Die drupa-Preisträgerin des Jahres 1998 heißt Simone Roggenbuck. Die Wissenschaftlerin erhielt heute die Auszeichnung für ihre Dissertation mit dem Titel "Saussure und Derrida. Sprachwissenschaft und Philosophie". "Was sie vorlegt, ist eine exzellente, fast durchgängig brillante Arbeit", würdigte Prof. Dr. Peter Wunderli vom Romanischen Seminar der Heinrich-Heine-Universität die Arbeit der 32jährigen.
Der drupa-Preis hat eine lange Tradition; bereits seit zwei Jahrzehnten unterstützt und fördert die Messe Düsseldorf als Veranstalterin der drupa - internationale print media messe - junge Wissenschaftler und finanziert mit dem drupa-Preis die Druckkosten der Dissertation. Überreicht wurde die Urkunde heute durch den drupa-Präsidenten, Albrecht Bolza-Schünemann (Vorsitzender des Vorstandes der KBA-Planeta), im Düsseldorfer Palais Wittgenstein.
Die Frage nach dem sprachlichen und wissenschaftlichen Sinn steht im Mittelpunkt der Arbeit von Sabine Roggenbuck - und damit ist die Dissertation gleichzeitig von höchster Bedeutung für die Diskussion in der wissenschaftlich orientierten Öffentlichkeit Deutschlands, Frankreichs und den USA.
Der Dekonstruktivismus und seine Leitfigur, der Philosoph Jacques Derrida (Jahrgang 1930), stehen in dieser Diskussion für die Untergrabung der Suche nach dem Sinn, denn - so die Kernaussage - eine solche Suche sei aufgrund der Dynamik von Sinn-Systemen zum Scheitern verurteilt. Dies kommt einem grundlegenden Angriff auf das Wissenschafts-Establishment gleich - und so wurde es auch von weiten Teilen der Philosophie und der gesamten Wissenschaft empfunden. Gleichzeitig könnte es aber auch als Mahnung verstanden werden, die Grenzen wissenschaftlicher Wahrheit nicht zu vergessen.
Mit diesem Ansatz bzw. dekonstruktivistischer Philosophie greift Derrida den Genfer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure (1857 bis 1913) grundlegend an. Saussures Verdienst war es, die Sprache erstmals als System des sprachlichen Sinns zu definieren. Damit wurde die Grundlage für die Sprachwissenschaft des 20. Jahrhunderts gelegt. Diesem Gegensatz von Wissenschaft und Philosophie geht Simone Roggenbuck auf den Grund und versucht, die Antwort auf die Frage nach dem Sinn zu geben.
Simone Roggenbuck begann nach der Ausbildung zur Bankkauffrau 1987 das Studium der Romanistischen Sprach- und Literaturwissenschaft sowie der Germanistischen Sprachwissenschaft in Regensburg. Nach dem ersten Semester wechselte sie an die Heinrich-Heine-Universität, wo sie im September 1994 ihre Magisterarbeit mit dem Gesamtprädikat "sehr gut" absolvierte. Zur Zeit arbeitet Simone Roggenbuck als Wissenschaftliche Angestellte am Romanischen Seminar der Düsseldorfer Universität.
drupa-Preis 1998 Wissenschaft und Sinnfrage
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