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2,1 Millionen Euro für ein Forschungsprojekt
Politische Desinformationen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Junge Menschen informieren sich zunehmend über soziale Medien wie TikTok, Instagram oder YouTube. Damit steigt auch das Risiko, wiederholt und plattformübergreifend mit politischer Desinformation in Berührung zu kommen. Das neue Verbundprojekt WIEGE (Wiederholt getäuscht) unter Leitung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) will nun besser verstehen, wie man solche Inhalte erkennen kann, welche Auswirkungen sie auf junge Menschen haben und wie sie bekämpft werden können. Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Projekt wird dazu über drei Jahre mit insgesamt 2,1 Millionen Euro unterstützt. Sprecher des Verbundes ist Prof. Dr. Thomas Zerback vom Institut für Sozialwissenschaften an der Philosophischen Fakultät der HHU. Verbundpartner sind GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, das Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie das Unternehmen tech & teach. Zudem besteht eine erweiterte Kooperation mit funk – dem Content-Netzwerk von ARD und ZDF.

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Prof. Dr. Thomas Zerback nimmt die Förderurkunde von Dr. Alexandra-Gwyn Paetz entgegen.

Viele Jugendliche beziehen politische Informationen heute vor allem aus sozialen Medien. Während diese Plattformen neue Möglichkeiten politischer Teilhabe eröffnen, erleichtern sie zugleich die schnelle und oft plattformübergreifende Verbreitung politischer Desinformation.

Da sich Medienkompetenz, politisches Wissen und Urteilsfähigkeit in dieser frühen Lebensphase noch entwickeln, können wiederholte Kontakte mit irreführenden oder falschen politischen Informationen langfristige Auswirkungen auf das politische Weltbild und das demokratische Verhalten junger Menschen haben. Der Schutz und die Stärkung der Resilienz dieser Zielgruppe gilt daher als zentrale Aufgabe demokratischer Gesellschaften.

WIEGE will eine fundierte wissenschaftliche Basis schaffen, um plattformübergreifende politische Desinformation besser zu erkennen, ihre Nutzung und Wirkung zu verstehen und wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen vier zentrale Ziele:

  1. Aufbau einer offenen und dauerhaft nutzbaren Datenbasis zu plattformübergreifender politischer Desinformation.
  2. Entwicklung und Validierung KI-basierter Verfahren zur automatisierten Erkennung entsprechender Inhalte.
  3. Untersuchung, wie wiederholte Desinformation Einstellungen, Vertrauen und das politische Handeln junger Menschen beeinflusst.
  4. Entwicklung und praktische Umsetzung zielgruppenspezifischer Maßnahmen, die die Widerstandskraft gegenüber Falschinformationen stärken.

Das Projekt verbindet sozialwissenschaftliche, informatische und pädagogische Perspektiven. Innerhalb der HHU sind neben Prof. Zerback auch Prof. Dr. Marc Ziegele (Institut für Sozialwissenschaften) sowie Dr. Katarina Boland und Prof. Stefan Dietze (beide Institut für Informatik) beteiligt.

In vier eng verzahnten Arbeitspaketen sammeln die Forschenden zunächst umfangreiche Daten (Posts und Nutzerkommentare) aus verschiedenen Social-Media-Plattformen und annotieren diese manuell. Auf Basis dieser Teilmenge können dann auch Prognosen über den Wahrheitsgehalt der übrigen Daten getroffen werden. Auf dieser Grundlage entwickeln die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen dann KI-gestützte Analyseverfahren, die Desinformation plattformübergreifend identifizieren.

Mit Hilfe von Experimentalstudien und repräsentativen Befragungen wird zudem ermittelt, wo Jugendliche mit solchen Inhalten in Kontakt kommen, wie sie damit umgehen, welche Wirkung sie entfalten und welche Faktoren ihre Resilienz stärken. Die Ergebnisse werden schließlich in konkrete Bildungs- und Kommunikationsangebote, insbesondere auf schulischer Ebene übersetzt.

Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse sollen direkt in die Praxis einfließen: Geplant sind Unterrichtskonzepte, Social-Media-Formate und Informationsmaterialien, die an Schulen erprobt und verbreitet werden. Die Projektergebnisse sollen so Forschung, Bildungseinrichtungen und Medien langfristig praktische Werkzeuge an die Hand geben, um Jugendlichen eine kritische und resiliente Mediennutzung zu ermöglichen – und damit einen Beitrag zum Schutz demokratischer Prozesse leisten.

Autor/in: Redaktion
Kategorie/n: Schlagzeilen, Pressemeldungen, Forschung News