Phagen sind spezielle Viren, die es auf Bakterien abgesehen haben. Sie dringen in Bakterien ein, nutzen sie für die eigene Vermehrung und zerstören sie damit. Damit sind Phagen auch potenzielle Kandidaten für den Kampf gegen pathogene Bakterien.
Prof. Frunzke untersucht mit ihrer Arbeitsgruppe, wie die Phagen mit den Bakterien, die sie infizieren wollen, wechselwirken. Prof. Frunzke: „Wir versprechen uns daraus grundlegend neue Erkenntnisse über das bakterielle Immunsystem. Darauf aufbauend können innovative Anwendungen in der synthetischen Biologie und Biotechnologie entwickelt werden.“ Beispiele wie die „Genschere“ CRISPR/Cas oder Restriktionsenzyme zeigen das erhebliche Anwendungspotential von Komponenten des bakteriellen Immunsystems.
Darüber hinaus interessieren sich Frunzke und ihre Mitarbeitenden für den Aufbau und die Dynamik komplexer Regulationsnetzwerke, die es Mikroorganismen ermöglichen, sich an eine ständig verändernde Umgebung anzupassen. Wichtig dabei ist auch die Kommunikation zwischen den Bakterien, die sich so gegenseitig bei der Nährstoffversorgung unterstützen oder schützen. Mit diesen Forschungen beteiligt sich die Arbeitsgruppe am Sonderforschungsbereich SFB 1535 MibiNet "Microbial networking – from organelles to cross-kingdom communities" der HHU.
Zur Person
Julia Frunzke (geboren 1980 in Lich) studierte Biologie an der Philipps-Universität Marburg (Diplom 2004). Sie promovierte 2007 mit der Arbeit „Control of iron homeostasis in Corynebacterium glutamicum by a hierarchical regulatory network“ an der HHU. Als Postdoc ging sie zunächst an die ETH Zürich, 2011 wurde sie Helmholtz-Nachwuchsgruppenleiterin am Forschungszentrum Jülich. Im Jahr 2013 wurde sie zur Juniorprofessorin, im Jahr 2017 dann zur W2-Professorin an der HHU ernannt. Im Oktober 2025 erhielt sie die Ernennung zur W3-Professorin für Mikrobielle Interaktion an der HHU.
Prof. Frunzke will grundlegend neue Erkenntnisse über das bakterielle Immunsystem gewinnen, indem sie die Wechselwirkung zwischen Bakterien und Phagen erforscht. Darüber hinaus untersucht sie den Aufbau und die Dynamik komplexer mikrobieller Regulationsnetzwerke. Frunzke veröffentlichte zahlreiche Artikel in begutachteten Forschungszeitschriften wie mBio, Nature Microbiology und PNAS. Sie erhielt einen ERC Starting Grant für das Projekt „Pro_Phage“ des Europäischen Forschungsrats. Sie ist Sprecherin des DFG-Schwerpunktprogramms SPP 2330 „New concepts in prokaryotic virus-host interactions“ und Ko-Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1535 „MibiNet“ an der HHU.