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HHU setzt sich für Demokratie ein
Haltung zeigen, Neutralität wahren?

Die Demokratie ist eine gefährdete Staatsform. Staatliche Hochschulen stehen im Spannungsfeld, entschieden Haltung zu zeigen und zugleich kommunikative Zurückhaltung zu wahren, wo es angebracht ist. Heißt: Sichtbar die Demokratie und ihre Freiheiten zu verteidigen, aber sich nicht parteipolitisch zu äußern. Diese Balance versucht die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) zu wahren.

Eine Person in einem voll besetzten Hörsaal hält am Pult vorn eine Rede. Zoom

„Ohne freie Wissenschaft keine Demokratie.“ Die Rektorin der HHU, Prof. Dr. Anja Steinbeck, bei ihrer Rede zum Neujahrsempfang im größten Hörsaal der Universität.

„Die freie Wissenschaft selbst gerät ins Visier politischer Einflussnahme“, stellte HHU-Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck in ihrer Neujahrsansprache mit Blick auf die USA fest. Letztlich sei ein Angriff auf die Freiheit von Forschung und Lehre ein Angriff auf die Demokratie selbst, denn ohne freie Forschung gäbe es keinen Fortschritt: „Ohne Fakten keine verantwortlichen politischen Entscheidungen. Und ohne freies und kritisches Denken, das in der universitären Lehre vermittelt wird, keine lebendige Demokratie. Kurz: Ohne freie Wissenschaft keine Demokratie.“

Wissenschaft sei international und die freie Forschung lebe davon, dass Erkenntnisse geteilt, überprüft, weiterentwickelt würden – weltweit. Angesichts der versuchten politischen Einflussnahme empfahl die Rektorin Angehörigen von Hochschulen drei Dinge: Vertrauen, Verantwortung und Solidarität. Sie machte deutlich, dass Neutralität Überparteilichkeit bedeute, nicht Schweigen. „Wer jedoch meint, das Neutralitätsgebot verlange Schweigen angesichts verfassungsfeindlicher Positionen – ob von rechts oder von links – und verbiete die Teilnahme an Demonstrationen für die freiheitliche Ordnung, der schleicht sich aus der Verantwortung. Ein solcher Rückzug würde antidemokratischen Kräften in die Hände spielen.“

Es gelte, die Freiheit zu verteidigen – nicht als Privileg einer akademischen Elite, sondern als Fundament unserer offenen, demokratischen Gesellschaft. „Universitäten tragen dabei eine besondere Verantwortung. Sie sind nicht nur Orte der Erkenntnis, sondern auch Orte demokratischer Praxis. Es ist unsere Aufgabe, das Vertrauen in die Wissenschaft weiter zu stärken, Verantwortung zu übernehmen und sich bei Angriffen solidarisch zu zeigen.“

Ähnlich klare Worte wählte Prof. Dr. Anja Steinbeck in einem Interview, das am 11. März 2026 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien. Im Gespräch mit Thomas Thiel stellte sie fest, dass die Gefahr autoritärer Eingriffe in die Hochschulautonomie auch in Deutschland zugenommen hat. Sie bekräftigte: „Das Neutralitätsgebot verpflichtet uns, politische Parteien im Meinungskampf und insbesondere vor Wahlen gleichzubehandeln. Es verbietet uns aber nicht, die Werte unserer Verfassung zu verteidigen.“ Außerdem betont sie, dass in dem offenen Diskursraum Universität auch Meinungen geäußert werden können, die in keiner Weise der Position der Hochschulleitung entsprechen.

Podcast widmet sich der Kommunikation
Auch der Bundesverband Hochschulkommunikation griff das Thema Haltung auf und interviewte für seinen Podcast „Inside HKomm“ (zusammen mit der Qualitätsinitiative Hochschulkommunikation, des Hochschulbarcamps und der Agentur MANDARIN EDU) drei Kommunikationsverantwortliche: Katja Bär (Universität Jena), Michael Flacke (DAAD) und Dr. Achim Zolke (HHU). Zolke hatte Anfang 2025 zahlreiche Hochschulen und Forschungsinstitutionen zum Verlassen der Plattform X aufgerufen; die „#WissXit“-Kampagne hatte ein enormes Medienecho hervorgerufen. 128 Hochschulen und Forschungseinrichtungen schlossen sich an und kehrten der rechtspopulistisch ausgerichteten Plattform X demonstrativ den Rücken.

Das Thema Demokratieverteidigung ist seitdem noch stärker im Fokus, denn täglich stellen sich Fragen wie diese: Wann wird Schweigen selbst zum Statement? Wie ist umzugehen mit Medienanfragen und Plattformen, die Empörung und radikale Inhalte verstärken? Mit welchen täglichen Worten wendet sich das Social Media-Team an verunsicherte oder auch aktivistische Studierende?

Im Podcast geht es darum, wie Hochschulen heute zwischen Neutralität, demokratischer Verantwortung und dem Erwartungsdruck von Studierenden, Öffentlichkeit und Medien navigieren. Der Beitrag blickt in die Praxis und zeigt, dass jede Entscheidung ihren Raum braucht: vom vorsichtigen Abwägen in Krisensituationen bis hin zu Momenten, in denen Haltung notwendig ist, weil demokratische Grundwerte gefährdet sind. Haltung zeigen und Neutralität wahren – beides kann und muss Hand in Hand gehen.

Zum Weiterlesen

Zur Neujahrsrede der Rektorin

Interview der Rektorin in der FAZ

Zum Podcastbeitrag „Schweigen, Positionieren, Aushalten – Hochschulen im politischen Druckfeld“

Weitere Handlungsoptionen finden sich im Siggener Impuls „Widerstandsfähigkeit stärken: Was Wissenschaftskommunikation Verunsicherung und Bedrohung entgegensetzen kann“, entstanden in einem überinstitutionellen Arbeitskreis aus Vertretungen aus Wissenschafts-PR, Wissenschaft und Wissenschaftsjournalismus.

Autor/in: Redaktion/KK
Kategorie/n: INTRANET News, Schlagzeilen