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Philosophische Fakultät
Ehrendoktorwürde für Marcel Reich-Ranicki

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki wurde gestern mit der Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ausgezeichnet. Bei dem Festakt im Rahmen der Examensfeier war auch NRW-Ministerpräsident Johannes Rau anwesend, er ist ebenfalls Ehrendoktor der Fakultät.

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki wurde gestern mit der Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ausgezeichnet. Bei dem Festakt im Rahmen der Examensfeier war auch NRW-Ministerpräsident Johannes Rau anwesend, er ist ebenfalls Ehrendoktor der Fakultät.

Marcel Reich-Ranicki erhielt die Ehrung für seine Verdienste als Literaturkritiker und Autor. "Der Kritiker als Erzähler" überschrieb Prof.Dr.Bernd Witte (Germanistisches Seminar) seine Laudatio, der er die herausragende Bedeutung des neuen Ehrendoktors für die Literaturszene im Nachkriegsdeutschland umriß. Dennoch:"Sagen wir es offen: Einen Kritiker zu loben, ist kein einfaches Geschäft."

Prof.Dr.B.Witte wies auf das Engagement Marcel Reich-Ranickis für Autoren wie Böll und Koeppen hin, die er erst bekannt gemacht habe.Oft wurde der Kritiker dann selbst zum Erzähler. "Marcel Reich-Ranicki ist keineswegs - wie es scheinen mag - ein munterer Plauderer und improvisierendes Unterhaltungsgenie, sondern er ist ein rhetorisch versierter, hoch reflektierter Schriftsteller, der alle Kniffe seines schwierigen Handwerks kennt. (...) Der Kritiker als Polemiker im Geiste Lessings, in dieser Rolle feiert Reich-Ranicki seine größten öffentlichen Triumphe."

Zudem habe er sich "zurecht der paradoxen Aufgabe verschrieben, ein leserfreundlicher, ein publikumswirksamer, ein unterhaltsamer Kritiker zu sein. Alles, nur keine Langeweile, ist seine Devise."

Fazit der Laudatio :"Marcel Reich-Ranickis Wirken und Wirkung sind ein Zeichen dafür, daß sich in der Öffentlichkeit dieses Landes in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts etwas geändert hat, daß in dieser Bundesrepublik das demokratische Gespräch möglich ist, zu dem auch - und ich möchte sagen - vor allem das Gespräch über Literatur gehört. Sagen wir: Marcel Reich-Ranickis Wirken ist ein Zeichen der Hoffnung für dieses Land."

Der neue Ehrendoktor selbst beschrieb in seiner Erwiderung noch einmal die großen Leseerlebnisse seiner Jugend - Goethe, Shakespeare und Schiller -, Heines Lyrik indes sei erst spät dazugekommen, während der Schrecken des 3. Reiches, "in schweren Zeiten ist Lyrik allen anderen Gattungen überlegen." Bis heute lese er Heine, neben Thomas Mann "sein" Autor.

Marcel Reich-Ranicki zitierte Robert Musils Wort "Was bleibt von der Kunst? Wir bleiben als Geänderte." Für ihn persönlich bedeute dies: "Heine hat mich und mein Leben geändert." Die Fähigkeit Heines, die Kluft zwischen Kritik und Lesepublikum auf möglichst amüsante Weise zu überbrücken, sie fasziniere ihn immer noch. "Ich wollte und will bessere Leser. Und vielleicht - unter Umständen - bessere Literatur!"

Kategorie/n: Pressemeldungen