Die Euregio, der deutsch-niederländisch-belgische Grenzraum, ist in der politischen Diskussion des zusammenwachsenden Europas ein aktuelles Thema. Doch die kulturellen Beziehungen der Nachbarn an Rhein und Maas reichen weit zurück. Trotz wechselnder staatlicher Grenzen im Laufe der Jahrhunderte, bestand stets eine Verbindung aus gemeinsamer Sprache, Geschichte und Literatur, die ihre Wurzeln im Mittelalter hat.
Dieser Thematik haben sich Prof. Dr. .Hartmut Kokott und Dr. Urban Küsters (Ältere Germanistik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) angenommen. Auf ihre Einladung hin kommen vom 22. bis 25. Februar in der Universitäts- und Landesbibliothek 40 Wissenschaftler aus Belgien, den Niederlanden und der Bundesrepublik zu einem Symposium zusammen. Thema: deutsch-niederländische Literaturbeziehungen in Mittelalter und Früher Neuzeit. "Wir hoffen, einen fruchtbaren Dialog zwischen den Forschern der drei Nationen herstellen zu können. Denn das Thema erfordert eine Zusammenarbeit der Nachbarländer auf diesem Feld, die es bislang noch nicht gab", so Altgermanist Urban Küsters.
Ein Schwerpunkt ist die Literatur der "Devotia Moderna". Diese große religiöse Bewegung des Spätmittelalters war prägend für das 15. Jahrhundert. 200 Klostergründungen, von Holland bis Hannover, gehen auf die Reformbewegung zurück, die mit ihrer Anlehnung an die Urkirche und Einbeziehung des Laientums nicht selten herbe Kritik aus Rom hervorrief.
Ein weiterer Aspekt wird die höfisch-weltliche Erzählliteratur des 13. bis frühen 16. Jahrhunderts sein. Damit ist die Frage verbunden, wie die adlige Ritterdichtung von Region zu Region rezipiert und aktualisiert wurde. So verehrte man Karl den Großen im gesamten Rhein-Maas-Raum als eine wichtige historische Persönlichkeit und behandelte ihn dementsprechend ausführlich in der Literatur der damaligen Zeit. "Auch heute noch gilt der große fränkische Kaiser als eine westeuropäische Identifikationsfigur. Das nahm damals seinen Anfang", so Urban Küsters.
Weiterhin befaßt sich das Symposium mit der Satire- und Narrenliteratur des 15. und 16. Jahrhunderts. Sebastian Brants "Narrenschiff" wird ebenso Thema sein wie Till Eulenspiegel. Dabei kommt sicher auch die Frage auf, ob Eulenspiegel Deutscher oder Niederländer war und eigentlich "Ulenspieghel" hieß.
Gefördert wird die Veranstaltung von der deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Land Nordrhein Westfalen. Sie steht unter der Schirmherrschaft des Generalkonsuls der Niederlande, Jan A. F. M. Revis. In Zukunft sind weitere Veranstaltungen dieser Art geplant. Hartmut Kokott: "Wir wollen eine internationale Mediävistik hier in der Region entwickeln."
Weitere Informationen sind unter Tel.0211-81-1 51 29 und E-mail zellmann(at)phil-fak.uni-duesseldorf.de und im Internet http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/germ3/Tg-indx.htm zu bekommen.
Deutsch-niederländische Literatur des Mittelalters: Narren, Nonnen, Niederrheiner
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