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115 Promotionen in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät
Promotionsfeier: Beste Dissertation für Polarforscherin

An der Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) promovierten seit der letzten Feier im Juli 2025 64 Doktorandinnen und 51 Doktoranden aus sieben Fächern. Am 6. Februar wurden sie auf einer festlichen Veranstaltung geehrt und erhielten ihre Promotionsurkunden. Ebenfalls zeichnete die Fakultät die Biologin Dr. Ellen Oldenburg mit dem Preis für die Beste Dissertation 2025 aus. Dr. Fabienne Kocher erhielt darüber hinaus den Preis für die beste Dissertation in der Graduiertenschule MOI IV.

Gruppenbild der anwesenden Promovierten der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät des Wintersemesters 2025-2026 auf der Bühne von Hörsaal 3A; viele tragen ihren Doktorhut. Zoom

Seit der letzten Promotionsfeier im Juli 2025 wurden insgesamt 64 Nachwuchswissenschaftlerinnen und 51 Nachwuchswissenschaftler promoviert. Am 6. Februar 2026 nahmen viele von ihnen ihre Promotionsurkunde entgegen und präsentierten dabei ihre Doktorhüte. (Fotos: HHU / Arne Pöhnert)

Prof. Dr. Martin Heil, Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, eröffnete die Promotionsfeier mit nachdenklichen Worten: „Sie haben in Ihren Promotionsarbeiten zu vielen verschiedenen Gebieten geforscht und ihre Ergebnisse dabei vor einer Fachcommunity erfolgreich verteidigt. Doch wir leben nicht nur in unseren fachlichen Sphären, sondern in einer Welt, in der leider zu viele einen ganz anderen Blick auf die Wissenschaft haben, ihr mit Verschwörungsmythen begegnen und oft Forschende anfeinden. Eine schlichte Verleugnung wissenschaftlicher Fakten wie dem Klimawandel ist, spätestens mit der Wahl des aktuellen US-Präsidenten, anscheinend salonfähig geworden. Ist Wissenschaft also relativierbar, kann jeder seine eigene Meinung zur Wissenschaft haben? Sicher nicht, vielmehr stimmt das Bonmot vom Astrophysiker und Wissenschaftsjournalisten Harald Lesch: ‚Physik gilt auch für Idioten.‘“ 

Direkt an die frisch Promovierten gewandt sagte Prof. Heil weiter: „Ich betone dies, weil sie spätestens mit Ihrer Promotion in die Welt ‚da draußen‘ treten und zu Botschafterinnen und Botschaftern für die Wissenschaft werden. Ich ermutige Sie, den Dialog mit den Menschen zu suchen, mit Geduld und Überzeugung zu erklären, wie Wissenschaft funktioniert – und wie eben nicht – und dadurch zu vermitteln, was die Möglichkeiten und die Grenzen des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns sind. Angesichts der Bedeutung, die unsere Arbeit für die Welt hat, darf Wissenschaftsfeindlichkeit nicht unwidersprochen bleiben.“

Der Festredner, der Psychologe Prof. Dr. Dr. h.c. Onur Güntürkün von der Ruhr-Universität Bochum, sprach über „Die parallele Evolution der Intelligenz“. Er führte aus, dass Menschenaffen wie Schimpansen über komplexe kognitive Fähigkeiten verfügen und ein Gehirn besitzen, das etwa 400 Gramm wiegt und einen großen Neokortex aufweist. Aber auch Krähen haben die gleichen kognitiven Fähigkeiten, bei einem ganz anders aufgebauten Gehirn: 10 Gramm Gewicht, kein Neokortex. Die Frage, die sich zwangsläufig ergibt: Wie ist das möglich? Prof. Güntürkün nahm die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine Reise zu möglichen Antworten.

Preis für die Beste Dissertation in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät im Jahr 2025

Bei der Promotionsfeier wurde die Doktorarbeit „Exploring Arctic Marine Ecosystems: Analysing Multi-Year Data of Arctic Microbial Marine Communities“ der Biologin Dr. Ellen Oldenburg als beste Dissertation des Jahres 2025 ausgezeichnet. 

Ellen Oldenburg (geboren 1995 in Kleve) studierte Biologie und Quantitative Biologie an der HHU. Ihre Promotionsarbeit wurde von Prof. Dr. Oliver Ebenhöh vom Institut für Quantitative und Theoretische Biologie der HHU und von Dr. Katja Metfies vom Alfred-Wegener-Institut – Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven betreut. Sie unternahm dafür mehrere Fahrten mit dem Forschungsschiff Polarstern ins nördliche Polarmeer. Heute arbeitet sie als Postdoc an der HHU.

In ihrer Doktorarbeit untersuchte Dr. Oldenburg die mikrobielle Vielfalt in polaren Meeresregionen mithilfe moderner datengetriebener und KI-basierter Methoden. Sie analysierte große, langjährige Zeitreihen und zeigte dadurch, dass selbst kleinste Organismen klare, wiederkehrende Muster und Zyklen im Jahresverlauf aufweisen. Ihre Arbeit verbindet moderne Datenanalyse, Ökologie und Polarforschung. Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag, um ökologische Veränderungen in sensiblen Klimaregionen zu verstehen.

