Am Anfang war eine Uni-Fete. Mit Rock, Jazz und Blues. Und mit einem Klavierquintett von Mozart. Womit damals niemand gerechnet hatte: Die Klassik wurde zum Knüller des Abends, die "open-house"-Veranstaltung des AStA war die Geburtsstunde eines Kammerensembles, das schon bald zum Universitätsorchester wuchs.
Mittlerweile sind zehn Jahre vergangen, die "Feuertaufe" des ersten Symphoniekonzertes in der Mensa im Sommer 1988 ist längst Legende, 800 Besucher jubelten bei der Premiere. Auf dem Programm damals: Mozarts Klavierkonzert in d-moll, KV 466, Solist war der Medizinstudent Gerhard Däublin, der zusammen mit seinem Kommilitonen Romanus Röhnelt die ersten organisatorischen Hürden für das Orchester nahm. Unkonventionelle und unbürokratische Hilfe kam in dieser Anfangsphase von den Profi-Kollegen aus der Tonhalle: die Düsseldorfer Symphoniker stellten ihr Notenmaterial zur Verfügung.
Schwierigkeiten bereitete zunächst die musikalische Leitung. Die Studenten beherrschten zwar ihre Instrumente, aber mit dem Taktstock war niemand so recht vertraut. Das Problem löste sich jedoch im Winter 1988, als die damals 21jährige Musik- und Mathematikstudentin Silke Löhr aus Köln das Dirigat übernahm. Sie führt das Orchester bis heute.
Mit den Jahren wurde das Ensemble fester Bestandteil des Düsseldorfer Campus-Lebens. Pro Semester werden drei große Stücke aufgeführt, das Repertoire umfaßt fast 100 Werke der großen symhonischen Literatur, bei den Programmen ist jeweils ein Stück ein Solokonzert. Neben den Klassikern gibt es aber immer auch, gerade als Zugaben, "Ohrwürmer" der anderen Art. Ein beliebter "Reißer" ist zum Beispiel die Titelmelodie der "Miss Marple"-Filme, die eigens für das Orchester umarrangiert wurde. Und natürlich hat das Studentenensemble auch die "Akademische Festouvertüre" von Johannes Brahms im Repertoire.
Neben den Konzerten auf dem Campus unternimmt das Orchester jährlich eine Konzertreise ins Ausland und ist damit zum "musikalischen Botschafter" der Heinrich-Heine-Universität geworden. Bei vielen Veranstaltungen und Festlichkeiten der Hochschule sorgt das Ensemble (auch in kammermusikalischer Besetzung) für den künstlerischen Rahmen.
Seit dem Premierenjahr 1988 gibt es einen Förderverein des Orchesters, der finanzielle und administrative Hilfe leistet.
Das Universitätsorchester erreichte schon bald eine solche Popularität auf dem Campus - gerade auch bei musizierenden Studenten -, daß eine Warteliste eingerichtet werden mußte. Im Laufe der Zeit beendeten mehr und mehr Orchestermitglieder der Gründergeneration ihr Studium und blockierten Plätze. Die Warteliste wurde länger und länger. Die Lösung: ein neues Orchester! So entstanden 1993 die "Heinrich-Heine-Symphoniker", ein Ensemble von Ehemaligen, die alters-, berufs- oder studienbedingt aus dem Universitätsorchester ausgeschieden waren.
Einen Schwerpunkt sieht das Orchester für die Zukunft in der Zusammenarbeit mit dem Unichor, der ebenfalls von Heike Löhr geleitet wird. 1994 hatten beide Klangkörper das "Requiem" von Garbiel Faure aufgeführt und so eine fruchtbare Kooperation begonnen. Bald folgten Puccinis "Messa di Gloria" und Bachs "Weihnachtsoratorium". Einem größeren Publikum stellen sich Orchester und Chor regelmäßig bei diversen Konzerten in den Konzertsälen und Kirchen der Stadt vor, etwa beim Altstadtherbst.
Seit 1991 ist das Orchester dazu übergegangen, die Konzerte auf jeweils zwei Abende zu legen: der Andrang auf dem Campus ist so riesig, daß die Plätze in Hörsaal 3A nicht ausreichen. Die besondere Atmosphäre der Konzerte tut dabei ein übriges.
Rektor Prof. Dr. Gert Kaiser: "Das Universitätsorchester ist längst Bestandteil unserer Campus-Kultur geworden. Nicht als akustische Dekoration diverser Festlichkeiten, sondern als ungemein vitaler Teil akademischen Lebens und studentischer Kreativität."
Am Donnerstag, 18. Juni, und Freitag, 19. Juni, finden jeweils um 20.00 Uhr die Jubiläumskonzerte statt (Hörsaal 3H), auf dem Programm stehen Mahlers symphonische Dichtung "Totenfeier" und die beliebtesten Zugaben aus zehn Jahren, u.a. der "Säbeltanz", der "Kaiserwalzer und der "Can-Can". Und auch "Miss Marple" darf natürlich nicht fehlen.
Zehn Jahre Uni-Orchester Von Mahler bis 'Miss Marple'
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