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Architektur am Campus

Zwischen grauem Beton und buntem Campusleben

Der architektonische Begriff Brutalismus leitet sich nicht etwa von dem Adjektiv „brutal“ ab, sondern vom französischen „béton brut“, was unbehandelten, sichtbaren Beton meint. Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich diese Bauweise und wurde im englischsprachigen Raum „New Brutalism“ benannt, hierzulande lehnte man sich daran an: „Brutalismus“. Viele Universitäten wurden in den 1960er Jahren in diesem Stil gebaut – so auch einige Gebäude der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Diese nüchtern-ehrliche, unverkleidete Ästhetik gilt gleichermaßen für Material und Funktion der Bauwerke.

Wenngleich die raue Schönheit nicht unbedingt jeden Geschmack trifft, offenbart sich deren ganz besonderer Charme bei genauer Betrachtung; sie erlebt sogar gerade ein Comeback! Nicht nur, weil Betonbauwerke den langfristigen Ressourcenverbrauch senken und das Material zu über 90 Prozent recyclebar ist, sondern auch, weil unverputzte Wände, rohe Oberflächen, geometrische Formen und die betonte Konstruktion wieder „in“ sind und zum „Industrial-Chic“ zählen. 

Zwei Beispiele auf dem HHU-Campus

Bei den Gebäuden der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät bestehen alle Elemente aus holzverschaltem Beton und aus stapelbaren Fertigteilen. Bezogen auf ihre Struktur gleicht die Architektur einem Bild von Mondrian.
Offen gestaltete Gänge, scheinbar schwebende Stege und großzügige Treppenräume prägen die Gebäude. Hohe Glaswände heben die Freiheit, Leichtigkeit und Offenheit der Räume hervor. In den Foyers sorgen Pflanzen für eine angenehme Atmosphäre mit zahlreichen Sitzmöglichkeiten: sowohl unterhalb der Treppen, als auch im Innenhof vor den großen Glasflächen. Sie schaffen eine visuelle Verbindung zu den Grünanlagen und lassen so den Außenraum zu einem Teil des Innenraums werden. 

Die Gebäude des 26er-Komplexes aus den 1970er Jahren wirken etwas zurückhaltender und stärker nach innen orientiert. Hier kann auch ein Vergleich zur traditionellen japanischen Architektur gezogen werden: Immer wieder finden sich stille Innenhöfe mit üppigen Pflanzen, Wasserbecken sowie Sitzgelegenheiten, die zum Lernen und Verweilen einladen und eine meditative Umgebung schaffen. Zum besseren Orientieren innerhalb der Anlage unterstützen farbliche Akzente die räumliche Gliederung.