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drupa-Preis 1999:
Dr. Volker Zimmermann ausgezeichnet

Dr. Volker Zimmermann ist der drupa-Preisträger des Jahres 1999. Die Auszeichnung geht an den 30jährigen Düsseldorfer für seine Doktorarbeit zum Thema "Die Sudetendeutschen im NS-Staat. Politik und Stimmung der Bevölkerung im Reichsgau Sudetenland (1938-1945)."

Pressebild Dr. Volker Zimmermann ist der drupa-Preisträger des Jahres 1999. Die Auszeichnung geht an den 30jährigen Düsseldorfer für seine Doktorarbeit zum Thema "Die Sudetendeutschen im NS-Staat. Politik und Stimmung der Bevölkerung im Reichsgau Sudetenland (1938-1945)." Die Messe Düsseldorf als Veranstalterin der drupa - der weltgrößten Fachmesse für print media - verleiht diesen Preis seit mehr als zwei Jahrzehnten an Absolventen der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Beispielhaft analysiert Volker Zimmermann das Verhältnis zwischen der NS-Herrschaft und der Bevölkerung in der Provinz und kommt zu einem bedeutsamen Fazit: Die Sudetendeutschen passen weder in das Klischee der fanatischen Nationalsozialisten noch in das Bild von passiven Opfern reichsdeutscher Kolonialherrschaft. Damit leistet Volker Zimmermann einerseits einen wichtigen und erhellenden Beitrag zur Geschichtsforschung. Andererseits kann seine Dissertation aber auch helfen, das aktuelle Verhältnis zwischen Deutschen und Tschechen auf eine objektivere Basis zu stellen.

Der Präsident der drupa und Vorsitzende des Vorstandes der KBA Planeta AG, Albrecht Bolza-Schünemann, und der Vorsitzende der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf, Hartmut Krebs, überreichten heute Dr. Volker Zimmermann den Preis im Rahmen einer feierlichen Zeremonie.

Die Arbeit von Dr. Zimmermann fordert am Beispiel des Reichsgaus Sudetenland eine differenzierte Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. So waren es beispielsweise fast ausschließlich sudetendeutsche Politiker, die die Führungspositionen in der NSDAP-Gauleitung und den Kreisleitungen besetzten und gerade gegenüber der tschechischen Minderheit im Gau eine unnachgiebige Politik betrieben. Differenziert müssen auch Reaktionen der Bevölkerung auf Maßnahmen des NS-Regimes betrachtet werden. Die Begeisterung über den Einmarsch der Wehrmacht bewog so viele Menschen zum Eintritt in die Partei und die SA, daß der Gau im Vergleich zu anderen deutschen Gebieten die höchsten Mitgliederzahlen aufwies. Das Schicksal von Juden, Tschechen oder NS-Gegnern interessierte offenbar wenige, während zu hohe Preise und zu niedrige Löhne wesentlich stärker die Kritik am NS-Regime förderten. Die während des Krieges wachsende Angst vor einer Rache der Tschechen und einer eventuellen Vertreibung im Fall der deutschen Niederlage (angedroht durch die Exilregierung in London) verstärkte jedoch das Gefühl, bis zum bitteren Ende an der deutschen Seite ausharren zu müssen. Widerstand leisteten vor allem Sozialdemokraten, Kommunisten und Teile der tschechischen Minderheit.

Dr. Volker Zimmermann hat von 1988 bis 1994 an der Heinrich-Heine-Universität Neuere Geschichte, Osteuropäische Geschichte und Politikwissenschaft studiert. Bereits während des Studiums hat der 30jährige journalistisch gearbeitet bzw. an wissenschaftlichen Publikationen mitgewirkt. Einen Namen hat er sich bereits durch verschiedene Veröffentlichungen zu Themen der NS-Geschichte, Beiträge zur Geschichte des Niederrheins oder durch Rezensionen gemacht. Zur Zeit arbeitet er an einer Publikation zum Thema "Düsseldorf und die Prozesse wegen nationalsozialistischer Gewaltverbrechen".

Kategorie/n: Pressemeldungen