Albert Clemens Mooren (1828 bis 1899) gehört zu den berühmtesten deutschen Ärzten des 19. Jahrhunderts. In einer kleinen Ausstellung mit rund 150 Dokumenten, Kunstwerken sowie Gegenständen aus dem persönlichen Besitz Moorens erinnert das Düsseldorfer Stadtmuseum bis 26. März 2000 an diese bedeutende Persönlichkeit.
Geboren in dem kleinen Dorf Oedt bei Krefeld, studierte Mooren zunächst Medizin in Bonn, dann in Berlin. Seine Dissertation über die "Doppelsichtigkeit" (36 Seiten in Latein) ist ausgestellt. Im elterlichen Haus eröffnete er 1856 eine Praxis für Allgemeinmedizin - er war ja als praktischer Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer ausgebildet worden -, die bald enormen Zulauf erhielt. Besonders Augen-Patienten kamen zu ihm; eine eigenständige Ausbildung zum Augenarzt gab es noch nicht. "Menschenmengen logierten im örtlichen Gasthaus, um sich behandeln zu lassen", notierte damals eine Zeitung, der Augenspezialist hatte Patienten vom Niederrhein, aus Belgien, Holland, England, sogar aus den USA.
1860 heiratete Mooren, aus der Ehe gingen zehn Kinder hervor (drei Söhne, sieben Töchter). Zwei Jahre Jahr später gelang es der Stadt Düsseldorf, den mittlerweile berühmten Arzt mit der Leitung einer eigenständigen städtischen Augenklinik zu betrauen. Es war die erste Düsseldorfer Spezialklinik (Ratinger Straße 11 - 13), die er dann bis 1883 leitete.
Düsseldorf wurde durch Mooren zu einem Zentrum der Augenheilkunde. Das Arbeitspensum des Spezialisten muß enorm gewesen sein. 1880 behandelte er seinen 100.000. (!) Patienten, die Altstadt feierte mit und es wurde geflaggt. In der Ausstellung sind zahlreiche Dankschreiben zu sehen, längst behandelte Mooren auch die Prominenz im In- und Ausland, ob die Krupps, Kaiser-Gattin Auguste Victoria (die ihm zum Dank eine Krawattennadel schenkte) oder russische Großfürsten. 1868 bis 1878 praktizierte er alle sechs Wochen auch im belgischen Lüttich ("meine zweite Heimat", so Mooren).
Neben seiner Praxis publizierte Mooren zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten. Sie sind in der Ausstellung zu sehen, etwa zum grauen Star, zu Bindehautserkrankungen, Hornhautvereiterung, Kurzsichtigkeit etc. Die Bücher sind Leihgaben der Universitäts- und Landesbibliothek.
Der vielfach mit Orden und Auszeichnungen dekorierte Mediziner war gläubiger Katholik - und besaß einen Reliquienschrein -, gründete den katholischen Leseverein "Askania", aus dem später die (nicht-schlagende) katholische Studentenverbindung "Burgundia" hervorgehen sollte, und engagierte sich verdeckt im Kulturkampf. Mooren gründete drei caritative Stiftungen für erblindete Kinder, Ärzte und mittellose Künstler.
Bei seinen "Dienstagsgesellschaften" traf sich Düsseldorfs High-Society aus Wirtschaft, Politik, Militär und Kunst. Natürlich war er Mitglied im Künstlerverein Malkasten, zu seinen Freunden zählten die Künstler Oswald und Andreas Achenbach. In der Ausstellung ist eine Rom-Ansicht Oswald Achenbachs (1879) zu sehen mit einer Widmung für Albert Mooren. Der Arzt gehörte vor 175 Jahren auch zu jenen Düsseldorfern, die das Stadtmuseum begründeten.
Mooren starb in der Sylvesternacht 1899. Ein Jahr zuvor war sein Sohn und designierter Nachfolger Albert Clemens Hubert Mooren beim Versuch, ein Kind vor dem Ertrinken zu retten, umgekommen. Der Vater hatte diesen Schicksalsschlag nie verwunden. Mooren, längst Ehrenbürger der Stadt Düsseldorf, erhielt ein Ehrengrab an prominenter Stelle des Nordfriedhofs ("Millionenhügel"). Die Ausstellung zeigt u.a. seine Totenmaske.
Mooren gehört in der deutschen Wissenschaftsgeschichte zu den herausragenden Persönlichckeiten des 19. Jahrhunderts und gilt als einer der Väter des eigenen Faches "Augenheilkunde". Eine eigene Sektion der Ausstellung widmet sich seinem Nachruhm. Den auch die Universität Düsseldorf pflegt, so 1978 mit einer Gedächtnisfeier. 1980 entstand am Institut für Geschichte der Medizin die Dissertation von Jürgen Höß "Albert Mooren. Ein Augenarzt im 19. Jahrhundert".
Ausstellung: Erinnerungen an den Augenarzt Albert Mooren
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