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Modernes Japan
'Getrennte Welten, gemeinsame Moderne? BR - BR Geschlechterverhältnisse in Japan'

Die Geschlechterverhältnisse wurden bisher überwiegend bezogen auf den westlich verstandenen Modernisierungsprozeß untersucht. Im Zeitalter der Globalisierung ist es aber notwendig, den Blick auch auf Ostasien zu richten und die Frage zu stellen, ob es neben dem westlichen Verständnis der Modernisierung nicht auch eine andere Erfahrung der Moderne in ostasiatischen Ländern gibt.

Die Geschlechterverhältnisse wurden bisher überwiegend bezogen auf den westlich verstandenen Modernisierungsprozeß untersucht. Im Zeitalter der Globalisierung ist es aber notwendig, den Blick auch auf Ostasien zu richten und die Frage zu stellen, ob es neben dem westlichen Verständnis der Modernisierung nicht auch eine andere Erfahrung der Moderne in ostasiatischen Ländern gibt.

Dieser Frage gehen zwei Wissenschaftlerinnen, Prof.Dr. Ilse Lenz (Ruhr-Universität Bochum) und Prof.Dr. Michiko Mae (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) nach; sie bauen, im Rahmen des Netzwerks Frauenforschung NRW, eine interdisziplinäre und vergleichende Frauen- und Geschlechterforschung zu Japan und Deutschland auf und bemühen sich, eine Brückenfunktion zwischen den beiden Ländern zu leisten. Durch ihre enge Zusammenarbeit entwickeln sie ein eigenes kleines Netzwerk, das vom Ministerium für Wissenschaft und Forschung NRW unterstützt wird, und nutzen damit den Standortvorteil in NRW, der durch das Netzwerk Frauenforschung gegeben ist.

Nun haben Ilse Lenz und Michiko Mae ein Buch mit dem Titel "Getrennte Welten, gemeinsame Moderne? Geschlechterverhältnisse in Japan" herausgegeben, das als vierter Band der neu gegründeten Reihe "Geschlecht und Gesellschaft" im Verlag Leske + Budrich erschienen ist.

Das Buch wird eingeleitet durch allgemeine Überlegungen zu den Widersprüchen im Modernisierungsprozeß und zu der japanischen Erfahrung der Moderne. Wie haben sich die Verhältnisse zwischen den Geschlechtern durch die Modernisierung verändert, welche Errungenschaften und welche neuen Probleme brachten sie mit sich? Kann man durch solche vergleichenden Fragestellungen die Besonderheiten Japans besser verstehen?

Es folgen zusammenfassende Beiträge zu den Entwicklungen in Familie, Lohnarbeit und Politik. Die Herausbildung der modernen japanischen Familie und die Geschichte der modernen Frauenberufe sowie die Rolle der Frauenbewegung im Modernisierungsprozeß werden in ihrer historischen Entwicklung und in ihren soziokulturellen Besonderheiten nachvollziehbar. Andere Beiträge setzen sich mit der aktuellen Situation in Japan auseinander. Neue Rollenmuster in japanischen Fernsehdramen werden ebenso analysiert wie Partizipationsmöglichkeiten von Frauen in der Politik oder neuere sozial- und beschäftigungspolitische Entwicklungen in der japanischen "Betriebsgesellschaft" und ihre Implikation für Frauen.

Die Autorinnen geben lebendige Einblicke in ihre Forschungsgebiete. Ausführliche Schilderungen von Fallbeispielen und erstmals übersetzte Quellentexte machen die Lektüre für das Lesepublikum, auch aus dem nichtwissenschaftlichen Bereich, spannend. Der Band zeigt die vielfältigen Veränderungen für Frauen und Männer im modernen Japan auf und vermittelt damit einen guten Einstieg für alle Interessierten.

