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Interdisziplinäre Arbeitsgruppe:
Neue Erkenntnisse zum Thrombose-Risiko

Die weltweit renommierteste Medizinische Fachzeitschrift, das New England Journal of Medicine, berichtet in ihrer morgigen Ausgabe (10. Februar 2000), daß das Thromboserisiko schwangerer Frauen genau abschätzbar ist. Erstmals ist es einer Düsseldorfer Forschungsgruppe unter Leitung von Prof. Dr. Rüdiger E. Scharf und Oberarzt Rainer B. Zotz, Institut für Hämostaseologie und Transfusionsmedizin, im Rahmen einer interdisziplinären Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Hans-Georg Bender, Frauenklinik, und Prof. Dr. Wilhelm Sandmann, Klinik für Gefäßchirurgie und Nierentransplantation, gelungen, anhand molekulargenetischer Analysen die individuelle Thrombosegefährdung in der Schwangerschaft exakt zu berechnen.

Die weltweit renommierteste Medizinische Fachzeitschrift, das New England Journal of Medicine, berichtet in ihrer morgigen Ausgabe (10. Februar 2000), daß das Thromboserisiko schwangerer Frauen genau abschätzbar ist. Erstmals ist es einer Düsseldorfer Forschungsgruppe unter Leitung von Prof. Dr. Rüdiger E. Scharf und Oberarzt Rainer B. Zotz, Institut für Hämostaseologie und Transfusionsmedizin, im Rahmen einer interdisziplinären Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Hans-Georg Bender, Frauenklinik, und Prof. Dr. Wilhelm Sandmann, Klinik für Gefäßchirurgie und Nierentransplantation, gelungen, anhand molekulargenetischer Analysen die individuelle Thrombosegefährdung in der Schwangerschaft exakt zu berechnen.

Venöse Thrombosen

Tiefe Bein- und Beckenvenenthrombosen (Gerinnselbildung in den Gefäßen) treten mit einer Häufigkeit von 1:1.500 Schwangerschaften auf. Die schwangerschaftsbedingte Thrombosegefährdung ist ca. fünfmal häufiger als bei nicht schwangeren Frauen. Komplikationen einer Thrombose (wie z. B. Lungenarterienembolien) stellen mit ca. 15 Prozent die häufigste Todesursache in der Schwangerschaft dar. Für die Entstehung tiefer Venenthrombosen ist ein Zusammenwirken erworbener Risikofaktoren (Exposition) und genetisch bedingter Risikofaktoren (Disposition) verantwortlich zu machen. Bislang lagen für die schwangerschaftsassoziierte Thrombose, insbesondere zur Wertigkeit der genetischen Risikofaktoren, nur unzureichende Kenntnisse vor.

Die aktuelle Studie der interdisziplinären Düsseldorfer Arbeitsgruppe Vaskularmedizin legt nun erstmals statistisch gesicherte Daten vor, die eine Abschätzung der Thrombosegefährdung einzelner Patientinnen bei künftigen Schwangerschaften erlauben.

In der jetzt im New England Journal of Medicine publizierten Studie haben die Düsseldorfer Wissenschaftler (Co-Autoren: Dr. Andrea Gerhardt, Priv.-Doz. Dr. Matthias W. Beckmann, Sabine Struwe und Dr. Michael Pillny) molekulargenetische Untersuchungen bei 119 Frauen durchgeführt, die während ihrer Schwangerschaft oder der anschließenden Wochenbettphase eine tiefe Bein- oder Beckenvenenthrombose erlitten hatten. Mit Hilfe modernster Bestimmungsverfahren wurden sogenannte Punktmutationen in den Genen bestimmter Gerinnungsproteine (Prothrombin, Gerinnungsfaktor V) und andere Gerinnungs- und Stoffwechselkomponenten analysiert und mit den Untersuchungsergebnissen von 233 gesunden Frauen verglichen.

Hierbei zeigte sich: Schwangere mit einer Faktor V-Mutation haben ein ca. 9fach erhöhtes Thromboserisiko, Schwangere mit einer Prothrombin-Mutation ein ca. 15fach höheres Thromboserisiko. Liegt aber eine Mutation von Faktor V und Prothrombin in Kombination vor, ist diese Thrombosegefährdung über 100fach höher. Da die Verbreitung der betreffenden genetischen Risikofaktoren in der europäischen Bevölkerung relativ hoch ist (z. B. liegt die Faktor V-Mutation bei acht Prozent), sind die neuen Erkenntnisse der Düsseldorfer Arbeitsgruppe von großer praktischer Bedeutung. Dies betrifft zum einen die Abschätzung der individuellen Thrombosegefährdung einzelner Frauen in der Schwangerschaft, zum anderen die gezielte, risikoangepaßte Prophylaxe zur Thromboseverhütung im Falle künftiger Schwangerschaften.

Welche Frauen sind besonders Thrombose-gefährdet?

Nach den Ergebnissen der aktuellen Studie und weiterer Untersuchungsergebnisse in Düsseldorf empfiehlt die Arbeitsgruppe um Prof. Scharf, daß schwangere Frauen mit vorausgegangenen Thrombosen bei Geschwistern, Eltern und Großeltern eine gezielte Spezialdiagnostik auf vererbbare Risikofaktoren durchführen lassen. Die aktuellen Forschungsresultate stellen hierzu eine Grundlage dar und erlauben, in Zukunft eine auf die einzelne Patientin bezogene Abschätzung ihrer Thrombosegefährdung vorzunehmen. Gezielte prophylaktische Maßnahmen zur Thromboseverhütung in der Schwangerschaft sind vor allem dann sinnvoll, wenn ein kombinierter genetischer Defekt in bezug auf die Gerinnungsproteine Prothrombin und Faktor V vorliegt.

Autor/in: Bärbel Broer / Rüdiger E. Scharf / Rainer B. Zotz
Kategorie/n: Pressemeldungen