300.000 Bundesbürger sind querschnittsgelähmt, jährlich kommen 6.000 neue Fälle hinzu. "Wir können Lahme noch nicht wieder gehen machen", sagt Prof. Dr. Hans Werner Müller (Neurologische Klinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf), "aber wir stoßen gerade eine Tür auf!" Zusammen mit seiner Kollegin Dr. Christine Stichel-Gunkel hat der Neurobiologe jetzt ein Verfahren patentieren lassen, das den Weg aufzeigt, die Regeneration des verletzten zentralen Nervensystems zu verbessern. Fernziel: eine Substanz zu finden, die später bei Hirn- und Rückenmarksverletzungen als Medikament eingesetzt wird. Im Tierexperiment waren die Düsseldorfer Forscher bereits erfolgreich.
Verletzungen des zentralen Nervensystems rufen bei Menschen unter 50 Jahren mehr Todesfälle und Behinderungen hervor als jede andere neurologische Erkrankung. "Die Ursache für diese verheerenden Schäden liegt in der Unfähigkeit zentralnervöser Zellen, sich zu regenerieren", erklärt Prof. Müller. "Die Frage also war, warum dies nicht geschieht. Warum baut sich das verletzte Rückenmark nicht wieder auf? Und wie werden die Zellen daran gehindert, alte Verknüpfungen wiederherzustellen? Wer verhindert das?"
Seine Kollegin Dr. Stichel-Gunkel fand heraus, daß Narbengewebe im Verletzungsgebiet die Regeneration hemmt. Entscheidend ist die "Basalmembran", eine zentrale Struktur dieser Läsionsnarbe im Körper.
Im Tierexperiment (Rattengehirn) ließ sich zeigen, daß es einen Weg gibt, die Ausbildung dieser scheinbar undurchdringlichen Basalmembran zu unterdrücken. Die Erfindung beruht auf der Verwendung synthetisch-pharmakologischer Moleküle bzw. Antikörper und stimuliert tatsächlich die Regeneration der verletzten Nervenfasern.
Einen zeitlichen Rahmen für die klinische Anwendung können die beiden Düsseldorfer Neurobiologen noch nicht benennen, "noch sind wir in der Phase des Tierexperiments". Beide arbeiten im Forschungsschwerpunkt " Molekulare Grundlagen neuraler Reparaturmechanismen" und im Sonderforschungsbereich 194 ("Strukturveränderung und Dysfunktion im Nervensystem", Sprecher: Prof. Dr. Hans-Joachim Freund, Neurologische Klinik der Heinrich-Heine-Universität), finanziert aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Dr. Stichel-Gunkel ist Heisenberg-Stipendiatin. Eng arbeiten die Neurobiologen mit ihren Düsseldorfer Universitäts-Kollegen Prof. Dr. Heiko J. Luhmann (Institut für Neuro- und Sinnesphysiologie) sowie Prof. Dr. Hans-Georg Hartwig (Anatomie) zusammen.
Das Interesse an ihren aufsehenerregenden Forschungen ist groß: Auf der letzten Erfindermesse NRW, wo die 40 innovativsten Projekte des Landes präsentiert wurden, blieb NRW-Wissenschaftsministerin Anke Brunn längere Zeit am Stand der beiden Düsseldorfer und informierte sich über das Patent mit dem Titel "Methode zur Verbesserung der neuronalen Regeneration nach Verletzungen des Zentralnervensystems".
Für weitere Informationen: Prof. Dr. Hans Werner Müller, Tel. 0211-81-18410
Neurobiologen entwickelten Patent 'Wir stoßen gerade eine Tür auf!'
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