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Internationaler Historiker-Kongreß:
'Versailles - nach 80 Jahren'

Der Vertrag von Versailles beendete den Ersten Weltkrieg. Und schuf einen Mythos, der bis heute Nachwirkungen hat. Vom 28. bis 30. Juni findet in Düsseldorf eine internationale Tagung zum Thema "Versailles - nach 80 Jahren" statt.

"Das Wort ,Schandfrieden' hängt immer noch in den Köpfen, keine Frage." 80 Jahre, nachdem im Spiegelsaal von Schloß Versailles der Mammutvertrag zwischen den Kriegsgegnern des Ersten Weltkrieges unterzeichnet wurde, ist für den Düsseldorfer Historiker Prof. Dr. Gerd Krumeich klar: der Mythos lebt, die Schlagworte von damals ("Schmach", "Erfüllungspolitiker", "Dolchstoß") sind nach wie vor in der Diskussion. Eine Tagung in Düsseldorf (28. bis 30. Juni), zu der 40 Fachreferenten erwartet werden, will hier mehr Klarheit in die historischen Kontroversen bringen. Es ist die einzige wissenschaftliche Großveranstaltung zum Jahrestag in Deutschland.

"Es geht uns nicht um Einzelaspekte, sondern eher um die Rezeptionsgeschichte", erklärt der Militärhistoriker. "Versailles ist sicher eines der wichtigsten Ereignisse dieses Jahrhunderts." Die historische Betrachtung von Friedensstrategien erhält in Europa gerade mit Blick auf die jüngste politische Entwicklung auf dem Balkan besondere Bedeutung. Die neu aufgebrochenen Nationalitätenkonflikte führen unweigerlich den Blick zurück auf die Friedensregelungen von 1919/20. "Versailles", so Krumeich, " war über die Jahrzehnte hinweg immer Stein des Anstoßes. Die Historiker sind sich einig, daß dieser Vertragsschluß grundlegend geblieben ist für die Unfähigkeit Europas, nach dem Ersten Weltkrieg einen dauerhaften Frieden zu finden."

Gerade in der Weimarer Republik wurde der Vertrag als "Schand-" und "Diktat-Frieden" vehement bekämpft. Krumeich: "Noch bis in die jüngere Zeit hat auch die Geschichtsforschung das Vertragswerk als wesentlichen Grund für die Krise der Demokratie in Westeuropa, für die Nationalitätenkonflikte in Ost- und Mitteleuropa und den Aufstieg der radikalen Protestbewegung des Nationalsozialismus bewertet. Hitler nannte in vielen seiner Reden den Kampf gegen ,Versailles' als wesentlichen Antrieb seiner Bewegung."

"Versailles" steht somit als Chiffre für politisches Unrecht, Versagen und Scheitern. Die Leitfrage der Düsseldorfer Tagung lautet "Was ist in 80 Jahren aus dem Phänomen ,Versailles' gemacht worden?", so der Historiker. "Es geht nicht um Spezialforschung zu Einzelthemen, sondern um die politische, historische und kulturelle Gesamtbedeutung des Mythos." Welcher Stellenwert der Tagung beigemessen wird, zeigt der Redner des Eröffnungsvortrages am 28. Juni: Ex-Bundesminister Egon Bahr spricht aus der Sicht des mitgestaltenden Politikers und Zeitzeugen über aktuelle Friedensstrategien zum Ende des Jahrhunderts.

Die Veranstaltung hat vielfältige Unterstützung gefunden: Gelder kommen von der Hamburger Reemtsma-Stiftung, der französischen Botschaft und dem Institut Francais: Die Simultanübersetzung (Tagungsort: Vortragssaal der Universitäts- und Landesbibliothek) ermöglicht die Bundeswehr. Parallel zur Konferenz findet im Foyer der Bibliothek eine Ausstellung mit Dokumentationsmaterial zum Thema statt: Historische Plakate, Broschüren und Fotos lassen den Mythos "Versailles" anschaulich werden.

Für weitere Informationen: Silke Fehlemann, Tel. 0211 / 81 - 1 40 84; e-mail: fehlemas(at)phil-fak.uni-duesseldorf.de; Internet: http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/versailles/

Autor/in: Rolf Willhardt
Kategorie/n: Pressemeldungen