Die aktive Materie ist ein sehr vielfältiges Forschungsfeld. Margaret Rosenbergs Augenmerk liegt in diesem Bereich an der Schnittstelle zwischen magnetischer weicher und aktiver Materie. Einerseits kommt diese Kombination von magnetischen Wechselwirkungen und Aktivität in natürlichen Systemen beispielsweise in magnetotaktischen Bakterien vor. Andererseits bietet sie für medizinische und technische Anwendungen wie den aktiven Transport von Wirkstoffen oder auf Chips miniaturisierten Biolaboren interessante Perspektiven.
In theoretischen und Computermodellen können verschiedene Formen von Teilchen – vom Bakterium bis hin Magnetwürfeln – nachgebildet und studiert werden. Auf dieser Grundlage kann untersucht werden, wie Mikrostrukturen entstehen, welche Dynamiken die Teilchen haben und wie sie neue Phasen bilden.
In ihrem neuen Projekt an der HHU will Rosenberg zum einen herausfinden, wie passive magnetische Systeme durch externe magnetische Felder so aktiviert werden können, dass sie zum Beispiel auf magnetischen Oberflächen bestimmte Moleküle sortieren und transportieren. Andererseits will sie auf grundlegende Fragen eingehen, die durch die Inklusion von magnetischen Wechselwirkungen in aktiven Systemen entstehen, wie es bei den magnetischen Bakterien der Fall ist.
Rosenberg: „Dazu werde ich auch viel mit Experimentalphysikern zusammenarbeiten, um meine Simulationsmodelle mit Experimenten sowohl in Düsseldorf als auch anderen deutschen Universitäten zu vergleichen.“
Prof. Löwen ergänzt: „Die Teilchen, die Dr. Rosenberg in meiner Gruppe untersuchen will, sind besonders für technische und medizinische Anwendungen interessant. Denn sie sind über externe Magnetfelder quasi fernsteuerbar. Mit Wirkstoffen beladene Partikel können so zum Beispiel genau dorthin im Körper gelenkt werden, wo sie in einem Krankheitsherd gebraucht werden.“
Zur Person
Margaret Rosenberg (geboren 1995 in Wien) studierte Mathematik (Bachelor 2015) und Computerwissenschaften (Master 2019) an der Universität Wien. Sie promovierte ebendort 2023 im Fach Physik mit der Arbeit „Microstructure and Magnetic Response of Colloidal Magnetic Platelets“. Nach der Promotion wechselte sie 2024 an die HHU ins Institut für Theoretische Physik II zu Prof. Löwen. Dort arbeitete sie auch als Alexander von Humboldt-Forschungsstipendiatin seit Dezember 2025. Das Projekt wird im Rahmen der „Global Minds Initiative Germany" im „1.000-Köpfe-Plus-Programm" des Bundesforschungsministeriums gefördert
Dr. Rosenbergs Forschungsinteressen liegen im Bereich der computergestützten aktiven und weichen Materiephysik. Sie befasst sich mit den Eigenschaften geladener und magnetischer kolloidaler Suspensionen, mit Nichtgleichgewichtssystemen sowie dem Verhalten aktiver Partikel in komplexen Umgebungen. Dazu nutzt sie numerische Methoden der statistischen Physik, um das Verhalten solcher Systeme vorherzusagen. Sie veröffentliche bisher fünf Arbeiten (vier davon als Erstautorin) in begutachteten Zeitschriften, darunter Nanoscale, Journal of Molecular Liquids und Soft Matter.
Humboldt-Forschungsstipendien für Postdocs der Alexander von Humboldt-Stiftung
Das Humboldt‐Forschungsstipendium steht für Forschende aller Nationen und Fachgebiete offen. Unterstützt werden überdurchschnittlich qualifizierte Wissenschaftler dabei, ein Forschungsvorhaben in Deutschland zu verwirklichen. Ziel ist es, den Einstieg der Stipendiaten in eine wissenschaftliche Laufbahn zu ermöglichen.
Die Stipendiatinnen und Stipendiaten können an einer von ihnen ausgewählten Forschungseinrichtung ihr persönliches Forschungsvorhaben durchführen. Die maximal 24 Monate währende Förderung umfasst ein monatliches Stipendium und weitere Unterstützungen.
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