Muhammed ist neun Jahre und Türke. Muhammed wurde in Deutschland geboren. Muhammed hat Leukämie. Vor zwei Jahren stellte der Hildener Kinderarzt Dr. Christian Steinhagen die Diagnose: Blutkrebs. Sofort wurde der türkische Junge in die Kinderkrebsklinik der Düsseldorfer Universität überwiesen. Seitdem behandelt das Team um Prof. Dr. Ulrich Göbel den kleinen Patienten, der tapfer die Belastungen der Chemotherapie erträgt, eine Woche auf der Station verbringt, dann wieder eine Woche zuhause. Dennoch: Muhammeds größte Chance liegt in der Behandlung mit Knochenmarkzellen. Das Problem dabei ist, daß sie exakt den Gewebemerkmalen des Jungen entsprechen müssen.
Ortstermin: Die Moschee des Türkischen Arbeitnehmervereins in Hilden, eine ehemalige alte Schule, fast am Ortsausgang. Es ist Freitagnachmittag, die Zeit zum wöchentlichen Gebet. Reges Leben auf dem Schulhof, ein Döner-Stand lädt ein, Gemüse wird verkauft, Tee getrunken. Die Männer unterhalten sich, nach und nach wird es voller. Und doch ist heute etwas anders als sonst. Ali-Riza Bucan, Muhammeds Vater, begrüßt einen Gast aus der Düsseldorfer Universität: Ulrich Kiesel ist Diplombiologe im Knochenmarkspenderregister der Hochschule. Bucan hatte die Idee, den Düsseldorfer Wissenschaftler einzuladen, um seine türkischen Landsleute über die Knochenmarkspende zu informieren. Bucan:"Daß die Merkmale im Blut identisch sind, ist bei türkischen Spendern 60 Prozent größer als bei deutschen." Deshalb engagiert er sich in seiner Gemeinde, deshalb organisiert der ehemalige Maschinenschlosser den Besuch von Ulrich Kiesel. Allein in der Düsseldorfer Kinderkrebsklinik, berichtet der Biologe, warten 40 Kinder auf die lebensrettende Knochenmarkspende, darunter fünf kleine Türken.
Das Düsseldorfer Register ist einem weltweiten Verbund angeschlossen, Daten von vier Millionen potentiellen Spendern sind dort erfaßt, - keiner "paßt" auf Muhammed, auch seine drei Geschwister können dem Jüngsten der Familie nicht helfen. Jetzt also der Appell an die türkische Gemeinde in Hilden, eine bislang einzigartige Aktion in der Düsseldorfer Region.
Ulrich Kiesel berichtet im Gebetssaal der Moschee, daß die Ärzte nur eine kleine Menge Blut entnehmen ("ungefähr ein Teeglas voll"). Die werde dann typisiert, die Daten anonym gespeichert. 18 Jahre müsse man sein und gesund. Bislang sind in Deutschland 950.000 Spender registriert, in den USA zwei Millionen. Kiesel kommt mit den Männern ins Gespräch, erklärt ruhig und sachlich die mögliche Therapie. "Das ist kein Eingriff mehr wie früher unter Narkose, es wird kein Knochenmark transplantiert. Es funktioniert wie bei der Dialyse: der Spender bekommt einen Schlauch in die Armvene und nach vier Stunden ist alles schmerzlos vorbei."
Das Kernproblem bleibt dabei, möglichst viele Blutproben zu bekommen, - und die von türkischen Landsleuten. Kiesel: "Wir als Mitteleuropäer haben andere genetische Merkmale als Sie in der Türkei." Die Aktion wird also nicht nur Muhammeds Chancen verbessern, sondern auch die von vielen anderen türkischen Patienten.
Nach einer Stunde steht für die türkische Gemeinde fest: "Wir helfen Muhammed!" In einer Woche, nach dem Freitagsgebet, wird ein Ärzteteam vom Düsseldorfer Spenderregister zur Blutentnahme bereitstehen.
Blut-Typisierung in der Moschee Eine Chance für Muhammed
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