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Digitale Bürgerbeteiligung
Große Städte und der Osten liegen vorne

Wie verbreitet ist die Online-Partizipation in deutschen Städten? Das haben Wissenschaftler der Heinrich-Heine Universität gemeinsam mit Forschenden der Universitäten Dresden, Koblenz und Leipzig untersucht. Sie stellten fest, dass rund ein Drittel der Städte, die an der Befragung teilgenommen haben, derzeit digitale Bürgerbeteiligung anbietet. Die Anbieter sind meist große, einwohnerstarke Kommunen mit einem hohen Steueraufkommen. Zudem konnten die Sozialwissenschaftler einen Ost-West-Effekt feststellen: Bei digitalen Beteiligungsprojekten haben die Klein- und Mittelstädte im Osten Deutschlands deutlichen Vorsprung vor den Kommunen im Westen. Während im Osten 36 Prozent der Stichproben-Kommunen digitale Bürgerbeteiligung anbieten, sind es nur 32 Prozent der westdeutschen Kommunen.

Grafik zur Veteilung der Kommunen mit digitaler Bürgerbeteiligung nach Ost-West und Gemeindetypen Zoom

Anteil der Kommunen mit digitaler Bürgerbeteiligung nach Ost-West und Gemeindetypen

Prof. Dr. Stefan Marschall, Studienleiter auf Seiten der HHU: „Erstmalig ist bundesweit erhoben worden, ob und wie digitale Beteiligung auf der Ebene der Städte und Gemeinden verwendet wird. So können wir erkennen, welche Bedingungen dafür förderlich sind, mehr digitale Demokratie zu wagen.“

Genauer untersucht wurden die 2.390 Kommunen, die auf die Fragen des Forschungsteams zwischen März und Oktober 2025 geantwortet hatten. Dabei wurde deutlich: Ob eine Kommune digitale Beteiligungsformate anbietet, hängt stark von bestimmten Standortfaktoren ab. Anbieter sind vor allem große, einwohnerstarke Kommunen mit hoher Steuerkraft und entsprechenden Personalressourcen in den Verwaltungen. So liegt z. B. die Einwohnerzahl der anbietenden Kommunen im Durchschnitt bei 47.000 Einwohnern, während die durchschnittliche Einwohnerzahl der nicht-anbietenden Kommunen mit 5.800 Einwohnern fast zehn Mal geringer ist.

Auch macht es einen Unterschied, ob sich im Umfeld weitere Kommunen befinden, die digitale Bürgerbeteiligung anbieten: Kommunen, die digitale Bürgerbeteiligung anbieten, haben in ihrem Umfeld überdurchschnittlich viele andere Kommunen, die ebenfalls ein Angebot zur digitalen Bürgerbeteiligung haben. 

Für alle Kommunen ist es das wichtigste Ziel digitaler Beteiligung, Entscheidungsprozesse transparenter zu machen – fast 90 Prozent der Großstädte und jeweils mehr als 80 Prozent der Klein- und Mittelstädte und Landgemeinden geben dies als wichtiges oder sehr wichtiges Ziel an. Auf Platz zwei bei den Großstädten ist das Ziel, unterrepräsentierte Gruppen zu erreichen, das ist 82 Prozent der Großstädte wichtig. Bei den anderen Gemeindetypen geht es an zweiter Stelle darum, generell mehr Menschen an Politik zu beteiligen – das finden z. B. mehr als 80 Prozent der Landgemeinden wichtig oder sehr wichtig. 

Bei den Themen, zu denen digitale Bürgerbeteiligung angeboten wird, unterscheiden sich die Gemeindetypen auffällig. Der Schwerpunkt der befragten Großstädte liegt auf der Verkehrsentwicklung und dem Klima-/Umweltschutz, in beiden Bereichen bieten mehr als 50 Prozent der Großstädte digitale Beteiligung an. Die kleineren Städte und Landgemeinden fokussieren sich dagegen auf die Stadt-/Gemeindeentwicklung und das Mängelmanagement. 

Und auch bei der Organisation gibt es deutlich Unterschiede: Digitale Bürgerbeteiligung ist in den Großstädten professionell organisiert und nachhaltig verankert, 63 Prozent der Großstädte in der Stichprobe haben dafür eine eigene Abteilung oder Personalstellen. Bei den Mittelstädten sind es nur rund 25 Prozent, sie organisieren digitale Beteiligung eher flexibel. Auch Kleinstädte und Landgemeinden organisieren digitale Bürgerbeteiligung ohne feste Stellen.

Projektleiter Marschall fasst zusammen. „Digitale Bürgerbeteiligung kann ein Baustein für eine resiliente Demokratie sein. Demokratie fängt auf der lokalen Ebene an. Unsere Studie zeigt, wo hier noch Potenziale liegen und regt zum Erfahrungsaustausch zwischen Praxis und Wissenschaft an."

Ein besonderes Transferangebot des Projekts, das von der Stiftung Mercator gefördert worden ist: Alle Interessierten können auf einem Dashboard zur digitalen Bürgerbeteiligung in Deutschland selber über eine interaktive Landkarte Einblicke in die Ergebnisse nehmen und gezielt nach Kommunen und Verfahren suchen: 

dashboard.lokale-partizipation.de

 

 

Kategorie/n: Schlagzeilen, Pressemeldungen