Freiheit der Meere oder Umweltschutz? Düsseldorfer Studierende plädierten vor Internationalem Gerichtshof Dürfen Schiffe mit nuklearer Fracht durch Meerengen fahren? Muß ein Küstenstaat die Gefährdung seiner Bevölkerung und Umwelt durch radioaktive Verseuchung tatenlos hinnehmen? In diesem Konflikt zwischen Freiheit der Meere und Umweltschutz hatte ein Studententeam der Juristischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität bei dem internationalen Gerichtsspielwettbewerb "Telders International Law Moot Court Competition" die fiktiven Staaten Petra und Kendal zu vertreten. Ergebnis: Die erste Teilnahme einer Düsseldorfer Gruppe endete mit einem hervorragenden siebten Platz in der Gesamtwertung unter 24 Teams aus ebenso vielen europäischen Staaten. In der Einzelwertung konnten die Plätze 3 und 10 erreicht werden. Das Juristenteam ( Nicola Gassen, Astrid Gröne, Nikolaj Gube, Hans Kruel) hatte sich zuvor in der nationalen Vorrunde für die Teilnahme qualifiziert.
Die erste Phase bestand aus der Ausarbeitung von Schriftsätzen für beide Seiten in englischer Sprache. Hierfür hatten sich die vier Düsseldorfer seit Beginn des Wintersemesters zunächst in das Völkerrecht eingearbeitet, dann recherchierten sie in Bibliotheken, fuhren zur Materialsuche auch in andere Universitäten, diskutierten über Lösungswege, erstellten und verwarfen Entwürfe, stritten um Formulierungen, um schließlich vom gesamten Team akzeptierte Fassungen fertigzustellen.
In der zweiten Phase wurden die Plädoyers in englischer Sprache geübt, bei denen Klarheit und Überzeugungskraft der Gedankenführung, aber auch rhetorische Fähigkeiten gefragt waren. Insbesondere hieß es dabei, sich auf vielfältige Fragen der Richter vorzubereiten und spontan die Argumentation umzustellen. In täglichen Proben während der drei Wochen vor der nationalen Vorrunde und der zehn Tage vor der internationalen Runde übte das Team diese Fähigkeiten. Unterstützung erhielten die Teilnehmer während der gesamten Vorbereitungszeit durch Petra Nilgen und Beate Rudolf, Assistentin am Lehrstuhl für Völkerrecht der Heinrich-Heine-Universität.
Beweisen mußte sich das Team dann vor Gremien aus Richtern an internationalen Organisationen im ehrwürdigen Friedenspalast in Den Haag, dem Sitz des Internationalen Gerichtshofs. Gefragt waren dabei vor allem solides Wissen und die Fähigkeit, sich trotz Nervosität nicht durch hartnäckige Fragen aus der Fassung bringen zu lassen. Dieser Herausforderung hielt das Düsseldorfer Team in "Gerichtsverhandlunge" gegen Mannschaften aus Bulgarien, Dänemark, Moldavien und der Ukraine stand.
Initiiert wurde die Düsseldorfer Beteiligung an insgesamt drei internationalen Völkerrechtswettbewerben von Prof. Dr. Dr. Juliane Kokott, Inhaberin des Lehrstuhls für deutsches und ausländisches Recht. Die Juristin: "Derartige Wettbewerbe sind von herausragender pädagogischer Bedeutung, weil die Studierenden ihre Fremdsprachenkenntnisse intensivieren und die Fallbearbeitung aus anwaltlicher Perspektive einüben. Für beides ist im regulären Studium leider zu wenig Zeit. Der schöne Erfolg unseres Teams gleich bei der ersten Teilnahme ist in erster Linie auf die intensive Eigenarbeit der Beteiligten und ihren außergewöhnlichen Leistungswillen zurückzuführen. Besonders förderlich waren auch die guten Arbeitsbedingungen an unserer Fakultät, die einen engen Kontakt zwischen Lernenden und Lehrenden ermöglichen. Hervorheben möchte ich, daß die in Deutschland einmalige Beteiligung von Mannschaften einer Fakultät an gleich drei Völkerrechtswettbewerben nur durch die finanzielle Unterstützung der Paul-Mikat-Stiftung möglich wurde."
Gerichtsspiel-Wettbewerb Freiheit der Meere oder Umweltschutz?
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