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Praxistag Journalismus
Zahlreiche Einblicke in ein vielfältiges Berufsfeld

Der vergangene Samstag (17. Juni) stand an der Philosophischen Fakultät ganz im Zeichen des Journalismus: Circa 100 Studierende hatten beim Praxistag Journalismus die Möglichkeit, spannende Einblicke in das vielfältige Berufsfeld zu erlangen. Von Expertinnen und Experten aus der Medienbranche erhielten die Teilnehmenden Antworten auf Fragen wie „Was zeichnet guten Journalismus aus?“, „Muss ich Journalismus/ Journalistik studieren, um Journalist*in zu werden?“ Die Veranstaltung ist Teil der Kooperation mit dem Deutschen Journalistenverband Nordrhein-Westfalen und dem Verein Düsseldorfer Journalisten e.V.

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Das Alumni Panel stieß auf viel Interesse bei den Teilnehmern.

„Wir sind in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften immer mit der Frage konfrontiert: Was kann man eigentlich damit machen? Deshalb freuen wir uns, mit dem Praxistag Journalismus heute eine Veranstaltung anbieten zu können, die Ihnen dieses interessante Berufsfeld näherbringt.“ Mit diesen Worten begrüßte Studiendekan Dr. Frank Meier die ca. 100 Studierende, die sich trotz Sommerkult-Festival und Sommerwochenende ins Haus der Universität begeben hatten, um mehr über das Berufsfeld Journalismus zu erfahren. Durch den Tag, der unter anderem auch eine Instagramchallenge für die Teilnehmenden bereithielt, führte Stanley Vitte, Hochschulbeauftragter des DJV NRW, Vorsitzender des VDJ und ehemaliger Student der Sozialwissenschaften an der HHU.

Expertinnen aus Wissenschaft und Praxis sind sich einig: Guter Journalismus hat seinen Wert

Welchen Wert hat Journalismus? Diese Frage diskutierten Prof. Dr. Christiane Eilders, Kommunikations- und Medienwissenschaftlerin an der HHU, und Marie Kirschstein, Vertreterin der Gewerkschaft Deutscher Journalistenverband NRW, beim Expertinnentalk. Im Zentrum standen dabei insbesondere die Aspekte Gehalt, Arbeitsmarkt und journalistische Fähigkeiten. Die beiden waren sich einig, dass guter Journalismus sehr wertvoll für die Gesellschaft ist, um u.a. Demokratie zu gewährleisten. Dennoch sei die Lage nicht so einfach. So seien die Gehälter und Tarifverträge für viele Journalisten noch nicht angemessen und der Respekt gegenüber und die Anerkennung von Journalist*innen habe in den letzten Jahren nachgelassen, während Unternehmen wie Netflix eine steigende Zahl an Abonnenten verzeichneten.

Prof. Dr. Eilders rät Interessierten: „Nutzen Sie Medien, lesen Sie Zeitung etc. Es ist ganz wichtig, informiert zu sein. Man kann keinen guten Journalismus machen, wenn man nicht weiß, was in der Politik oder in der Gesellschaft vor sich geht.“ Marie Kirschstein ergänzt: „Der Arbeitsmarkt verändert sich auch. Viele gehen in den nächsten Jahren in Rente, und es werden Stellen frei.“

Praktische Erfahrungen dank Media-Safari

Bei der Media-Safari konnten sich die Studierenden auch praktisch ausprobieren. So veranschaulichte das Medienlabor der Fakultät die Funktionsweise von Virtual Production. Die Studierenden konnten sich vor einen Greenscreen stellen und sich an einer Moderation mithilfe eines Teleprompters versuchen. Einblicke in die Arbeit beim Radio gaben das Hochschulradio Düsseldorf e.V. sowie die Onlineredaktion cm3. Das Team simulierte die Arbeit mit einem Mischpult und zeigte, wie sich Aufnahmen dadurch verändern lassen. An der dritten Station präsentierte sich der Deutsche Journalistenverband NRW u.a. mit seinen Weiterbildungsmöglichkeiten für Journalisten.

Alumni berichten über Wege in den Journalismus

Wie der Weg in den Journalismus denn nun genau aussehen kann, veranschaulichen fünf ehemalige Studierende der Philosophischen Fakultät, die mittlerweile für bekannte Medienunternehmen arbeiten. Einer von ihnen ist Tobias Wienke: Als „1LIVE Spielemann“ berichtet er für alle Hörfunkwellen des WDR über Musik und Gaming. Zudem ist er Senderedakteur und Aufnahmeleiter bei Streamingevents wie dem Wacken Open Air oder Lollapalooza. Heißt also: Er wird für das Zocken an der Videokonsole bezahlt und kann Tickets für Konzerte abrechnen? Wienke grinsend dazu: „Auch wenn mir Geld nicht so wichtig ist, ist das schon sehr praktisch.“ Bei seiner Tätigkeit kämen dem ehemaligen Germanistik- und Geschichtsstudenten vor allem die Recherchefähigkeiten und der Skill, komplexe Sachverhalte zu reduzieren und kurz zu formulieren, zugute.

