Zu Goethes 250. Geburtstag finden auch in Düsseldorf zahlreiche Veranstaltungen statt. Den Kern bildet eine wissenschaftliche Tagung in der Heinrich-Heine-Universität, im Goethe-Museum und im Malkasten mit dem Rahmenthema "Goethes geistiges Europa" (20. bis 27. Juni 1999). Organisatoren des Kongresses, zu dem - ähnlich wie beim Heine-Symposium 1997 - mehrere hundert Teilnehmer erwartet werden, sind Prof. Dr. Bernd Witte (Germanistisches Seminar der Universität) und Prof. Dr. Dr. h.c. Volkmar Hansen (Goethe-Museum).
Prof. Hansen erwartet von dem Kongreß ein völlig neues Goethe-Bild. Denn erstmalig rückt die "europäische Dimension" des Autors in den Vordergrund. Sowohl die Einflüsse von Europa auf ihn als auch die Einflüsse von Goethe auf Europa und seine geistige Welt werden untersucht. Daher ist der Kongreß in mehrere Sektionen unterteilt, die sich den Themen "Antike", "Italien", "Frankreich", "England", "Osteuropa" und "Begegnungen und Reisen" widmen. Goethe, der Europäer? Das müsse man sehr vielschichtig sehen, erklärt Prof. Witte vorab. Mit seinem "Werther" habe er sicherlich ein Buch geschrieben, das über Ländergrenzen hinweg ein Bestseller wurde, "es war der erste deutsche Text, der europaweit Begeisterung auslöste." Goethe beschäftigte sich intensiv mit anderssprachigen Literaturen und war - was vielfach vergessen ist - auch als Übersetzer tätig. So übertrug er Voltaire und Diderot ins Deutsche, den englischen "Ossian" sowie Werke aus dem Italienischen und Serbokroatischen.
"Der frühe Goethe", so Prof. Witte, "war sicher ein international denkender, europäischer Intellektueller, der sich im Einklang mit einem allgemeinen Bildungskanon wußte. Andererseits war er aber auch der Erfinder einer nationalen, deutschen Kultur, - von deren Auswüchsen er sich am Ende wieder distanziert. Allerdings: "Der mittlere Goethe ist eindeutig ein deutscher Goethe. Der späte dann ganz klar ein Europäer im Geiste." Für Prof. Witte ist Düsseldorf "nach Weimar und noch vor Frankfurt am Main der zweite Zentralort für die Goethe-Forschung", daher wurde die Stadt als Tagungsort gewählt. Denn mit dem Goethe-Museum und seinen Beständen sind ideale Voraussetzungen gegeben.
Neben der wissenschaftlichen Tagung, zu der neben den arrivierten Goethe-Forschern auch Nachwuchswissenschaftler eingeladen wurden, gibt es eine große begleitende Ausstellung im Goethe-Museum Düsseldorf zum Thema des Symposiums, sowie öffentliche Abendveranstaltungen im Malkasten.
Rechtzeitig im Jubiläumsjahr kann Prof. Witte den fünften und letzten Band des neuen Standardwerks der Goethe-Forschung präsentieren: das "Goethe-Handbuch", 1996 begonnen. "250 Mitarbeiter zwischen Kalifornien und China haben daran mitgewirkt", sagt der Düsseldorfer Germanist und leitende Herausgeber des Mammutunternehmens, "das ist ein gutes Fundament für das Goethe-Jahr 1999."
Für weitere Informationen: Prof. Dr. Bernd Witte, Germanistisches Seminar, Tel. 0211 - 81-1 29 50, e-mail: Witte(at)phil-fak.uni-duesseldorf.de. Das Programm findet sich im Internet unter http://www.aski.org. Tagungsbüro: Goethe-Museum, Tel. 0211 - 899 - 2393.
Internationaler Kongreß: 'Goethes geistiges Europa'
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