Bei einem abdominalen Aortenaneurysma, umgangssprachlich auch Bauchaortenaneurysma genannt, handelt es sich um eine schwerwiegende Erkrankung der Bauchschlagader, bei der sich das Gefäß dauerhaft und krankhaft erweitert. Da diese Entwicklung meist symptomlos verläuft, wird die Diagnose häufig erst gestellt, wenn Komplikationen auftreten. Besonders gefürchtet ist die akute Ruptur, die mit einer sehr hohen Sterblichkeit einhergeht und Aortenaneurysmen weltweit zu einer bedeutenden Todesursache unter den Herz-Kreislauf-Erkrankungen macht.
Da bislang keine effektive medikamentöse Therapie zur Verfügung steht und ein operativer Eingriff die einzige Behandlungsoption darstellt, ist ein vertieftes Verständnis der zugrundeliegenden pathophysiologischen Prozesse entscheidend. Nur so lassen sich neue therapeutische Ansätze entwickeln, die langfristig eine medikamentöse Behandlung ermöglichen können.
Im Rahmen eines von der DFG geförderten Forschungsprojekts (Transregio 259, Projekt A07) ist es einem Forschungsteam der Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie des UKD nun erstmals gelungen nachzuweisen, dass Thrombozyten, die bereits für ihren Einfluss auf andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt sind, unmittelbar an der Entstehung und Progression von Aortenaneurysmen beteiligt sind. Sie konnten im Tiermodell nachweisen, dass Thrombozyten die Entwicklung eines Aortenaneurysmas maßgeblich fördern, indem sie Entzündungsprozesse modulieren und den strukturellen Umbau der Gefäßwand vorantreiben. Konkret führen die Thrombozyten zu Entzündungsprozessen in der Gefäßwand und infiltrieren diese auch selbst. Eine gezielte Hemmung der Thrombozyten führte folglich zu einer Stabilisierung der Gefäßwand und zu einem verlangsamten Voranschreiten des Aneurysmas.
Auch bei Patientinnen und Patienten mit einem Aortenaneurysma ließ sich eine erhöhte Thrombozytenaktivierung nachweisen. Zudem wurde sichtbar, dass sie bereits in die Gefäßwand eingedrungen waren.
„Unsere experimentellen Daten bilden eine vielversprechende translationale Grundlage und deuten darauf hin, dass eine anti-thrombozytäre Therapie künftig einen erfolgsversprechenden Ansatz darstellen könnten, um die Progression von Aortenaneurysmen zu verlangsamen und das Rupturrisiko zu senken“, erklärt Prof. Elvers. Die Studie eröffnet damit neue Perspektiven für die medikamentöse Behandlung von Aortenaneurysmen und unterstreicht die Bedeutung von Thrombozyten als Zielstruktur innovativer therapeutischer Strategien.
Neben Prof. Elvers waren an der Studie unter anderem Prof. Dr. Hubert Schelzig, Prof. Dr. Markus Wagenhäuser und Dr. Kim-Jürgen Krott (alle Klinik für Gefäß- und Endovaskulärchirurgie, UKD) beteiligt.
Das Team wurde für diese Forschungsergebnisse auf der in Madrid abgehaltenen Jahrestagung der European Society of Cardiology (ESC) mit dem renommierten John-Shillingford-Preis als beste in der Fachzeitschrift Cardiovascular Research veröffentlichte Arbeit des Jahres 2024 ausgezeichnet.
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