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Das Herz der Finsternis
Kolonialismus und NS-Herrschaft

Am 2. Juli hält Dr. Stephan Malinowski, Träger des Deutschen Sachbuchpreises, einen Vortrag über sein aktuelles Forschungsprojekt an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU): Hearts of Darkness - Kolonialismus und NS-Herrschaft. Stephan Malinowski geht empirisch der Frage nach, welche Parallelen es zwischen der deutschen Kolonialgeschichte und dem NS-Regime gibt und wo die Vergleichbarkeit an ihre Grenzen stößt. Das Institut für Deutsches und Internationales Parteienrecht und Parteienforschung (PRUF) lädt gemeinsam mit dem Institut für Geschichtswissenschaften zu diesem Vortrag ein.

Dr. Stephan Malinowski forscht für drei Jahre am PRUF. (Foto: PRUF)

Jahrzehntelang wurden koloniale Gewaltherrschaften und die Geschichte der nationalsozialistischen Herrschaft über Europa als zwei getrennte Sphären erforscht. In den letzten Jahren sind die Grenzen zwischen diesen beiden Welten durchlässig geworden. Die derzeit einflussreichste Interpretation des Holocaust ist die eines Ereignisses in einer dreitausendjährigen Kette kolonialer Völkermorde. Stephan Malinowski untersucht und hinterfragt in Hearts of Darkness diese Interpretation und setzt sich kritisch mit Interpretationen auseinander, in denen die nationalsozialistische Vernichtungspolitik als Folge und Unterkategorie kolonialer Gewalttraditionen erscheint. Zwar sind einzelne Grundmuster, Wahrnehmungen und Erfahrungen in beiden Gewaltregimen in vielerlei Hinsicht verblüffend ähnlich. Aus Malinowskis Sicht enden die strukturellen Ähnlichkeiten aber genau dort, wo sie in der bisherigen Diskussion gesucht wurden: bei der systematischen und gezielten Ermordung der europäischen Juden. Der deutsche Vernichtungskrieg stelle eher einen Bruch mit den europäischen Traditionen des Kolonialismus als deren Fortsetzung dar.

Stephan Malinowski möchte die heftig geführte (politische) Debatte um den historischen Vergleich von Kolonialismus und NS-Herrschaft für ein breiteres Publikum verständlich und nachvollziehbar machen und der laufenden Kontroverse neue Impulse geben.

Stephan Malinowski, geboren 1966 in Berlin, studierte und lehrte Geschichte in Berlin, Frankreich, Italien, den USA und Irland. Er ist Professor für Neue Europäische Geschichte an der University of Edinburgh. Seit Sommer 2023 forscht er im Rahmen eines von ihm eingeworbenen Drittmittelprojekts zum Thema ‚Das Herz der Finsternis. NS-Herrschaft und koloniale Gewalt‘ für drei Jahre am PRUF.

Seine Dissertation (2001) ‚Vom König zum Führer. Sozialer Niedergang und politische Radikalisierung im deutschen Adel zwischen Kaiserreich und NS-Staat‘ wurde mit dem Hans-Rosenberg-Preis ausgezeichnet. In einem Gutachten im Auftrag des Landes Brandenburg untersuchte er 2014 die Restitutionsansprüche der Hohenzollern. Für seine Monografie ‚Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration‘ erhielt Malinowski den Deutschen Sachbuchpreis 2022. Neben Arbeiten zur deutschen Geschichte ist Malinowski auch mit Beiträgen zur französischen und europäischen Kolonialgeschichte hervorgetreten.

Infos zum Projekt

Die Teilnahme ist kostenfrei, Interessierte sind herzlich willkommen.

Termin:
Dienstag, 2.7.2024, 12.30-14.00 Uhr
Geb. 23.21, Raum U1.44
Universitätsstr. 1
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
 

 

 

Autor/in: Carolin Grape
Kategorie/n: Schlagzeilen