In seiner Schrift "Mein Kampf" hatte Adolf Hitler die Juden als unfähig zu kulturschöpferischer Tat diffamiert. Alles Jüdische sei zersetzend und zerstörerisch. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme gab es dann auch allerorten genügend "willfährige Helfer", um Juden auf allen Ebenen des kulturellen Lebens auszuschalten und sie zum Verlassen Deutschlands zu zwingen. Nur wenige konnten im Exil ihren beruflichen Weg fortsetzen oder eine neue Existenz aufbauen, für viele bedeutete es Abbruch der Karriere und sozialen Abstieg.
Düsseldorf war als rheinische Großstadt in den 20er und zu Beginn der 30er Jahre ein Kristallisationspunkt von Wissenschaft und Kunst, und zwar zu einem Gutteil durch zahlreiche Menschen jüdischer Herkunft, die etwa in den avantgardistischen Düsseldorfer Künstlervereinigungen, an den Düsseldorfer Theatern oder an der Medizinischen Akademie wirkten. Ihre Flucht und Vertreibung hat die kulturelle Landschaft der Stadt verarmt und verödet. Es wurde dadurch eine Lücke gerissen, die nach 1945 nicht wieder geschlossen werden konnte, denn kaum einer von ihnen kehrte wieder zurück.
Aus einer gemeinsam vom Historischen Seminar der Heinrich-Heine-Universität (Lehrstuhl für Neuere Landesgeschichte und Neueste Geschichte) und der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf durchgeführten Tagung im Februar 1998 ging nun das Buch hervor. Es trägt den Titel "Vertreibung jüdischer Künstler und Wissenschaftler aus Düsseldorf", Herausgeber sind Kurt Düwell, Angela Genger, Kerstin Griese und Falk Wiesemann. Es hat 244 Seiten, erschien im Droste-Verlag Düsseldorf und kostet 39,80 DM.
Es werden einerseits die Schicksale einzelner Personen im Zeichen von Verfolgung und Exil erzählt: des Graphikers Fritz Lewy (der in den 20er Jahren für den "Westdeutschen Rundfunk" arbeitete), des Historikers Wilhelm Levison oder der Kinderarzt-Familie Eckstein-Schlossmann.
Die beiden Politologen John Herz (heute 90jährig in den USA lebend) und der in diesem Jahr verstorbene Ossip K. Flechtheim haben als Studenten Düsseldorf verlassen müssen.
Andererseits wurden auch kollektive Biographien erstellt: von Menschen, die als Bildende Künstler, Theaterkünstler, Musiker oder Ärzte mit Düsseldorf verbunden waren. In den meisten Beiträgen des Buches wird bislang unveröffentlichtes Bildmaterial aus Privatbesitz präsentiert.
Gefördert wurde das Projekt durch das Ministerium für Schule, Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW sowie durch die Anton-Betz-Stiftung der Rheinischen Post.
Jüdische Künstler und Wissenschaftler Vom Rheinland ins Exil
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