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Strahlentherapie
Erstmals Ausbreitungsmuster des 'Morbus Hodgkin' beschrieben

Der Düsseldorfer Strahlenmediziner Prof. Dr. Stephan Roth hat erstmals ein absolut sicheres Ausbreitungsmuster der "Lymphogranulatose" ("Morbus Hodgkin") dokumentiert, - neue Hoffnung für Patienten durch eine gezielte Strahlentherapie.

Vor 166 Jahren wurde sie von dem englischen Arzt Thomas Hodgkin erstmals beschrieben: Sie heißt "Lymphogranulomatose", es handelt sich um eine bösartige Lymphknotenschwellung. Schon bald wurde sie nach ihrem Entdecker benannt. Ihre Häufigkeit: 3 unter 100.000 erkranken an ihr (Zahlen etwa wie bei AIDS), bis vor 40 Jahren galt sie als unheilbar, heute liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei 95 Prozent. Bisherige Behandlungsarten: Chemotherapie und Bestrahlung. Erstmals hat nun ein Düsseldorfer Strahlenmediziner ein absolut sicheres Ausbreitungsmuster der Krankheit dokumentiert, - neue Hoffnung für Patienten durch eine gezielte Strahlentherapiemit kleinen Feldern zur Vermeidung von Nebenwirkungen z.B. von Zweittumoren.

"Im Frühstadium der Krankheit ist es jetzt möglich, auch ohne Chemotherapie zu behandeln", so Prof. Dr. Stephan Roth , Klinik für Strahlentherapie und Radiologische Onkologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Direktor: Prof. Dr. Gerd Schmitt). Seit mehr als 10 Jahren erforscht Prof. Roth die Krankheit. Zur Beschreibung der Ausbreitung des "Morbus Hodgkin" im menschlichen Körper wurden Daten von 297 Patienten der Universitätskliniken Düsseldorf, Marburg, Köln und Giessen ausgewertet, das Rechenzentrum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Dr. R. Willers) unterstützte bei der statistischen Arbeit. Ergebnis: ein detailliertes Ausbreitungsmuster mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 1 :.10.000, "das heißt: absolut sicher", so Prof. Roth.

"Morbus Hodgkin" macht 25 bis 30 Prozent aller bösartigen Lymphbahnerkrankungen aus, am häufigsten sind 20- bis 30jährige und 60- bis 80jährige betroffen. Es erkranken mehr Männer als Frauen. Wird bei denen die Chemotherapie eingesetzt, kommt es zu Nebenwirkungen und Spätfolgen. Prof. Roth: "Die Nachteile der Chemotherapie beim Mann sind Impotenz und die erhöhte Möglichkeit eines Zweitkarzinoms. Nach 15 Jahren haben durchschnittlich 15 Prozent einen Zweittumor, wenn kombiniert chemo- und strahlentherapeutisch behandelt wurde."

Der Düsseldorfer Mediziner plädiert deshalb in Frühstadien für eine gezielte, auf das Ausbreitungsgebiet begrenzte Strahlenbehandlung ohne Chemotherapie. Durch seine Untersuchungen ist es nun möglich, genau vorauszusagen, welche Region des Körpers als nächste befallen sein könnte. Prophylaktisch kann dort umschrieben mit kleinen Dosen bestrahlt werden. "Durch das Ausbreitungsmuster wird die Wahl des Bestrahlungsvolumens definiert. Die Ärzte stehen jetzt nicht mehr vor einer unüberschaubaren Situation. Ich kann zum Beispiel in den entsprechenden Stadien exakt sagen: In 6 Wochen wird die Achselhöhle erkranken, - deswegen ist hier vorbeugend zu bestrahlen!", so Prof. Roth. Therapeutische Schlußfolgerung für den Düsseldorfer Mediziner: "Viele Patienten brauchen gar keine Chemotherapie. Es ist heute unmodern geworden, nur zu bestrahlen. Aber jetzt haben wir eine wissenschaftliche Basis und können die Art der Ausbreitung nachvollziehen: gerade im Frühstadium gibt es eine Heilungsrate von 95 Prozent mit der Möglichkeit einer Verminderung von Nebenwirkungen."

Für weitere Informationen:Prof. Dr. Stephan Roth, Klinik für Strahlentherapie und Radiologische Onkologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Tel. 0211/ 81-18989.

Autor/in: Rolf Willhardt
Kategorie/n: Pressemeldungen