Es trägt den Namen CAOS (Computer assistiertes Operationssystem), "aber es ist genau das Gegenteil von Chaos", freute sich Prof. Dr. Klaus-Peter Schulitz, Direktor der Orthopädischen Klinik der Universität (rechts im Bild) bei der heutigen Pressekonferenz.
Erstmals gibt es in Nordrhein-Westfalen einen Operationscomputer (Kosten: über 1 Mio. DM), der speziell im Bereich der Wirbelsäulen- und Gelenkbeschwerden eingesetzt werden kann.
Verschleiß im Bereich der Wirbelsäule, der Bandscheiben und der Knie- und Hüftgelenke sind in der Orthopädie die häufigste Ursache für Erkrankungen. Vieles kann heute ohne Operation geheilt oder zumindest gelindert werden. Ein Teil der Patienten ist jedoch auf operative Hilfe angewiesen. Dabei zählen Eingriffe an der Wirbelsäule immer noch zu den anspruchsvollsten und schwierigsten, da hier am Rückenmark und seinen Nervenaustrittspunkten gearbeitet werden muß. "Und gerade diese Gefahrenstellen können mit dem neuen Operationscomputer deutlich verringert werden", berichtet Klinikleiter Prof. Schulitz.
Der Trend zur Computerchirurgie ist nicht mehr aufzuhalten. Mit Hilfe des Computers und einer speziellen Kamera, die über dem Operationstisch installiert wird, kann der Chirurg jede seiner Bewegungen während der Operation am Monitor verfolgen und so korrigieren, um Rückenmarks- oder Nervenschädigungen, aber auch Gelenkschäden zu vermeiden. Das Operationsteam simuliert den Eingriff vorher am Computer, wobei die Schnittebenen und Bohrstellen genau festgelegt werden. Sie können dann mit einer Sicherheit von 0,1 mm genau während der Operation nachvollzogen werden. Dadurch sind auch dreidimensionale Eingriffe nicht mehr dem Zufall überlassen, sie werden den technisch vorgerechneten biomechanischen Anforderungen angepaßt. Mit gleicher Präzision können auch Hüft- und Kniegelenksprothesen eingesetzt werden.
Dr. Jörn Hillekamp, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Klinik und zuständig für das Projekt, erläutert das Prinzip: "Mit Hilfe eines Röntgenbildes, das in den Operationscomputer eingelesen wird, erstellen wir zunächst ein dreidimensionales Bild der Wirbelsäule oder von den entsprechenden Gelenken des Patienten. Über die Meßpunkte an den Operationsinstrumenten und der speziellen Kamera, die in abgewandelter Form in der Luft- und Raumfahrttechnik Verwendung findet, kann der Operateur dann jede seiner Bewegungen am Bildschirm verfolgen und Verletzungen vermeiden."
Im Gegensatz zu anderen Computern, bei denen die Meßpunkte mit Hilfe von Orientierungsmarkern in einer kleinen Operation vorher festgelegt werden müssen, ist hier kein zusätzlicher Eingriff erforderlich.
Mit dem CAOS-System kann der Arzt den operativen Vorgang beeinflussen und so auch sein operatives Geschick mit einsetzen. Weichteil- und Muskelverletzungen durch einen "Kollegen Roboter" sind nicht zu fürchten.
Für die Patienten entstehen keine zusätzlichen Kosten durch das neue Verfahren. Der Präzisionscomputer ist über Forschungsgelder finanziert worden.
Operationscomputer in der Orthopädie Kein Chaos durch CAOS
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Pressemeldungen