Ebenfalls im Hörfunk tätig ist Maximilian Rieger, der an der HHU Sozialwissenschaften studiert hat. Parallel war er für das Hochschulradio u.a. als Chefredakteur aktiv und hat nach seinem Abschluss eine Ausbildung an der berühmten Henri-Nannen-Schule absolviert. Mittlerweile arbeitet er als Redakteur und Moderator in der Deutschlandfunk Sportredaktion mit Schwerpunkt auf Sportpolitik und Nachhaltigkeit. Die Idee, dass Sportjournalisten immer im Stadion sind, hält er für ein Klischee: „Ich war, glaub ich, noch nie im Stadion.“ Sein Studium komme ihm vor allem zugute, wenn es um die Bewertung von Studien geht. Die Qualität einer Studie oder Umfrage einschätzen zu können, helfe ihm in der datengetriebenen Welt, professionell journalistisch zu arbeiten.

Daniela Partenzi, freie Reporterin beim WDR, berichtete von einer weiteren Entwicklung im Journalismus. Die Alumna der Amerikanistik und Medienwissenschaft erlebt, dass sich die Anforderungen an die Fertigkeiten von Journalisten gewandelt haben. Im Sinne einer crossmedialen Aufbereitung müsse sie nun Text, Fotos und Videos liefern. Die Ergebnisse selbst sollten im Vergleich zu früher schneller weitergeleitet werden, da die Veröffentlichung durch die Digitalisierung schneller erfolgen kann und muss.

Den veränderten Anspruch an die Geschwindigkeit bestätigte auch Sema Kouschkerian (Studium der Germanistik, Romanistik und Erziehungswissenschaften), freie Autorin bei der Rheinischen Post. Der größte Vorteil dieser Tätigkeit liegt Kouschkerian zufolge in der großen Freiheit. So könne sie sich in der Regel selbst überlegen, über was sie schreiben möchte. Nur in den seltensten Fällen werde sie angerufen. Außerdem eröffne diese Art der Beschäftigung die Möglichkeit, anderen (beruflichen) Interessen nachzugehen. Kouschkerian selbst ist nebenbei die stellvertretende Leiterin der Studierendenakademie der HHU und dort auch als Dozentin für Journalismus und Medienkunde tätig.

Dass Journalismus wesentlich nutzerorientierter arbeitet als noch vor ein paar Jahren, zeigt Johanna Rüdiger (Studium der Politik-, Medien- und Sozialwissenschaften). Als Head of Social Media Strategy bei der Deutschen Welle (DW) in der Abteilung Culture & Documentaries trägt sie dazu bei, dass guter Journalismus auch junge Menschen erreicht – auf TikTok hat sie derzeit 200.000 Follower! Rüdiger sieht in den digitalen Medien vor allem den Vorteil, in Interaktion mit den Followern zu treten und Communities aufzubauen. Die sozialen Medien helfen Rüdiger zufolge dabei, journalistisch zu üben: „Jede*r kann sein eigener Publisher sein und zeigen, was man kann.“

Eine Branche im Wandel – aber ohne die Grundlagen geht’s nicht

Am Ende des Tages wurde deutlich: Die Digitalisierung und Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz ziehen auch an der Journalismusbranche nicht spurlos vorüber. Die Aufgabenfelder von Journalisten erweitern sich, was grundsätzlich mehr Möglichkeiten bietet, journalistisch zu arbeiten. Gleichzeitig ist es weiterhin unablässig, das journalistische Handwerk zu erlernen. Denn egal ob in den sozialen Medien, beim Hörfunk oder für Printversionen: das Führen eines Interviews sowie eine professionelle Recherche gehören zum beruflichen Alltag von Journalisten. Die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften vermitteln diese Fertigkeiten in besonderer Weise. Daneben hatten die Gäste weitere wertvolle Tipps für die Studierenden: früh anfangen (nicht erst nach dem Studium), Leidenschaft aufbringen und keine Angst haben zu scheitern.

Weitere Informationen zum Praxistag gibt es unter praxistag-journalismus.de und auf Instagram (@journalismus_hhu). Das komplette Journalismus-Modul, zu dem neben dem Praxistag auch Seminare gehören, ist im Vorlesungsverzeichnis zu finden.

Autor/in: Redaktion
Kategorie/n: Schlagzeilen, Pressemeldungen