Bei der Ausstellungseröffnung: Prof. Dr. Marion Aptroot (links) erläutert Drs. Anne E. Luwema (Leiterin der Kulturabteilung des niederländischen Generalkonsulats in NRW) und Generalkonsul C. G. J. van Honk Exponate im Foyer der ULB. (Foto: Rolf Willhardt)
Vom 28. August bis 2. September 2000 ist im Foyer der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf eine Ausstellung über jiddische Handschriften und Bücher aus den Niederlanden zu sehen.
Die Ausstellung wurde gemeinsam organisiert durch die Abteilung für Jiddische Kultur, Sprache und Literatur der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und das Menasseh ben Israel Institut für jüdische sozial-wissenschaftliche und kulturhistorische Forschungen (Amsterdam) in Zusammenarbeit mit der Bibliotheca Rosenthaliana der Universitätsbibliothek Amsterdam sowie der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Diese Ausstellung ist die erste ihrer Art und wird später auch in Amsterdam zu besichtigen sein.
Jiddisch, fast eintausend Jahre die Umgangssprache der aschkenasischen Juden, blickt auf eine lange literarische Geschichte vom Mittelalter bis zum heutigen Tag zurück. In Deutschland entstanden, verbreitete sich die jiddische Sprache schon im späten Mittelalter über weite Teile Europas, von den Niederlanden im Westen bis zur Ukraine im Osten, von dem Baltikum im Norden bis Italien und den nördlichen Balkan im Süden.
Bis ins 19. Jh. diente Jiddisch den aschkenasischen Juden in den Niederlanden als Umgangssprache. Da die meisten Vorfahren der niederländischen Juden aus Deutschland und dem Elsaß kamen, war das gesprochene holländische Jiddisch eng verwandt mit den früher hierzulande gesprochenen jiddischen Dialekten. Gedruckt wurde allerdings meist in der Literatursprache, die überall verstanden werden sollte.
Von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war Amsterdam das Hauptzentrum der jiddischen Buchindustrie in ganz Europa. Sowohl traditionelles Kulturgut als auch innovative Texte wurden von dort aus in viele Länder verbreitet. Das größte Publikum befand sich in Osteuropa, aber auch deutsche Juden schätzten Bücher aus Amsterdam, da die Qualität besonders hoch war. Verleger in Deutschland versuchten zuweilen sogar, ihre Bücher durch falsche oder irreführende Angaben auf der Titelseite als Amsterdamer Drucke auszugeben.
Die Ausstellung "Jiddische Bücher und Handschriften aus den Niederlanden", in der etwa vierzig Buchdrucke und Handschriften gezeigt werden, soll einen Eindruck vermitteln von der Bedeutung der jiddischen Buchproduktion für das Ausland und der Rolle, die Jiddisch in den Niederlanden gespielt hat. Unter den Exponaten befinden sich religiöse und weltliche Werke sowie Dokumente aus dem jüdischen Leben in den Niederlanden.
Die Ausstellung wurde zusammengestellt und gestaltet durch Univ.-Prof. Dr. Marion Aptroot (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) und Mirjam Gutschow, Riety van Luit und Dr. Emile Schrijver (Menasseh ben Israel Institut, Amsterdam).
Neben den beteiligten Institutionen, der Bibliotheca Rosenthaliana, Universitätsbibliothek Amsterdam, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, dem Menasseh ben Israel Institut (Amsterdam), und der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, konnte auch die Königlich-niederländische Botschaft in Berlin als Spronsor gewonnen werden. Ausgestellt werden Leihgaben aus den Beständen der Bibliotheca Rosenthaliana, dem Jüdischen Historischen Museum in Amsterdam, dem Gemeindearchiv Zwolle sowie den Reichsarchiven in Friesland (Leeuwarden) und Gelderland (Arnhem).
Weitere Auskünfte zur Ausstellung: Prof. Dr. Marion Aptroot, Abteilung für Jiddische Kultur, Sprache und Literatur, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Universitätsstr. 1 / Geb. 23.03, 40225 Düsseldorf, Germany; Tel.: + 49 - 211 - 811 3228/4292/4293 Fax: + 49 - 211 - 811 2027; E-mail: aptroot(at)phil-fak.uni-duesseldorf.de http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/jiddisch/
Ausstellung: Jiddische Bücher aus den Niederlanden
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