(...) "Mein liebes Kind! in welchem Land Läßt sich am besten leben? Hier oder in Frankreich? Und welchem Volk Wirst du den Vorzug geben?"
"Die deutsche Gans, lieb Mütterlein, Ist gut, jedoch die Franzosen, Sie stopfen die Gänse besser als wir, Auch haben sie bessere Saucen." (...)
Soweit Heinrich Heine zum Thema Deutschland / Frankreich. Die Ironie als Stilmittel, das Verhältnis zweier Nationen zu beschreiben? Texte des Namenspatrons der Düsseldorfer Universität sind hier sicher eine Fundgrube.
Das Forschungsprojekt "Europäisches Gedächtnis, Alterität und nationale Geschichtsschreibung. Alte und neue Speicher" ist an der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität interdisziplinär angelegt. Es wird finanziert durch das Ministerium für Wissenschaft und Forschung Nordrhein-Westfalen im Rahmen des "Innovationsprogramm Forschung". Angelegt ist das Projekt zunächst für drei Jahre. Begonnen hat es im April 1998, Förderungssumme dieses Jahr: 150.000 DM.
Beteiligt sind die Fächer Romanistische Literaturwissenschaft, Geschichte und Germanistik. Die Forschergruppe besteht aus acht Wissenschaftlern unter der Leitung von Prof. Vittoria Borso (Romanisches Seminar I), Prof. Dr. Bernd Witte (Germanistik II) und Prof. Dr. Gerd Krumeich (Historisches Seminar II). Die Projektkoordination übernimmt Susanne Stemmler (Romanisches Seminar I).
Ziel des Projektes ist die Revision des gängigen Nationalbegriffes: weg von einer Definition durch Abgrenzung, hin zu einer Identitätsbestimmung durch ein "gemeinsames europäische Gedächtnis". Objekt der Forschung ist der kulturelle Transfer zwischen Deutschland, Frankreich und Spanien. Der zu untersuchende Zeitraum umfaßt die Krisenjahre um 1870 (deutsch-französischer Krieg), die Zeit nach dem 1. Weltkrieg und die neuesten Entwicklungen seit 1989 (Fall der Mauer, Neuordnung im Osten Europas, Zerfall des kommunistischen Staatensystems). Neben den traditionellen werden auch elektronische Medien untersucht.
Das Projekt gewinnt seine Brisanz durch die Wahl der zu behandelnden Epochen: Es geht von der Feststellung aus, daß in Krisen internationaler Beziehungen die literarische Abgrenzung der Nation vom Fremden als Mittel zur nationalen Verfestigung eingesetzt wurde. Die Geschichtsschreibung erfolgte auf der Basis des nationalen Vorverständnisses, der wechselseitige literarische Transfer zwischen den Nationen diente jedoch gerade als Hilfsmittel zum eigenen Nationalbewußtsein. Damit will das Projekt entgegen der bisherigen Gepflogenheit der nationalen Geschichtsschreibung ein gesamtes europäisches Gedächtnis ins Bewußtsein bringen.
Das Forschungsvorhaben steht im Zeichen der Interdisziplinarität: sowohl historische Quellen, journalistische Texte als auch literarische Werke werden zur Erarbeitung eingesetzt. Die Ergebnisse sollen in traditioneller und in Form von neuen Medien (Hypertext, Internet, etc.) veröffentlicht werden.
Für weitere Informationen: Prof. Dr. Vittoria Borso, Tel. 0211/81-12558; Susanne Stemmler, Tel. 0211/81-12981
Forschungsprojekt zur europäischen Literatur Nationalbewußtsein durch literarischen Transfer?
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