Zum Inhalt springen Zur Suche springen

Ausstellung in der ULB zum Goethejahr:
'Hehres und Triviales...'

Keine Goldschnitt- Ausgaben des Weimarer Großdichters zum Jubiläum, sondern "Hehres und Triviales" aus Leihbibliotheken der Goethezeit ist vom 18. Mai bis zum 23. Juni in der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf zu sehen. Was las das Publikum in der Klassik tatsächlich? Goethe und Schiller oder Räuberromane?

Pressebild

"Was die Deutschen lasen, während ihre Klassiker schrieben", so heißt ein Hörspiel von Walter Benjamin. Ein Titel, der auch zur Ausstellung in der Universitäts- und Landesbibliothek passen würde.

Anläßlich des 250. Geburtstages von Johann Wolfgang von Goethe möchte die ULB nicht vorrangig kostbare Goethe-Erstausgaben zeigen, die an anderer Stelle in Düsseldorf weitaus vollständiger gesammelt werden. Zu sehen ist stattdessen ein Querschnitt durch die populäre Literatur der Goethezeit: Kinderbücher und pädagogische Schriften, Almanache, Theaterstücke, Literaturkritik, politische und historische Veröffentlichungen, Trivialromane und vieles andere mehr.

Eine Auswahl von rund 120 einzeln erläuterten Buchtiteln aus dem reichen historischen Buchbestand der ULB soll unter dem Rahmenthema "Hehres und Triviales, oder: Aus den Leihbibliotheken der Goethezeit" einen Eindruck vermitteln, welche Titel das lesewütige Publikum damals in einer Bibliothek vorfand, um sein Unterhaltungsbedürfnis oder seine Neugier auf Sachbücher verschiedener Wissensgebiete zu befriedigen.

Einige der gezeigten Werke stammen tatsächlich aus Leihbibliotheken und weisen entsprechend intensive Gebrauchsspuren auf. Aus der Frühzeit der Universitäts- und Landesbibliothek (gegründet 1770 als "Kurfürstlich öffentliche Bibliotheque") stammen sie freilich nicht: "Romainen [=Romane] werden durchaus nicht angenommen" verfügte harsch die erste Bibliotheksordnung aus dem Gründungsjahr. Die als minderwertig, ja als verderblich eingestufte Lektüre von Ritter- Räuber- und Schauerromanen mußte über private Leihbibliotheken besorgt werden.

Ein erheblicher Teil der ausgestellten Titel konnte erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Antiquariatsmarkt erworben werden. Die Literatur- und Buchwissenschaft begann erst Ende der sechziger Jahre, sich des Themas der Leihbibliotheken und der sogenannten "niederen" Literatur anzunehmen. Die Ausstellung soll auch Anstoß geben zu eigenen literarischen Entdeckungen im Altbestand der Universitäts- und Landesbibliothek.

Autor/in: Rudolf Schmitt-Föller
Kategorie/n: Pressemeldungen