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Symposium für Jiddische Studien
Eine vergessene Sprache?

Auf der ganzen Welt gibt es fünf Lehrstühle für Jiddisch, einer davon in Düsseldorf ("Jiddische Kultur, Sprache und Literatur"). Erstmals findet nun ein Symposium statt (07. / 08. Oktober), das ein großes wissenschaftliches Forum für diese vergessene Sprache bietet. Hat das Jiddische heute noch eine Chance im Alltag oder in der Literatur? Und wenn ja, wo? In Amerika, in Israel, in Deutschland?

Auf der ganzen Welt gibt es fünf Lehrstühle für Jiddisch, einer davon in Düsseldorf an der Heinrich-Heine-Universität. Erstmals findet nun ein zweitägiges Symposium statt (7./8. Oktober), das ein wissenschaftliches Forum für diese vergessene Sprache und Kultur bietet. Erwartet werden ca. 100 Fachleute aus ganz Deutschland, den Niederlanden und Rußland. "Nach tausend Jahren bekommt Jiddisch nun endlich in dem Land, in dem es entstanden ist, die Anerkennung, die diese Sprache verdient", so Prof. Dr. Marion Aptroot (Düsseldorf), die das Symposium zusammen mit ihrer Trierer Kollegin Prof. Dr. Erika Timm organisiert.

Für fast eintausend Jahre war Jiddisch die Umgangssprache der "aschkenasischen" Juden, d.h. der Juden, deren Vorfahren aus Aschkenas stammten. Aus noch ungeklärten Gründen war es Tradition, die Hauptsiedlungsgebiete der Juden in Europa mit biblischen Namen zu belegen, die ursprünglich für andere Regionen genutzt wurden. So hieß z.B. die Iberische Halbinsel "Sefarad", die Heimat der "sefardischen" Juden, und Deutschland erhielt den Namen "Aschkenas". Als aschkenasische Juden sich auch in andere Länder verbreiteten, fielen auch diese Gebiete in Nord-, Zentral- und Osteuropa unter den Namen Aschkenas. Im späten Mittelalter verlagerte sich das kulturelle und religiöse Zentrum in den Osten von Aschkenas.

Jiddisch entwickelte sich ursprünglich im deutschen Sprachraum, aber die aschkenasischen Juden verbreiteten diese Sprache über einen großen Teil Europas und seit dem späten 19. Jahrhundert über alle Kontinente. Diese Mischsprache, die in ihren Anfängen aus deutschen und hebräischen Elementen bestanden hatte, nahm im Laufe der Zeit viele slawische Elemente auf. Wie in allen modernen Sprachen ist daneben auch eine große Anzahl von Internationalismen zu finden. Dennoch bleibt Jiddisch im Grunde eine germanische Sprache.

Jiddisch blickt auf eine lange literarische Geschichte vom Mittelalter bis heute zurück. Mittelalterliche Epen, biblische Lieder, Renaissanceliteratur aus Italien und Volksbücher sind Höhepunkte in der älteren jiddischen Literatur. Die moderne jiddische Literatur entwickelte sich hauptsächlich in Osteuropa.

Nur eine kleine Zahl von Jiddischsprechenden überlebte den Holocaust. Die wichtigsten Zentren für Literatur und Forschung befinden sich seitdem in Nord- und Südamerika sowie in Israel. Zu den bekanntesten Nachkriegsautoren werden Avrom Sutzkewer und Isaac Bashevis Singer gezählt; Singer erhielt 1978 den Literatur-Nobelpreis.

Jiddisch-Kurse werden an vielen Universitäten der Welt angeboten. Es gibt allerdings nur fünf Lehrstühle: zwei in Israel (Hebräische Universität, Jerusalem; Bar-Ilan-Universität, Ramat-Gan), einer in den USA (Harvard University) und zwei in Deutschland (Universität Trier und seit 1996 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf).

Die Lehrstuhlinhaberin in Düsseldorf, die gebürtige Holländerin Prof. Dr. Marion Aptroot, hat an der Oxford University in Jiddisch promoviert. Bevor sie nach Düsseldorf kam, war sie Dozentin an der Oxford University, der University of London und an der Harvard University. Der zweite Dozent, Holger Nath, ist gebürtiger Deutscher. Er schließt gerade seine Promotion in Jiddisch an der Columbia University in New York ab und lehrte zwei Jahre Jiddisch an der University of Michigan in Ann Arbor.

Autor/in: Rolf Willhardt
Kategorie/n: Pressemeldungen