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'Kompetenznetzwerke der Medizin':
Millionenförderung für Düsseldorf

Großer Erfolg für Mediziner der Heinrich-Heine-Universität. Gleich vier ihrer Projekte wurden beim Wettbewerb "Kompetenznetzwerke der Medizin (MedNet)" prämiert. Sie erhalten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung kräftige Finanzspritzen aus einem Gesamtvolumen von 150 Millionen DM.

Großer Erfolg für Mediziner der Heinrich-Heine-Universität. Gleich vier ihrer Projekte wurden beim Wettbewerb "Kompetenznetzwerke der Medizin (MedNet)" prämiert. Sie erhalten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung kräftige Finanzspritzen aus einem Gesamtvolumen von 150 Millionen DM.

Ziel dieses Wettbewerbs war es, jeweils Netzwerke für die wichtigsten und teuersten Krankheitsbildern zu schaffen. Damit soll die Lücke zwischen der medizinischen Forschung und den ärztlichen Versorgern geschlossen und Milliarden an Behandlungskosten gespart werden.

Die Düsseldorfer Mediziner haben sich zum Ziel gesetzt, den Austausch von Informationen auf mehreren Ebenen zu verbessern: Einerseits wollen sie die Kommunikation der Wissenschaftler untereinander steigern, andererseits einen Informationsfluß von Forschern zu praktizierenden Ärzten "an der Basis" herstellen. Der Austausch wird dabei hauptsächlich über das Internet stattfinden. Prof. Dr. Wolfgang Gaebel (Psychiatrische Klinik), der das MedNet "Schizophrenie" koordiniert, will mit der jährlichen Förderung von fünf Millionen DM ein Früherkennungszentrum in Düsseldorf aufbauen. Insgesamt leiden ca. eine Million Deutsche an Schizophrenie. Sie tritt im Regelfall im Alter zwischen 20 und 30 Jahren auf. "Die ersten fünf bis sechs Jahre bleibt die Krankheit meist unerkannt, da sie auch für den Hausarzt schwer festzustellen ist. Diese Zeit kann verkürzt werden", sagt der Klinikdirektor. Denn über das Internet sollen Hausärzte die Möglichkeit bekommen, sich mit einem Fachkollegen zu beraten.

Auch Prof. Dr. Carlo Aul (Innere Medizin, Klinik und Poliklinik, Abt. Hämatologie) will mit seinem Projekt "Akute und chronische Leukämien" die Diagnostik beschleunigen. Durch die "Telemikroskopie" kann beispielsweise ein Mediziner in Dresden seinem Kollegen in Düsseldorf über das Internet bei der Untersuchung von Präparaten unmittelbar beratend zur Seite stehen. "Gerade bei bestimmten Formen der Leukämie, die innerhalb von 48 Stunden einen tödlichen Ausgang haben, kann der Zeitgewinn lebensrettend sein", stellt Prof. Aul fest.

Durch die Vernetzung werden aber nicht nur auf dem Gebiet der Diagnose Fortschritte erwartet. Die Kontakte von den praktizierenden Ärzten zu den Wissenschaftlern dienen ebenfalls dazu, Krankheitsdaten zu erfassen, um sie in der Forschung auszuwerten. Prof. Dr. Otto Wilhelm Witte (Neurologische Klinik), der am Mednet "Schlaganfall" beteiligt ist, hofft dadurch, die Risikofaktoren besser erforschen zu können. Denn es erleiden ungefähr 250.000 Deutsche im Jahr einen Schlaganfall, der für 75.000 tödlich ausgeht. Ziel von Prof. Witte ist daher, die Forschung auf dem Gebiet der Prävention und der akuten Therapie zu verbessern.

Von den neuen "Kompetenznetzwerken" können die Patienten aber auch direkt profitieren. Prof. Matthias Schneider (Klinik für Nephrologie und Rheumatologie) von der Projektgruppe "Systematische entzündlich-rheumatische Krankheiten" weist auf das bereits bestehende RheumaNet hin. Hier kann sich der Patienten per Mausklick über rheumatische Erkrankungen erkundigen. Ebenso findet er die neuesten Therapiemöglichkeiten und die Adressen von Ansprechpartnern auf den Web-Seiten des RheumaNet. Mit ca. 1000 Zugriffen pro Tag hat sich das RheumaNet als besonders erfolgreich erwiesen. Mit dem Fördergeld will Prof. Schneider das Netzwerk jedoch weiter ausbauen. Geplant ist beispielsweise ein Check-up, mit dem die eigene Gesundheit überprüft werden kann. "Damit soll der Arzt nicht ersetzt werden", erklärt Prof. Schneider, "aber Ängste können wegfallen." Es vergeht weniger Zeit, bis ein Patient mit massiven rheumatischen Beschwerden zum Arzt geht.

Über den medizinischen Nutzen hinaus bieten die Netzwerke noch weitere Möglichkeiten. Prof. Gaebel wünscht sich eine Bewußtseinsänderung in der Gesellschaft hinsichtlich der Schizophrenie. "Für viele ist Schizophrenie immer noch gleichbedeutend mit dem Irresein schlechthin", stellt der Mediziner fest. Durch eine breitere Information erhofft er sich, der sozialen Ausgrenzung der Erkrankten entgegenzuwirken.

Aber was machen Patienten, die über keinen Internet-Anschluß verfügen? Die Mediziner sind sich dieses Problems wohl bewußt. Daher versichern sie, daß sämtliche Informationen für Patienten auch über die bisherigen Medien zugänglich bleiben.

Für weitere Informationen:

www.rheumanet.org

www.mednet-schizophrenie.de

www.krebsinfo.de

www.uni-duesseldorf.de/Schlaganfall/

Autor/in: Martin Zylka
Kategorie/n: Pressemeldungen