Prof. Dr. Oliver Ebenhöh würdigt die Preisträgerin: „Während ihrer Dissertation fuhr Ellen Oldenburg in die Arktis, um vor Ort die Proben von Mikroorganismen zu nehmen, die im Meer und in Eisschollen leben. Sie betrieb also klassische Feldforschung, was heute in der Biologie eher die Ausnahme ist. Noch an Bord der Polarstern wurden die Proben gesichtet und gesichert, zurück in Düsseldorf hat sie dann daraus die mikroskopischen Lebensgemeinschaften rekonstruiert, die in der Arktis leben. Dabei kamen die theoretischen Werkzeuge der quantitativen Biologie zum Einsatz. Die Forschungsarbeit von Ellen Oldenburg ist somit eine exzellente Verbindung verschiedener biologischer Disziplinen, ihre Ergebnisse haben eine hohe Relevanz, um eine der wichtigsten und gleichzeitig gefährdetsten Lebensgemeinschaften auf der Erde besser zu verstehen.“

Der Dekan beglückwünschte die Preisträgerin und dankte dem Förderer, der Gesellschaft von Freunden und Förderern der HHU: „Es ist für eine junge Wissenschaftlerin wie Ellen Oldenburg eine besondere Auszeichnung, dass ihre Arbeit als beste Dissertation ihres Jahres geehrt wird. Stellvertretend für ihre Mitpromovenden wird damit die große Anstrengung gewürdigt, die die Doktoranden leisten. Dafür, dass die Freundesgesellschaft diese Auszeichnung fördert, gebührt ihr mein besonderer Dank. Denn mit ihr werden genau die jungen Menschen belohnt, auf deren Schultern der Fortschritt der Wissenschaft ruht!“

Beste Promotion in der Manchot-Graduiertenschule MOI IV

Dr. Fabienne Kocher wurde für ihre Arbeit „Molecular Characterization of Chlamydia – Host Interactions During the Early Stages of Infection“ ausgezeichnet. In ihrer Dissertation untersuchte Kocher die frühen Infektionsprozesse der humanpathogenen Bakterien Chlamydia trachomatis und Chlamydia pneumoniae auf molekularer Ebene. Sie zeigte, wie diese Erreger, die sich nur innerhalb von Wirtszellen vermehren können, spezifische Oberflächenproteine nutzen sowie früh in die Wirtszelle eingeführte Effektorproteine. So binden die Chlamydien gezielt an menschliche Epithelzellen und manipulieren deren zelluläre Strukturen für das Eindringen in die Zelle. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit liefern neue mechanistische Einblicke in zentrale Prozesse der bakteriellen Infektion und der frühen Wirt-Pathogen-Interaktion.

115 Promotionen seit Juli 2025

Im vergangenen halben Jahr verlieh die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät 64 Nachwuchswissenschaftlerinnen und 51 Nachwuchswissenschaftlern ihren Doktortitel. Die Biologie stellte mit 50 Promotionen das größte Kontingent, gefolgt von der Chemie (24), Psychologie (12), Informatik und Pharmazie (je 10) und schließlich der Physik (9). Die Promovierten kamen aus Deutschland und aus zwanzig weiteren Ländern, ein Zeichen für die hohe Internationalität der Forschung an der HHU.

Autor/in: Arne Claussen
Kategorie/n: Auszeichnungen, Schlagzeilen, Pressemeldungen, Chemie Aktuelles, Math.-Nat.-Fak.-Aktuell, Pharmazie
Gruppenbild mit vier Personen im Flur; die Preisträgerin Dr. Ellen Oldenburg hält eine Urkunde. Zoom

Dr. Ellen Oldenburg (2.v.l.) erhielt die Auszeichnung für die beste Dissertation in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät 2025. Es gratulierten (v.l.): Thomas Buschmann, Präsident der Gesellschaft von Freunden und Förderern der HHU; Prof. Dr. Oliver Ebenhöh, Doktorvater von Dr. Oldenburg; Dekan Prof. Dr. Martin Heil.

Zwei Personen, die die Preisurkunde für die Beste Dissertation in der Graduiertenschule MOI IV halten. Zoom

Prof. Dr. Klaus Pfeffer, Sprecher der Manchot-Graduiertenschule, übergibt die Urkunde für die beste Dissertation in der MOI IV an Preisträgerin Dr. Fabienne Kocher.

Drei Frauen nebeneinander mit ihren Doktorhüten. Zoom

Traditionell wurden wieder die originellsten und schönsten Doktorhüte prämiert, die die Arbeitsgruppen der neuen Doktores selbst bastelt. Den ersten Platz errang Dr. Madita Röhlinger (links), den zweiten Dr. Vanessa Valencia (Mitte) und auf Platz Drei kam Dr. Michelle Westerhoff.

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