Der im Titel aufgeworfenen Frage nach den unterschiedlichen Erfahrungen mit der Moderne wird in zweierlei Hinsicht nachgegangen: "Im modernen Japan ist die Trennung von Männerwelten und Frauenwelten besonders ausgeprägt (...). Das Wort von den getrennten Welten in einer gemeinsamen Moderne läßt sich (aber) auch auf das Verhältnis von Eurpa und Japan beziehen. Wir wollen deshalb dem westlichen Verständnis der Modernisierung die japanische Erfahrung der Moderne entgegenstellen." (aus der Einleitung) Es entstehen somit zahlreiche Berührungspunkte mit der deutschen Entwicklung, die die Möglichkeit des interkulturellen Vergleichs der Geschlechterverhältnisse eröffnen. Damit schließt der vorliegende Band an die Bände "Wechselnde Blicke. Frauenforschung in internationaler Perspektive" und "Frauenbewegungen international. Eine Arbeitsbibliographie" an, die ebenfalls in der Reihe "Geschlecht und Gesellschaft" (Verlag Leske + Budrich) erschienen sind. Die Beiträge des Bandes "Getrennte Welten, gemeinsame Moderne?" sind aus dem jährlich stattfindenden Workshop "Geschlechterforschung zu Japan" hervorgegangen. Diese Workshops werden von Ilse Lenz und Michiko Mae organisiert und bilden seit 1992 für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verschiedener Fachrichtungen eine Plattform für eine interdisziplinäre Diskussion von kultur- und sozialwissenschaftlichen Forschungen; sie erfreuen sich eines stetig wachsenden Interesses. In dem ersten Workshop ging es zunächst um den Übergang "Von der Frauenforschung zur Geschlechterforschung". In den folgenden Jahren wurden die Schwerpunkte "Veränderungen, Abweichungen und Aufbrüche zwischen den Geschlechtern in der japanischen Kultur und Gesellschaft" (1993), "Japan: Eine andere Moderne? - Bedeutung der Modernisierung für die Frauen in der Männergesellschaft" (1994), "Geschlechterverhältnisse in Japan: Bilder, Wirklichkeit und Zukunftsentwürfe in Japan" (1995) und "Laufbahnen, Lebensläufe und neue Lebensentwürfe in Japan" (1996) thematisiert. Für 1997 ist der sechste Workshop bereits in Vorbereitung; er hat das Thema "Körperlichkeit, Sexualität und Identität in Japan (und Deutschland)".

In der Abteilung für Geschlechterforschung am Seminar Modernes Japan der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wird jährlich der Newsletter "Frauen- und Geschlechterforschung zu Japan" herausgegeben, und der Aufbau einer Datenbank und eines Archivs vorbereitet. Außerdem wurde eine Schriftenreihe mit demselben Titel gestartet, deren erster Band mit Beiträgen des Workshops von 1995 bereits erschienen ist. Im "kleinen Netzwerk" wird aber noch an weiteren Projekten gearbeitet, u.a. an einer vergleichenden Untersuchung über die Frauenbewegungen in Deutschland, Japan und Indien und an der Herausgabe von Quellentexten zur japanischen Frauenbewegung in deutscher Übersetzung. Zusammen mit dem Japanischen Kulturinstitut Köln, einer Außenstelle der Japan-Foundation (Kulturabteilung des Außenministeriums), veranstalten sie seit zwei Jahren Symposien, die auf Geschlechterforschung bezogene Themen in vergleichender Perspektive behandeln. Die starke Präsenz Japans in NRW ist neben dem Netzwerk Frauenforschung ein weiterer Standortvorteil. Dies trägt dazu bei, daß die interkulturelle Frauenforschung einen festen Platz in der Forschungslandschaft von NRW gewinnt.
Weitere Informationen: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Ostasien Institut, Modernes Japan
Abteilung Frauen- und Geschlechterforschung
Universitätsstr. 1
40225 Düsseldorf
Tel: 0211-81-14709/14329
Fax: 0211-81-14714
e-mail:mae@uni-duesseldorf.de

Kategorie/n: Pressemeldungen