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Psychiatrie
Netzwerk für Schizophrenie geplant

Sie ist die teuerste psychische Krankheit überhaupt. Ein Prozent der deutschen Bevölkerung leidet an ihr, 10 bis 15 Prozent der Patienten sterben durch Selbstmord. Vor dem Hintergrund der enormen Behandlungskosten und besserer Therapiemethoden ist nun das "Kompetenznetzwerk Schizophrenie" geplant. Auch die Düsseldorfer Psychiatrie entwickelte ein Konzept.

Sie ist die teuerste psychische Krankheit überhaupt. Ein Prozent der deutschen Bevölkerung leidet an ihr, 10 bis 15 Prozent der Patienten sterben durch Selbstmord: Schizophrenie. Vor dem Hintergrund der enormen Behandlungskosten und besserer Therapiemethoden ist nun ein Verbund von Klinikern, Patientenorganisationen und Forschern geplant, das "Kompetenznetzwerk Schizophrenie". Jährlich sollen hier fünf Millionen Mark zur Verfügung stehen.

Ins Leben gerufen hat das Projekt das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF), insgesamt beteiligten sich an der Ausschreibung 155 Antragsteller, 14 Konzepte wurden für den Hauptantrag zugelassen, darunter auch das von Prof. Dr. Wolfgang Gaebel (Psychiatrische Klinik der Heinrich-Heine-Universität). Im Januar 1999 entscheidet ein Gutachtergremium.

Gaebel, seit 1992 Direktor der Düsseldorfer Psychiatrie, entwickelte ein Modell auf mehreren Ebenen. Die "horizontale Vernetzung" umfaßt den wissenschaftlichen Bereich und die Schizophrenie-Forschung, die "vertikale Vernetzung" alle Personenkreise und Einrichtungen, die an der Krankenversorgung beteiligt sind. Die Projektkoordination soll in Düsseldorf liegen.

Hauptziele des Verbundes sind einmal die Früherkennung und Prävention der Krankheit, weiterhin die Therapie und Rehabilitation. Schizophrenie tritt meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf und hat einen "Vorverlauf". Für den Hausarzt ist die Krankheit im Regelfall aber schwer festzustellen. Gaebel plant deshalb, auch bald für Düsseldorf ein Früherkennungszentrum aufzubauen. "Wir werden uns auch dafür einsetzen, der Schizophrenie durch Informationsveranstaltungen ihre Stigmatisierung in der Öffentlichkeit zu nehmen. Für viele ist Schizophrenie immer noch gleichbedeutend mit dem Irresein schlechthin. Dabei handelt es sich in erster Linie um eine Störung der Hirnfunktion", so der Klinikdirektor.

Schizophrenie ist seit langem ein Forschungsschwerpunkt in der Düsseldorfer Psychiatrie, 30 Prozent der Patienten der Klinik haben dieses Krankheitsbild. Das geplante Netzwerk sieht eine Kooperation mit der Ludwig-Maximilian-Universität München vor, Prof. Dr. Hans-Jürgen Möller, Leiter der Psychiatrischen Klinik, zeichnet mit Prof. Gaebel für den Projektantrag verantwortlich. Als weitere Partner sind Fachgesellschaften, Patienten- und Angehörigenorganisationen sowie Forschungsabteilungen von Pharma-Unternehmen vorgesehen. Für die Erarbeitung des Konzeptes wurden vom BMBF 50.000 Mark zur Verfügung gestellt.

Für weitere Informationen: Prof. Dr. Wolfgang Gaebel, Psychiatrische Klinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf - Rheinische Landesklinik -, Tel. 0211 / 922-2000; Dr. Wolfgang Woelwer, Tel. 0211 / 922-2020

Autor/in: Rolf Willhardt
Kategorie/n: Pressemeldungen