Neben den einengenden Veränderungen der Herzkranzarterien (koronare Herzkrankheit) sind Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathie) die wesentliche Ursache für eine Herzmuskelschwäche, Herzrhythmusstörungen und plötzlichen Herztod. Bereits im jungen Lebensalter können sich die Symptome einer Herzmuskelerkrankung bemerkbar machen. Beim älteren Patienten ist die Herzmuskelschwäche eine wesentliche Ursache für Abgeschlagenheit, Leistungsminderung und eine verkürzte Lebenserwartung. Fast 20% aller Bundesbürger haben im Alter eine Herzmuskelschwäche.
Auf dem III. Westdeutschen Expertengespräch in der Kardiologie (28./29.11.1997) unter der wissenschaftlichen Leitung von Priv.-Doz. Dr. Bodo Schwartzkopff aus der Abteilung für Kardiologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Leiter: Prof. Dr. Bodo-Eckehard Strauer) und von Priv.-Doz. Dr. Günter Görge vom Universitätsklinikum Essen werden neue Möglichkeiten in der Diagnostik und Therapie bei Patienten mit Herzmuskelerkrankungen im Kreis von Experten aus ganz Deutschland besprochen. Chefärzte und Oberärzte aus ganz NRW informieren sich auf dieser Fachtagung über den neuesten Stand.
Priv.-Doz. Dr. B. Schwartzkopff berichtet über die Diagnostik der verschiedenen Formen der Herzmuskelerkrankungen, ihr Auftreten in der Bevölkerung und die Prognose der Patienten. Die Möglichkeiten der Diagnostik von Herzmuskelerkrankungen mit neuen Ultraschallgeräten, die das Herz bildlich darstellen können, stellt Dr. Silvana Müller , Universitätsklinik Essen, vor. Dr. Markus Mundhenke, Universitätsklinik Düsseldorf, berichtet über den Umbau des Herzmuskels bei verschiedenen Formen der Herzmuskelerkrankungen, was für die Diagnosestellung genutzt werden kann und prognostisch von Bedeutung sein kann.
Priv.-Doz. Dr. Dirk Müller-Wieland, Köln, erläutert neue Möglichkeiten zur Behandlung erhöhter Blutfettwerte bei Stoffwechselerkrankungen, die zu Durchblutungsstörungen des Herzmuskels führen können. Priv.-Doz. Dr. Friedhelm Späh, Krefeld, spricht über die Behandlung von Patienten mit einem Bluthochdruck, der zur Vergrößerung des Herzmuskels geführt hat.
Eine akute Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) nach einer Virusinfektion ist eine wesentliche Ursache für einen plötzlichen Herztod, besonders im jugendlichen Alter. Eine Reihe von Patienten erleidet aber auch nach einer abgelaufenen Myokarditis eine Herzerweiterung und Herzmuskelschwäche. Aus der Universitäts-klinik Düsseldorf wird von Dr. Michael Klein über umfangreiche Untersuchungen, Ergebnisse und über Behandlungsmöglichkeiten berichtet. Priv.-Doz. Dr. Günter Görge, Essen spricht über die akute Therapie des Herzversagens mit neuen Medikamenten bei Patienten auf der Intensivstation. Prof. Dr. Michael Böhm, Universitätsklinik Köln, stellt neue Therapieformen mit Medikamenten bei ambulanten Patienten mit einer Herzinsuffizienz vor.
Patienten mit einer Herzvergrößerung und einer eingeschränkten Pumpfunktion (dilatative Kardiomyopthie) haben häufig eine erheblich engeschränkte Lebenserwartung. Bei einem Teil der Patienten kann nur eine Herztransplantation helfen. Dr. Thomas Petzold und Priv.-Doz. Dr. Peter Feindt, Universitätsklinik Düsseldorf, tragen über die Indikation, den Zeitpunkt und die erforderlichen Bedingungen für eine Herztransplantation vor, wobei in den Unikliniken Düsseldorf jetzt wieder diese Operationen unter der Leitung von Prof. Dr. Emmeran Gams durchgeführt werden. Über die Infektionskrankheiten im Langzeitverlauf von Herz-transplantierten Patienten wird dabei besonders eingegangen. Prof. Dr. Hans-Reinhard Zerkowski von der Universitätsklinik Halle berichtet über neue operative Therapiemaßnahmen bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz, insbesondere über die Möglichkeit eines Ersatzes durch ein Kunstherz sowie über rekonstruierende Operationen des kranken Herzens.
Den Herzmuskelerkrankungen, die zu einer Verdickung der Wände des Herzmuskels führen (hypertrophe Kardiomyopathie), wird ein besonderer Platz eingeräumt. Prof. Dr. Hans-Peter Vossberg, Max-Planck-Institut Bad Nauheim, stellt neue Möglichkeiten dar, durch Blutuntersuchungen die Diagnose dieser Erberkrankung zu stellen und welche Möglichkeiten einer Behandlung und Vorsorge sich daraus ergeben. Dies ist deshalb wichtig, weil Herzmuskelerkrankungen, die mit einer Zunahme der Dicke der Herzwände führen, häufig mit Herzrhythmusstörungen und einer erheblichen Leistungsminderung einhergehen. Besonders Kinder mit dieser Erkrankung sind von einem plötzlichen Herztod betroffen. Die frühzeitige Erkennung und Einleitung einer Behandlung der hypertrophen Kardiomyopathie kann hier lebensrettend sein.
Bisher ist die Operation mit Ausschälung des Herzens an der verdickten Stelle die etablierte Therapie bei schwersten Formen der einengenden hypertrophen Kardiomyopathie. Über die Ergebnisse der Düsseldorfer Herzchirurgie berichtet Prof. Dr. Hagen Dietrich Schulte, der weltweit auch die meisten Patienten mit einer einengenden hypertrophen Kardiomyopathie operiert hat. Eine Verkleinerung der abnorm verdickter Herzwand kann jetzt durch eine neue Therapie mittels Herzkathetern erfolgen. Priv.-Doz. Dr. Bodo Schwartzkopff berichtet über die Ergebnisse der in Düsseldorf behandelten Patienten, die sehr erfolgversprechend sind und möglicherweise die Operation bei einem Teil der Patienten ersetzen kann. Dr. Frank Gietzen stellt die Ergebnisse aus Bielefeld vor, wo in Deutschland die ersten Patienten mit dieser Methode behandelt wurden.
Ziel der Veranstaltung ist es, neue Möglichkeiten in der Diagnostik und Therapie von Herzmuskelerkrankungen kritisch im Dialog darzustellen, abzuwägen und daraus die klinische Behandlung für den einzelnen Patienten zu optimieren.
Kardiologie-Tagung Herzmuskelschwäche: ein zentrales Problem
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