 ("I am writing to you in reference to your husband who gave his life in the service of his country during the European conflict..."). Angeblich war der Unteroffizier in Hoya/Weser in einem Soldatengrab beerdigt worden ( "Community Cemetry of Hoya, Row 2, Grave No. 4").
Enrico Schwartz beginnt die Suche. Er inseriert in einer Lokalzeitung, findet noch Augenzeugen, lokalisiert tatsächlich die Absturzstelle auf einem Acker in Erichshagen, einem kleinen Ortsteil von Nienburg an der Weser, recherchiert in amerikanischen und deutschen Akten. Ergebnis: Es exisitiert kein Grab von Larry Nursall, er gilt offiziell als vermißt. Die einzige Chance, Gewißheit zu bekommen, bietet das Bomberwrack der B 24.
Aber für eine Bergung ist Fachwissen nötig. So kommt der Kontakt mit dem Düsseldorfer Archäologen Dr. Peter Pieper (Institut für Rechtsmedizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) zustande.
Im August ist es soweit. Pieper, Schwartz und das Grabungsteam beginnen mit der Bergung von USAAF Flug B24J-42-110153. Auch Brenda Gainey und ihr Ehemann sind nach Deutschland gekommen.
Und tatsächlich: Der Düsseldorfer Archäologe wird in 30 Zentimeter Tiefe schnell fündig. Ein Maschinengewehr, Munition, ein Taschenmesser, eine Shag-Pfeife (mit Virginia-Tabak), Überlebenswesten, ein Halstuch mit aufgedruckter Europa-Karte, Fallschirme. Wrackteile. Und Menschenreste. Mindestens von drei stark verkohlten Leichen, darunter ein Unterkiefer mit blendend weißen Zähnen und Knochen einer Wirbelsäule. Gleich daneben zwei Erkennungsmarken.
Es ist jedoch nicht Larry Nursall. Aber zumindest das Schicksal dieses Soldaten konnte so geklärt werden. Und plötzlich beginnt sich auch die United States Army Memorial Affairs Activity / Europe, vergleichbar der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, für die professionelle Grabung zu interessieren. Zuerst hatte dort niemand an einen Erfolg geglaubt. Nachdem der Düsseldorfer Archäologe jedoch in kürzester Zeit fündig geworden war, haben nun die Amerikaner die Grabung übernommen. Sie dauern bis heute an.
Archäologe barg Bomberwrack Der letzte Flug von Grandpa Larry
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