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Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Pflanzengenetiker Prof. Dr. Korbinian Schneeberger zum W3-Professor an der HHU ernannt

Heute ernannte Prof. Dr. Anja Steinbeck, Rektorin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU), Prof. Dr. Korbinian Schneeberger zum W3-Professor für Nutzpflanzenbiologie. Er ist Experte für die Entschlüsselung komplexer Pflanzengenome und die Nutzung genetischer Diversität für die Züchtung zukunftsfähiger Kulturarten.

Portraitfoto Prof. Dr. Korbinian Schneeberger vor grünem Hintergrund Zoom

Prof. Dr. Korbinian Schneeberger wurde am 10. Dezember 2025 zum W3-Professor für Nutzpflanzenbiologie an der HHU ernannt. (Foto: Martina Kirsch – isarblicke)

Die Kartoffel ist ein wichtiges Grundnahrungsmittel für Milliarden von Menschen. Trotz ihrer großen Bedeutung für die Welternährung wurde sie in den vergangenen 150 Jahren züchterisch nur wenig weiterentwickelt. Dies liegt nicht zuletzt an ihrem komplexen, tetraploiden Genom: Kartoffeln besitzen vier komplette Chromosomensätze, der Mensch beispielsweise nur zwei. Entsprechend schwierig ist es, tetraploide Organismen durch Züchtung gezielt zu verändern, da bei ihnen weitaus mehr genetische Kombinationen auftreten können.

Prof. Schneeberger verstehen wie sich Pflanzen und ihr Erbgut über die Zeit verändern und wie ihnen diese evolutionären Prozesse helfen, um Herausforderungen einer sich wandelnden Welt besser standzuhalten. Dafür setzt er moderne genetische und genomische Methoden ein, um die genetische Vielfalt in Kulturpflanzen zu charakterisieren. So will er die molekularen Mechanismen entschlüsseln, die Diversität entstehen lassen.

Seinem Forschungsteam gelang es bereits, mithilfe einer in seiner Gruppe entwickelten Methode durch Analyse einzelner Pollenkörner, das Kartoffelgenom vollständig zu entschlüsseln. Darauf aufbauend erstellten sie das erste sogenannte Pan-Genom der europäischen Kartoffel, das die Gesamtheit aller Gene in allen Kartoffeln beschreibt – sowohl diejenige, die in allen Individuen vorkommen, als auch solche, die nur in wenigen oder einzelnen Individuen auftreten. 

Neben der Kartoffel beschäftigt sich Prof. Schneeberger auch mit vergessenen Nutzpflanzen, die ein großes Potenzial für eine diversere und nachhaltigere Ernährung besitzen. Dazu gehört die Knollen-Platterbse, auch Aardaker (Lathyrus tuberosus) genannt. Diese heimische, proteinreiche Knollenpflanze kann in Symbiose mit Mikroorganismen ihren Stickstoff selbst fixieren und so auch zur Verbesserung von Böden beitragen. Schneeberger: „Das große Potential dieser proteinreichen Knollenpflanzen ist so einzigartig, dass wir beschlossen haben, dazu beizutragen, dass sie zurück auf unsere Teller findet. Langfristig versuchen wir, die noch wilde Knollen-Platterbse zu einer Nutzpflanze zu entwickeln, die ähnlich vielseitig einsetzbar sein wird wie die Kartoffel.“ Seine Arbeitsgruppe analysiert derzeit die genetische Vielfalt, Proteinqualität und Stickstofffixierung der Pflanze und bereitet erste Freilandversuche vor.

Ein weiteres Forschungsfeld ist die Modellpflanze Arabidopsis thaliana. An ihr untersucht das Team grundlegende Mechanismen von Rekombination und Mutation untersucht, die beiden fundamentalen Prozesse, die genetische Diversität erzeugen.

Zur Person

Korbinian Schneeberger (geboren 1977 in München) studierte Medizin und Bioinformatik an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Er promovierte 2011 im Bereich Bioinformatik an der Universität Tübingen über neue Technologien zur Genomsequenzierung von Arabidopsis. Seit 2010 ist er Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln, 2019 wurde er Professor an der LMU. Zum 1. Januar 2026 wurde er zum W3-Professor im Department Biologie der HHU berufen. Zugleich wird er seine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut in Köln weiter leiten. 

In seinen Forschungen konzentriert sich Schneeberger auf innovative Methoden zur Charakterisierung von genetischer Diversität. Er veröffentlichte über 100 Artikel in internationalen Wissenschaftszeitschriften wie Nature, Science und Nature Genetics. Er erhielt sowohl einen ERC Starting Grant als auch einen ERC Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrats.

Autor/in: Arne Claussen
Kategorie/n: Neuberufene, Schlagzeilen, Pressemeldungen, Math.-Nat.-Fak.-Aktuell