Multimediales Lehren und Lernen: Für Professoren und Medizinstudenten der Heinrich-Heine-Universität längst keine Zukunftsvision mehr. Statt nur Lehrbücher zu wälzen, in oftmals vollen Hörsälen zu sitzen und vereinzelt am Krankenbett stehen zu dürfen, bietet die Heinrich-Heine-Universität ab dem Wintersemester eine ganz neuartige Seminarveranstaltung an: "Multimedia in der Inneren Medizin" nennt sich das Angebot ab Oktober 1998 für alle Studierenden der Medizin im klinischen Abschnitt. Das Autoren- und Lernsystem CASUS macht s möglich.
Entwickelt wurde CASUS in einem Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Düsseldorf und München. Mit Hilfe von CASUS gelingt es, wichtige Krankheitsbilder darzustellen sowie Diagnostik- und Therapieverfahren realitätsnah zu vermitteln. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Medizinern und Informatikern an der Abteilung Endokrinologie an den Medizinischen Einrichtungen der Heinrich-Heine-Universität unter Leitung von Prof. Dr. med. Werner Scherbaum und Dr. Ing. Thomas Baehring war Voraussetzung für das Gelingen des Projekts.
Durch hochspezialisierte medizinische Fachabteilungen und stark verkürzte Liegezeiten ist die klassische medizinische Ausbildung am Krankenbett in den letzten Jahren immer schwieriger geworden. Abhilfe können zum Teil neue Unterrichtsmethoden und Medien schaffen. Bei CASUS können klinisch erfahrene Ärzte auch ohne größere Computerkenntnisse didaktisch wichtige Krankengeschichten als "authentischen Lernfall" einer großen Zahl von Studenten zugänglich machen.
Das Multimediasystem setzt sich aus klinischen Befunden, Videosequenzen mit Aufnahmen des Patienten, Daten der Krankengeschichte, Laborbefunden und z.B. Röntgenaufnahmen, EKG- oder computertomographischen Befunden zusammen. Doch im Gegensatz zum Lehrbuch wird das Lernen mit CASUS durch gezielte Rückfragen unterstützt. Will heißen: Die Studenten können per Computer zunächst ihre eigene Diagnose stellen und Therapievorschläge machen und dann per Mausklick die Expertenkommentare aufrufen. Sie können aber auch -wie im klinischen Unterricht - während der multimedialen Lernstunde zusätzliches Expertenwissen abrufen.
Konkretes Beispiel für einen "authentischen Lernfall" per Computer:
Der Student kann sich in seiner interaktiven Lernstunde die klinische Untersuchung eines Patienten mit "typischem" Krankheitsverlauf aufrufen. Die Aufnahmen wurden zuvor mit Einwilligung des Patienten per Video aufgezeichnet. Alle Bilder auf dem Monitor des Computers werden entsprechend kommentiert. - z.B. "der Patient betritt das Wartezimmer" und sofort erscheinen Aufnahmen des Kranken, damit sich der Medizinstudent auch einen "persönlichen" Eindruck machen kann.
Dann werden dem Studenten bestimmte Symptome genannt wie beispielsweise Muskelschwäche, hoher Blutdruck, Gewichtsverlust. Wie bei der klassischen Differentialdiagnostik soll er herausfinden, welche Krankheitsbilder zu den Symptomen passen. Für die Antwortabgabe stehen dem Lernenden verschiedene Verfahren zur Verfügung: Multiple-Choice, Lückentest, Unterstreichungen. Wenn der Student seine Diagnose gestellt hat, drückt er den OK-Knopf auf der Navigationsleiste und die Expertenkommentare mit den richtigen Antworten erscheinen.
Autoren der Lernfälle sind medizinische Experten. Das heißt, Professoren und ihre Mitarbeiter geben Fälle aus ihrer Praxis in das Autorensystem CASUS ein und erstellen somit ein fallorientiertes Lernprogramm. Nur diesmal eben nicht für die Vorlesung, sondern für den interaktiven Auftritt per Computer.
Das Team aus Ärzten, Informatikern und Pädagogen hat für CASUS Programmwerkzeuge entwickelt, damit sich die Lernfälle mit geringem Aufwand und ohne Programmierkenntnisse erstellen lassen. Die Entwicklung von CASUS wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), den Ländern NRW, Bayern, Sachsen und der Bosch-Stiftung mit rund einer Million DM gefördert.
Entwicklung von ProMediWeb
Um CASUS-Fälle über das Internet abspielen und bearbeiten zu können, wird derzeit an der Entwicklung von ProMediWeb gearbeitet. ProMediWeb steht für: Problemorientiertes Lehren und Lernen in der Medizin unter Nutzung des World Wide Web. Dieses Projekt wird vom DFN-Verein (Deutsches Forschungsnetz e.V.) und dem BMBF mit 900.000 DM und dem NRW-Ministerium für Wissenschaft und Forschung mit 400.000 DM gefördert. Ziel: Das fallorientierte Lernsystem ProMediWeb soll deutschlandweit für die medizinische Studentenausbildung bereitgestellt werden. Dafür werden netzgestützte Techniken des Lernens sowie Werkzeuge für die Erstellung von Lernfällen entwickelt und angewendet. Die in ProMediWeb entwickelten didaktischen Techniken und Werkzeuge können über die Medizin hinaus in anderen, fallorientierten Wissensdomänen angewendet werden.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Werner Scherbaum: 0211 / 33 82 200
Dr. Ing. Thomas Baehring: 0211 / 81 - 11370
www.uni-duesseldorf.de/WWW/ProMediWeb/
Neuartige Seminarveranstaltung 'Multimedia in der Inneren Medizin'
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