150.000 Menschen in Deutschland sterben jährlich am "Plötzlichen Herztod". Ursache sind fast immer Herzrhythmusstörungen. Herzrasen, unregelmäßiger Puls, Schwindelgefühl, Druck in der Brust, innere Unruhe, Ohnmacht - das sind die Warnsignale. Rhythmusstörungen sind meist Symptome einer lebensbedrohlichen Krankheit und seltener eine eigenständige Erkrankung.
Erforschung, Diagnostik und Therapie von Herzrhythmusstörungen haben in den vergangenen 15 Jahren einen dramatischen Wandel und Fortschritt erlebt. Geradezu revolutioniert wurde beispielsweise die Prävention des Plötzlichen Herztodes. Über die neuesten Entwicklungen berichten und diskutieren am Freitag und Sonnabend, 11./12. September 1998 rund 300 Mediziner während des Symposiums "Update in Rhythmologie 1998 - Aktuelle Entwicklungen in Diagnostik und Therapie tachykarder Herzrhythmusstörungen" unter Leitung von Priv.-Doz. Dr. Ernst Vester an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Wenn das Herz nicht richtig schlägt, kann es mehrere Ursachen geben: Kein Zweifel besteht daran, daß ehemalige Infarktpatienten ein erhöhtes Risiko für Rhythmusstörungen haben. "Die Wahrscheinlichkeit liegt bei ungefähr fünf bis zehn Prozent, daß Menschen nach einem Infarkt irgendwann lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bekommen", so Dr. Marcus Hennersdorf von der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie an der Heinrich-Heine-Universität.
Herzrhythmusstörungen können aber auch vererbt werden. Forscher gehen davon aus, daß bestimmte Rhythmusstörungen angeboren sind oder infolge eines genetischen Defekts im Erbgut auftreten.
Als weitere Ursache nicht zu unterschätzen ist die sogenannte "verschleppte Grippe". "Danach kann es zu Herzmuskelentzündungen mit begleitenden, z.T. lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen kommen. Eine entzündungshemmende Medikation mit Kortison kann zwar die Grunderkrankung heilen", so Dr. Hennersdorf. Gleichzeitig können sich auch die Rhythmusstörungen zurückbilden.
Von diesen gibt es - und auch das ist Thema des Symposiums - eine harmlose und eine gefährliche Form. Nicht-lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen treten im Vorhof des Herzens auf und werden als "Vorhofflimmern" bezeichnet. Symptome sind Herzrasen, Unruhe, unregelmäßiger Puls. In schlimmen Fällen ist die Lebensqualität stark eingeschränkt, denn Vorhof-Rhythmusstörungen sind nur schwer behandelbar. "Dieses Untersuchungsgebiet wird in der Kardiologie als letzte große Herausforderung betrachtet", so Dr. Hennersdorf.
Lebensbedrohlich sind Herzrhythmusstörungen, wenn die Hauptkammer des Herzens betroffen ist. Sie ist eine wichtige Schaltzentrale, denn hier wird der Puls hauptsächlich reguliert. Kommt es in diesem Bereich zu Rhythmusstörungen, führt dies zu einem "stillen Kreislauf". Der Patient verliert das Bewußtsein, das Herz rast mit bis zu 400 Schlägen pro Minute. Das Gehirn kann allerdings nur bis zu zehn Minuten ohne Sauerstoffzufuhr arbeiten. In dieser Zeit muß der Notarzt eintreffen. Es mag paradox klingen: Aber innerhalb von acht bis zehn Minuten nach dem Plötzlichen Herztod kann der Betroffene noch reanimiert werden.
Durch präventive regelmäßige Voruntersuchungen ließe sich diese Situation vermeiden. Menschen mit Herzerkrankungen und Patienten, die bereits eine Ohnmacht hatten, sollen sich unbedingt regelmäßig untersuchen lassen. Bereits eine computergestützte EKG-Analyse kann aufzeigen, wer ein erhöhtes Risiko für den Plötzlichen Herztod hat. Gefährdet sind besonders jene Menschen, bei denen das Herz in immer gleicher Frequenz schlägt.
Geradezu revolutioniert wurde die Prävention des Plötzlichen Herztodes durch die Einführung des implantierbaren Cardioverter / Defibrillators. Patienten, die stark gefährdet sind, wird dieses kleine Gerät, das ca. halb, bald nur noch ein Drittel so groß wie eine Zigarettenpackung ist, unter den Brustmuskel eingepflanzt. Durch die elektrischen Impulse, die es dem Herzen verpaßt, schützt es äußerst wirkungsvoll vor dem Plötzlichen Herztod.
Weitere wichtige therapeutische Maßnahmen gegen Herzrhythmusstörungen sind das sogenannte Mapping, die Katheter-Ablation und die medikamentöse Therapie. Die zuletzt genannte Methode hat jedoch den Nachteil, daß die Herzrhythmusstörungen nur unzuverlässig unterdrückt werden. Beim Mapping wird eine elektrische Landkarte des Herzens erstellt - ein Verfahren, um den Ursprungsort der Herzrhythmusstörungen zu lokalisieren.
Bei der Katheter-Ablation wird dem Patienten ein millimeterdünner Schlauch von der Leiste aus bis zum Herzen geführt. Dort nimmt er die elektrischen Signale des Herzens auf und kann erkennen, wo eine Störung vorliegt. Das Gewebe an der betroffenen Stelle, wo der Ursprung der Herzrhythmusstörungen liegt, wird verödet. Eine Aufgabe, die das handwerkliche Geschick und die volle Konzentration des Kardiologen erfordert. Daher bietet das Symposium neben Referaten, Vorträgen und Diskussion auch einen Workshop zur Katheterablation an. Unter dem Motto "How to ablate" erfahren interessierte Mediziner mehr über das notwendige Know-how als auch über die Komplikationen der Katheterablation.
Herzrhythmusstörungen Internationales Symposium
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