Barz versammelt in seinem Band eine Vielzahl von Originaltexten deutscher und internationaler Forscher, die sich schon vor der Wende zum 20. Jahrhundert kritisch mit Kochs Forschung und vor allem mit dem von ihm entwickelten Impfstoff Tuberculin auseinandergesetzt haben. So wurde Kochs Ansatz bereits zu seinen Lebzeiten von führenden Medizinern kritisiert, die jedoch systematisch als Fortschrittsfeinde diffamiert wurden.
Barz untersucht, wie Robert Koch den eindeutigen Misserfolg des einzigen von ihm jemals neu präsentierten Heilmittel unbeschadet überstehen konnte, so dass sein Weltruhm als Mediziner bis heute ungebrochen scheint.
Heiner Barz: „Je intensiver man sich in Kochs Leben und seine wissenschaftlichen Erfolge vertieft, umso mehr irritierende Dinge treten zu Tage. Man fragt sich ein ums andere Mal: War es Nachlässigkeit oder Vergesslichkeit? War es Selbsttäuschung? War es fehlendes Unrechtsbewusstsein, weil es ja einem vermeintlich guten Zweck diente? – War es gar Betrug? – Oder war Koch nur das Opfer der übertriebenen Erwartungen seiner Zeitgenossen, ihrer Missverständnisse und Fehldeutungen? Wurde er von der Politik instrumentalisiert?“
Der Band „Robert Koch jenseits des Mythos. Die Argumente seiner Kritiker in Originaltexten“ ist bei Springer erschienen, 195 Seiten, 22,99 Euro.