Eindringlich warnte sie vor weltweiten Angriffen auf die Freiheit von Forschung und Lehre und machte deutlich: „Wo wissenschaftliche Erkenntnisse politisch kontrolliert oder gezielt diskreditiert werden, steht mehr auf dem Spiel als einzelne Forschungsprojekte – nämlich die Demokratie selbst.“
„Ohne freie Wissenschaft keine Demokratie“, so ihre Kurzformel, die auf aktuelle Entwicklungen insbesondere in den USA verwies. Dort geraten Forschungsfelder unter politischen Druck, werden Mittel gestrichen und Inhalte ideologisch überprüft. Die Folgen reichten weit über nationale Grenzen hinaus, denn Wissenschaft lebe vom internationalen Austausch und vom offenen Streit der Argumente unabhängig von politischer Opportunität oder Ideologie.
Zugleich machte sie deutlich, dass auch Europa und Deutschland nicht immun gegen solche Tendenzen sind. Versuche politischer Einflussnahme, subtile Formen der Einschüchterung und gezielte Desinformation könnten auch hierzulande das Vertrauen in Wissenschaft und demokratische Institutionen untergraben.
Vor diesem Hintergrund rief Steinbeck die Hochschulen dazu auf, Haltung zu zeigen, wenn demokratische Grundwerte infrage gestellt werden. Als Orte der Erkenntnis, aber auch der Wertevermittlung müssten sie Verantwortung für demokratische Resilienz übernehmen. Daran hindere sie auch nicht das sogenannte Neutralitätsgebot. „Neutral heißt nicht wegducken“, so die Rektorin. Im Gegenteil seien alle Mitglieder der Universität zur Verfassungstreue verpflichtet und die Leitung der HHU werde sich „nicht durch ein falsch verstandenes Neutralitätsgebot davon abhalten lassen, diese Demokratie aktiv zu verteidigen.“ – ein Satz, der besonders großen Beifall hervorrief.
Um Wissenschaft und Demokratie zu schützen, brauche es Vertrauen, Verantwortung und Solidarität. Vertrauen in gute wissenschaftliche Praxis müsse durch Transparenz, Dialog und verständliche Wissenschaftskommunikation gestärkt werden. Verantwortung bedeute, Studierende zu kritischem Denken und demokratischem Handeln zu befähigen. Und Solidarität sei notwendig, damit Hochschulen Angriffen nicht vereinzelt, sondern geschlossen entgegentreten.
Ihr Appell zum Abschluss: Wissenschaftsfreiheit dürfe nicht als Privileg einer akademischen Elite verstanden werden, sondern als Fundament einer offenen Gesellschaft. „Wenn wir wollen, dass unsere Gesellschaft auch in Zukunft resilient ist, dann müssen wir die Wissenschaft jetzt stärken – mit aller Kraft, die wir haben.“
Die Rektorin blickte auch auf die HHU im vergangenen Jubiläumsjahr zurück. Sie erinnerte an den beeindruckenden Auftritt von Gastprofessorin Charlotte Knobloch und an wissenschaftliche Erfolge: die Verlängerung des Exzellenzclusters CEPLAS um weitere sieben Jahre sowie das erfolgreiche Abschneiden im bundesweiten „Startup-Factories“-Wettbewerb, durch das ein hochschulübergreifendes Startup-Zentrum errichtet werden konnte, welches technologisch innovative Gründungen im Rheinland fördert. Im Oktober 2025 startete zudem das Lehrprojekt CoLab und damit ein neuer Prozess zur co-kreativen Entwicklung von Studienprogrammen; im Mittelpunkt stehen sogenannte Future Skills. Hinzu kamen weitere große Erfolge, darunter die Einwerbung einer zweiten Alexander-von-Humboldt-Professur und die landesweite Spitzenposition der HHU mit 476 Deutschlandstipendien.