Im Zentrum seiner zahlreichen Aufsätze und Monographien steht der Begriff des Sonischen, das Wolfgang Ernst als ein Denken zwischen Ton und Klang analysiert. Diese Forschungsergebnisse haben auch Konsequenzen für die Auseinandersetzung mit einem aktuellen Medienbegriff. „Wolfgang Ernst interessiert sich auch für die leisen Töne, für das randständige, für das, was zwischen dem Akustischen und dem Symbolischen steht“, so Dekanin Prof. Dr. Ulli Seegers. Sie lobte Ernst als einen Wissenschaftler, „der stets theorieoffen und vielfältig anschlussfähig ist und dabei dem Lauten, Einfachen und Populistischen widersteht.“ Und PD Kathrin Dreckmann ergänzte in ihrer Laudatio: „Wolfgang Ernst ist ein Pionier, ein Gründervater der Accustic Studies und hat damit ein immer noch neues, aktuelles und pulsierendes Forschungsfeld eröffnet, das genuin transdisziplinär ist.“
Wolfgang Ernst, 1959 geboren, studierte Geschichte, Archäologie und Latein an den Universitäten Köln, London und Bochum. 2001 habilitierte er sich an der Humboldt-Universität zu Berlin über deutsche Gedächtnisorganisationen im 19. und 20. Jahrhundert und hat dort seit April 2003 eine Professur für Medientheorien. „Das besondere Verdient der Forschungsarbeit von Wolfgang Ernst besteht darin“, so Jury-Mitglied Prof. Dr. Dirk Matejovski, „dass er historisch exakt und analytisch trennscharf das Wechselverhältnis zwischen Materialität der Medien und den Konstitutionsformen des Akustischen nachgezeichnet hat. Dadurch hat er in seinem Lebenswerk entscheidende Impulse für die interdisziplinäre Reflektion über das Akustische formuliert. Für das neue, innovative Forschungsfeld der Acoustic Studies sind somit die Arbeiten Wolfgang Ernsts von überragender Bedeutung.“
Ernsts Forschungsergebnisse reichen bis in die Wahrnehmungstheorie, Kulturgeschichte, Musiktheorie und Geschichtswissenschaft hinein und bilden fruchtbare Grundlagen und Impulse für die weiterführenden Debatten und Konzepte innerhalb der Acoustic Studies und allgemeinen Medienkulturwissenschaft. Die Acoustic Studies, die sich mit dem Verhältnis von Medientechnologien, Sound und kulturellen Kontexten des Klanglichen auseinandersetzen, bilden mittlerweile ein klar konturiertes Teilgebiet der Medienkulturwissenschaft.
Die Meyer-Struckmann-Stiftung
Die Meyer-Struckmann-Stiftung fördert Wissenschaft und Forschung, insbesondere im Bereich der Kultur- und Geisteswissenschaften und verleiht jährlich die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung. Die Mittel stammen aus dem Nachlass des Stifters, Fritz Meyer-Struckmann, Bankier in Essen. Die Jury entscheidet in jedem Jahr neu über das Forschungsfeld, aus dem der Preisträger / die Preisträgerin zu bestimmen ist. 2023 verleiht die Philosophische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zum 17. Mal die Auszeichnung.
Bisherige Preisträger:
2006: Prof. Dr. Hartmut Böhme, Berlin; 2007: Prof. Dr. Shmuel Feiner, Israel; 2008: Prof. Dr. Harald Weinrich, München; 2009, Prof. Dr. Herfried Münkler, Berlin, 2010: Prof. Dr. Horst Bredekamp, Berlin, 2011: Prof. Dr. Jan Dirk Müller, München, 2012: Prof. Dr. Ursula Wolf, Mannheim, 2013: Sir Ian Kershaw, Sheffield, 2014: Prof. Dr. Alain Schnapp, Paris, 2015: Prof. Dr. Winfried Schulz, Erlangen-Nürnberg; 2016: Prof. Dr. Florian Coulmas, Duisburg/ Essen, 2017: Prof. Dr. Norbert Finzsch und 2018 Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger; 2019: Prof. Dr. Michael Stolleis (Frankfurt/M.), 2020: Prof. Helen Margetts (Oxford), 2021: Prof. Dr. Manfred Krifka (Berlin), 2022: Prof. Dr. Richard Münch (Bamberg), 2023: Prof. Dr. Monica Juneja.