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Wolf Biermann

Heinrich-Heine-Gastprofessor 1993 – 1995

“Nach dem Kritiker nun der Poet”, hatte Rektor i.R. Prof. Dr. Gert Kaiser den Nachfolger von Marcel Reich-Ranicki, Wolf Biermann, als neuen Inhaber der Heine-Gastprofessur begrüßt. In einem Brief an den Rektor schrieb Biermann, dass mit dieser ehrenvollen Professur zwar viel Arbeit verbunden sei, “andererseits habe ich natürlich den sportlichen Ehrgeiz, mich nicht mit ein paar Liedern aus der Affäre zu ziehen”.

Mit einem Konzert eröffnete Wolf Biermann seine Gastprofessur mit dem Rahmenthema “Politisch' Lied – privates Lied”. Er werde mit dem Missverständnis aufräumen, dass man trennen könne zwischen politischer Lyrik und unpolitischen Liebesliedern, kündigte Biermann vorab an.
Der Autor und Sänger, der sich nur ungern als Liedermacher bezeichnen lässt, hielt seinen ersten Vortrag am 11. November 1993, unter anderem mit Liedern, die in der Biographie Biermanns wichtige Positionen markierten. Wie Liebesgedichte in der DDR der 50er, 60er Jahre plötzlich an Sprengkraft entwickeln konnten: Wolf Biermann ließ es auf faszinierende Weise deutlich werden. Leben und Schreiben – er habe immer beides gewollt: "Ins Bett meiner Liebsten und auf die Straße ins politische Getümmel!".

Die Reihe umfasste fünf Termine, die mit durschnittlich 1.000 Interessierten sehr gut besucht waren. Viele kamen von weither, um Wolf Biermann zu erleben.
Ein weiteres Konzert am 7. November 1994 eröffnete eine neue Veranstaltungsreihe zum Thema “Universität in der Stadt” im Weiterbildungszentrum am Hauptbahnhof. “Womit ich Ihnen androhe, dass Sie wiederkommen müssen”, so Biermann bei der Ankündigung der Fortsetzung.